Gefahr für Hunde

Täter spickt Wurstköder in Oberhausen mit scharfem Metall

Mischlingshund Lucky sollte das Würstchen besser nicht verputzen. Es könnte Gift oder scharfe Gegenstände enthalten.

Mischlingshund Lucky sollte das Würstchen besser nicht verputzen. Es könnte Gift oder scharfe Gegenstände enthalten.

Foto: Ingo Otto

Oberhausen.   Hundehasser sind wieder unterwegs: Wurstköder mit scharfen Metallstücken finden sich zum vierten Mal vor dem Tier-Geschäft „Beste Kumpels“.

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Am Mittwoch wäre es beinahe wieder passiert: Die Schäferhündin Pepper entdeckte draußen ein Stückchen leckere Wurst und wollte sie ratzfatz verputzen. Zum Glück machte ihre Halterin Nicole Herrmann der Hündin einen Strich durch die Rechnung. Denn die Wurst war mit einem scharfen Metallstück gespickt. Nicole Herrmann, Geschäftsführerin von „Beste Kumpels“, Alstadener Straße 39, ist hoch sensibilisiert: Am Mittwoch wurden in Höhe ihres Ladens, in dem es alles rund um Hund und Katze gibt, zum vierten Mal gefährliche Köder ausgelegt.

Polizei stellt die Ermittlungen ein

Der Täter scheint dabei nie aufzufallen. Die Polizei jedenfalls hat die Ermittlungen zu dieser Serie bereits abgeschlossen und den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Aber auch dort sieht man keine Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen. „Wir können nur alle Hundebesitzer und unsere Kunden warnen“, sagt Hildegard Ockenfels, Herrmanns Frau und Ernährungsberaterin für Vierbeiner im Geschäft. Sie hoffen, dass Bürger den Täter doch mal beobachten und bei der Polizei melden.

Beim ersten Vorfall im Mai hatte Pepper tatsächlich ein solch präpariertes Wurststück verschluckt. Die Hündin hatte die Wurst in der Nähe des einige Meter entfernten Imbiss entdeckt. Hildegard Ockenfels empfindet die Wahl dieses Ortes genauso perfide wie Köder direkt vor ihrem Geschäft. „Bei dem Imbiss denkt man doch, dass da jemand ein Stück Wurst weggeworfen hat – und zu uns kommen viele Kunden mit ihren Hunden“, erklärt sie.

Nachdem Pepper damals die Wurst geschluckt hatte, entdeckte Herrmann weitere „Leckerchen“ mit scharfen Metallteilen. Die Hündin brachte sie sofort in eine Tierklinik. „Ihr wurde ein Mittel gespritzt, das den Brechreiz anregt“, erzählt Ockenfels. Das rund zwei Zentimeter lange, scharfe Metallstück gelangte so im Nahrungsbrei wieder aus dem Körper, ohne Schaden angerichtet zu haben. Dieses Prozedere war aber nur möglich, weil der Magen des Tieres gut gefüllt war. Und Pepper ist groß. „Je kleiner die Hunde, desto gefährlicher sind solche Köder“, erklärt Ockenfels.

Täter geht offenbar strategisch vor

Nicole Herrmann erstattete direkt nach dem ersten Vorfall Anzeige bei der Polizei. Im Abstand von einem Monat fanden sich dann weitere Stücke von Würstchen und Frikadellen an einem Teilstück der Straße und vor „Beste Kumpels“. „Diesmal, glauben wir, gab es die Köder nur bei uns“, sagt Jenny Grohn, Mitarbeiterin bei „Beste Kumpels“. Der Täter geht dabei sehr strategisch vor, ist Ockenfels überzeugt. Die Köder würden in Ecken des Ladens deponiert, damit Hunde von Kunden sie schnell mal schlucken könnten. „Wenn die Leute das Geschäft verlassen und ihren Hund an der etwas längeren Leine halten, kommt der leicht an so einen Köder“, sagt Ockenfels.

Ein älterer Herr benahm sich seltsam

Beim ersten Vorfall hatte Herrmann einen älteren Herrn entdeckt, der sich seltsam benahm. Er schien sich beobachtet zu fühlen, sei hastig in einen Bus gestiegen und verschwunden. „Die Polizei hat von der Stoag Video-Aufzeichnungen aus dem Bus angefordert“, erzählt Ockenfels. Leider habe es sich wohl um das falsche Zeitfenster gehandelt. „Wir hätten gerne an unserem Geschäft eine Kamera installiert, um uns zu schützen“, sagt die Oberhausenerin. Das sei jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Das ihrer Meinung nach immer dreistere Vorgehen des Täters sei aber durchaus auch geschäftsschädigend.

Sie fragen sich, warum Menschen so etwas tun. „Entweder weil sie Hunde grundsätzlich nicht leiden können oder weil sie nicht wollen, dass Hunde den Stadtteil verschmutzen“, sagt Ockenfels. In letzterem Fall seien die Hundebesitzer gefordert, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere wegzuräumen. Ockenfels bedauert, dass es bei Ködern immer wieder solche Wellenbewegungen gebe. An einem Teilstück der Mülheimer Straße passiere das ja auch regelmäßig.

Online-Portale bieten Hilfe an

Um den Oberhausener Täter zu fassen, ist die Polizei auf die Hilfe der Bürger angewiesen. Sie sollten aufmerksam sein und im Verdachtsfall die 110 wählen.

Und wie schützt man den eigenen Hund? „MyDog“, das Ziemer & Falke Schulungszentrum für Hundetrainer etwa, hat ein kostenloses Video ins Netz gestellt, ein „Anti-Giftköder-Training“ für Hunde. Laut MyDog fressen jährlich rund 2000 Hunde präparierte Köder, 500 der Tiere sterben daran.

Eine Giftköder-App

Für Hundehalter gibt es außerdem eine Giftköder-App, auf der Orte gezeigt werden, an denen gefährliche Köder ausliegen. Es werden auch Tierärzte in der Nähe genannt. Infos unter https://www.giftkoeder-radar.com.

Wenn ein Hund einen mit Gift oder anderweitig gespickten Köder gefressen hat, muss er sofort zum Tierarzt gebracht werden. Das gilt auch, wenn der Hund Vergiftungserscheinungen zeigt, ohne dass der Halter etwas von einem Köder bemerkt hat. Eine Liste möglicher Gifte nach Symptomen bietet die Giftdatenbank https://clinitox.ch.

Wer Köder mit Gift oder scharfen Gegenständen auslegt, macht sich nach dem Tierschutzgesetz § 17 nur dann strafbar, wenn einem Tier etwas passiert. Das Tierschutzgesetz kennt keinen Versuch. Allerdings erfüllt eine solche Aktion auch den Tatbestand der Sachbeschädigung – hier ist bereits der Versuch strafbar. Wichtig: Unbedingt Anzeige erstatten.

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