Stadtgeschichte

Sterkrader Rat bewilligt 30.000 Mark für eine Flugzeughalle

 Das Bild zeigt den Abflugturm für Gleitflieger auf dem Flugplatz in Holten. 

 Das Bild zeigt den Abflugturm für Gleitflieger auf dem Flugplatz in Holten. 

Foto: Stadtarchiv Oberhausen

Seit 1909 starteten vom Holtener Flugplatz aus Flieger. Das Projekt „Flugzeughalle“ behandelte der Sterkrader Rat am 13. November 1919.

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Wer heute davon hört (oder hier liest), wird unterschiedlich reagieren: Will mich da jemand veräppeln? Was, das hat es wirklich gegeben? Doch, das gab’s, und vor genau einhundert Jahren, am 13. November 1919, verursachte es überhaupt keine Aufregung, dass der Rat der Stadt Sterkrade 30.000 Mark zur Errichtung einer Flugzeughalle in Holten zur Verfügung stellte. Denn den Flugplatz gab’s da schon zehn Jahre zuvor – und noch knapp zehn Jahre länger.

Spiel-, Turn- und Sportzwecke

Den Sterkrader Stadtverordneten legte Oberbürgermeister Dr. Otto Most mitten im November die Absicht vor, einen Teil des Holtener Bruchs sowie ein Stück vom Tackenberg der Gutehoffnungshütte GHH zu verkaufen – mehr als 300.000 Quadratmeter für 231.000 Mark. Ein Teil der erlösten Summe – 30.000 Mark – sollte „zum Erwerb und zur Herrichtung einer Flugzeughalle für Holtener Spiel-, Turn- und Sportzwecke“ dienen, wird die Vorlage im „General-Anzeiger für Groß-Oberhausen, Sterkrade, Osterfeld und Umgebung“ zitiert. Und weiter: „Der verbleibende Rest des Holtener Bruchs wird dauernd zu Renn-, Sport-, Spiel- und Turnzwecken der Holtener Bevölkerung gewidmet.“ Der größere Teil des Holtener Bruchs war weiterhin „für Weidezwecke“ bestimmt. Das war schon jahrhundertelang so der Fall, denn die Heide diente schon vor der Verleihung der Stadtrechte (1310) als Weidefläche und galt als „Allmende“, Gemeinbesitz also.

Hauptzweck des Grundstücksverkaufs

Dass aus dem Gesamtbetrag 100.000 Mark zur Finanzierung einer Straßenbahnverbindung zwischen Wehofen und dem Holtener Bahnhof bereitgestellt werden sollten, schien der Hauptzweck des Grundstücksverkaufs zu sein. Das kam manchem Holtener nicht gut vor, wie der Stadtverordnete Peters ausdrückte: „Die allgemeine Stimmung in Holten ist dem Verkauf nicht günstig. Die Industrie hat Fläche genug, sie hätte längst bauen können, wenn sie gewollt hätte.“ Er witterte in der Verquickung der Transaktion mit der Straßenbahn eine „Pression“.

Abflugturm als Wahrzeichen

Die Stadtverordnetenversammlung allerdings folgte dem Oberbürgermeister, und in der Diskussion spielte der Flugplatz gar keine Rolle mehr. So sehr hatte man sich an ihn schon gewöhnt. Immerhin wurde seit 1909 hier geflogen und Holten gehörte zu den ersten drei deutschen Flugplätzen! Ein Abflugturm für den Start von Gleitfliegern war seit 1916 sein Wahrzeichen, und zahlreiche Handwerksbetriebe widmeten sich dem Flugzeugbau und dessen Entwicklung. Zudem waren Flugschauen große Volksfeste mit bis zu 80.000 Besuchern.

Ruhrchemie im Holtener Bruch

Dass aus den Bestrebungen, Holten zu einem Verkehrsflughafen auszubauen, nichts wurde, lag schließlich auch an den stärker verfolgten Ambitionen aus Essen und Mülheim sowie Düsseldorf, wo Mitte der 1920er Jahre gebaut wurde. Im Holtener Bruch – und auch auf dem Gelände des Flugplatzes und Flugzeughalle – entstand ein paar Jahre später die „Ruhrchemie“ – und steht unter anderem Namen heute noch da.

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