Theater Oberhausen

Stanke als Staatsschauspieler im elenden Utzbach

Trautes Familienidyll (v.li.) ? Anja Schweitzer, Janna Horstmann und Thieß Brammer als Gattin und Kinder des Staatsschauspielers (Hartmut Stanke).

Foto: Birgit Hupfeld

Trautes Familienidyll (v.li.) ? Anja Schweitzer, Janna Horstmann und Thieß Brammer als Gattin und Kinder des Staatsschauspielers (Hartmut Stanke). Foto: Birgit Hupfeld

Zum Schluss seiner neunjährigen Intendanz inszeniert Peter Carp „Der Theatermacher“. Thomas Bernhards Drama karikiert die Regietheater-Päpste.

Ohne Skandale im theaterfanatisierten Wien hätten weder Thomas Bernhard noch sein bevorzugter Uraufführungsregisseur Claus Peymann sein mögen. Und ein bisserl skandalumwittert ist auch „Der Theatermacher“ – gern gedeutet als Bernhard’sche Generalabrechnung. 33 Jahre später inszeniert Peter Carp den „Theatermacher“ zu seinem Abschied von Oberhausen – aber ihm ist weder nach Abrechnung noch nach Skandal. „Utzbach hat mit Oberhausen überhaupt nichts zu tun“, betont der nach neun Jahren scheidende Intendant. „Und ich bin auch ganz anders als Brus­con – hoffe ich doch.“

Utzbach und Bruscon, das sind Ort der Handlung und Held des Bernhard’schen Werkes, das heute um 19.30 Uhr als letzte Premiere der Spielzeit im Großen Haus zu sehen ist. Bruscon, der alternde Staatsschauspieler (Hartmut Stanke) hat selbst ein Drama geschrieben – das grotesk überladene „Rad der Geschichte“. Damit tingelt er samt Gattin und Kindern als seinem Ensemble durch die österreichische Provinz – bis auf die Gasthofbühne des „Goldenen Hirschen“ in besagtem Utzbach. Als Hort der Piefigkeit für Bernhardianer längst ein geflügeltes Wort.

Großer Auftritt für Hartmut Stanke

Noch einmal eine ganz große Rolle für die goldene Stimme Hartmut Stankes – denn sein Bruscon „schwadroniert“, wie Peter Carp sagt, „er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen“. Wohl 98 Prozent des Bernhard’schen Textes gehören diesem egomanen Bruscon, durchdrungen von Wissen um die Bedeutung seines – im fernen Wien natürlich sträflich unterschätzten – Monumentalwerkes, in dem Nero ebenso auftritt wie Hitler und Albert Einstein. Dieses überdrehte „Rad der Geschichte“ lernt das Publikum allerdings nur in kleinen Proben-Fragmenten kennen – kann sich aber sein Teil denken. Peter Carp, der in den 1980ern als Dramaturg für Hans Neuenfels arbeitete, nennt Bernhards Bruscon „die Karikatur der Regietheater-Päpste – da entdeckt man viel Ähnliches“.

So lamentiert der Provinz-Gestrafte: „Eigentlich sollte ich Schmerzensgeld verlangen, weil ich hier auftrete.“ Oberhausen aber – wir haben’s geklärt – ist weder das elende Utzbach noch das vom „Theatermacher“ gepriesene Gastpoltshofen. Ist es denn eine nach wie vor gültige Analyse des österreichischen Gesamtzustands? Abwarten, meint Peter Carp. „Warten wir auf die nächsten Wahl im Herbst.“

>>> Tickets

Premierenkarten kosten von 12 bis 32 Euro, für die folgenden Aufführungen am 20. und 31. Mai 11 bis 23 Euro, 0208 - 8578 - 184, online

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