Nahverkehr

Stoag-Busfahrer tragen aus Protest keine Dienstkleidung mehr

Einige Busfahrer in Oberhausen verzichten während der Fahrten derzeit auf ihre Dienstkleidung.

Foto: Tom Thöne

Einige Busfahrer in Oberhausen verzichten während der Fahrten derzeit auf ihre Dienstkleidung.

Oberhausen.  Der Betriebsrat der Stoag fordert, den Weg zur Arbeit als Dienstzeit anzuerkennen. Die Geschäftsführung lehnt das ab – mit kuriosen Folgen.

Zwischen Busfahrern und den Stadtwerken Stoag herrscht dicke Luft. Hintergrund ist der Fahrplanwechsel, der seit Sonntag in Kraft ist. Damit gilt für alle Fahrer ein neuer Dienstplan. Mit dem ist der Betriebsrat nicht einverstanden. Vor allem die nun längeren Schichtzeiten kritisiert dessen Vorsitzender Michael Stemmer.

Der Dienstplan ist zwar offiziell genehmigt, doch vom Tisch sind die Streitpunkte noch nicht. Mit einer auf den ersten Blick kuriosen Folge: Einige Busfahrer tragen keine Dienstkleidung mehr, sondern fahren in privater Kluft.

Busfahrer ziehen Dienstkleidung schon zu Hause an

Dazu gibt es eine komplizierte Vorgeschichte: Um zu verdeutlichen, dass die Arbeitsbelastung stetig zunimmt, hatte der Betriebsrat im Zuge der Diskussion um die längeren Schichtzeiten gefordert, den Weg zur Arbeit als Dienstzeit anzuerkennen. Denn die Busfahrer ziehen ihre Dienstkleidung in der Regel schon zu Hause an. Die Gründe: Es gibt bei der Stoag keine Umkleidemöglichkeiten und der Dienst der Fahrer beginnt nicht immer am Betriebshof, sondern an verschiedenen Start-Haltestellen im gesamten Stadtgebiet.

Dies führe dazu, dass die Mitarbeiter bereits auf dem Weg zur Arbeit in Bussen und an Haltestellen von Kunden angesprochen werden. Sie erteilen Auskünfte, kümmern sich um die Anliegen der Fahrgäste. Aus der Sicht des Betriebsrates beginnt hier für die Fahrer schon der Dienst.

Zusatzkosten von einer halben Million Euro

Die Stoag sieht das anders. Laut ihrer Rechnung müsste die Stadttochter Zusatzkosten von einer halben Million Euro jährlich stemmen, wenn sie den Forderungen des Betriebsrates nachkäme. Deshalb habe die Geschäftsführung erklärt, das Tragen der Dienstkleidung sei freiwillig, bestätigt Stoag-Sprecherin Sabine Müller auf Nachfrage. Nach ihrer groben Schätzung treten nun rund fünf Prozent der Fahrer ihren Dienst in privater Kleidung an.

Für die Stoag ist der Streit damit beigelegt. Zumal es auch im Dezember bereits ein sogenanntes Einigungsstellenverfahren gegeben hat – mit Vertretern der Geschäftsführung und des Betriebsrates, moderiert von einem externen Vorsitzenden – in diesem Fall ein vom Betriebsrat vorgeschlagener Arbeitsrichter. Ergebnis dieses Verfahrens: Fahrplan und Dienstplan sind anerkannt.

Doch für den Betriebsratsvorsitzenden Michael Stemmer ist der Konflikt damit keineswegs bereinigt. Er argumentiert mit der Betriebsvereinbarung, die bis heute nicht gekündigt sei und das Tragen der Dienstkleidung für die Busfahrer vorschreibe. Die Geschäftsführung könne nicht einfach einseitig plötzlich die Freiwilligkeit erklären.

Könne sie doch, sagt dagegen Stoag-Sprecherin Müller. Dass die Betriebsvereinbarung nicht gekündigt wurde, bestätigt sie allerdings.

Michael Stemmer wünscht sich nun Hilfe aus der Politik. Denn auch der Nahverkehrsplan des vergangenen Jahres, von der Politik verabschiedet, sieht das Tragen von Dienstkleidung grundsätzlich vor. Und an den, so Stemmer, müsse man sich schließlich halten.

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