Stadt-Gedächtnis

Stadtarchiv Oberhausen will für die Bürger da sein

Das Magazingebäude: Der Neubau entstand auf dem Schulhof der ehemaligen Hauptschule Lirich, rechts daneben befindet sich der Bürotrakt mit dem Lesesaal.

Foto: Stadtarchiv

Das Magazingebäude: Der Neubau entstand auf dem Schulhof der ehemaligen Hauptschule Lirich, rechts daneben befindet sich der Bürotrakt mit dem Lesesaal.

Oberhausen.   Das Team des Stadtarchivs ist nun vollzählig. Die Digitalisierung des Materials ist eines der großen Zukunftsprojekte – und mehr Nähe zum Bürger.

Magazin-Neubau am neuen Standort, Umzug, neue Leitung – das Oberhausener Stadtarchiv war in den vergangenen zwei Jahren im Umbruch. Der Rat bewilligte der Bewahrungsstätte zudem zwei zusätzliche Vollzeitstellen für Facharchivare. Die sind nun beide besetzt, das Team ist vollzählig. Mehr denn je versteht sich das Archiv als Dienstleister für die Bürger dieser Stadt, sagt Leiter Magnus Dellwig. Ein Erklärstück für die Kunden.

Was ist die Aufgabe eines Stadtarchivs?

Das Archiv soll Entscheidungsprozesse der Stadt dokumentieren – und die Lebenswelt der Bürger. Pflichtaufgabe ist, amtliches Archivgut aus dem Rathaus, den Ämtern oder Tochtergesellschaften zu sichern, zu sichten und nutzbar zu machen. „Wir müssen ein gesundes Verhältnis zum Papierkorb haben“, sagt Archivarin Michaela Schmitz. Die Fachleute bewerten, was aufbewahrungswürdig ist, weil es einen großen Informationswert hat – oder schmeißen es weg. Es gibt dafür gesetzliche Vorgaben und Aufbewahrungsfristen.

Ist ein Stadtarchiv nur etwas für Profi-Historiker?

Nein, „Zielgruppe ist die ganze Oberhausener Bürgerschaft“, sagt Archiv-Leiter Magnus Dellwig. Derzeit nutzten vor allem erfahrene Heimat- und Familienforscher die Einrichtung, aber das neue Team wünscht sich mehr Zulauf: zum Beispiel auch von Schülern, die eine Facharbeit schreiben. Von Studenten oder von Bürgern, die mehr über die Geschichte ihres Stadtteils („Wie sah es früher hier aus?“) oder eines Vereins erfahren möchten. Öffentliche Einrichtungen der Stadt, Gerichte oder Medien sind ebenfalls Kunden.

Was kann denn das Archiv für mich als Bürger tun?

Alte Zeitungen, alte Adressbücher, Festschriften von Vereinen, Schulchroniken, Examensarbeiten, Fotografien, Nachlässe von Bürgern der Stadt – wie zum Beispiel von Theaterkenner Gerd Lepges – machen die Geschichte der Stadt nachvollziehbar und dienen der Identifikation. Wer in die Historie eintauchen will, findet im Archiv das Quellenmaterial. Magnus Dellwig und sein Team bitten Organisationen, Werbegemeinschaften oder Schulen darum, Exemplare ihrer Schriften dem Archiv zu überlassen.

Daneben gibt es handfeste Anliegen von Gerichten, der Stadt, Anwälten: Ein Erbe muss ermittelt werden, eine Grundstückfrage geklärt werden. Das Stadtarchiv bewahrt Urkunden, Pläne und Akten aus den Ämtern der Stadt dafür auf.

Wer sind die Ansprechpartner im Oberhausener Archiv?

Seit Oktober arbeitet Christoph Spilling im Archiv. Der 43-Jährige, der in Marburg Archivwesen studiert hat, ist mit Leib und Seele Stadtarchivar, „weil diese Form des Archivs am nächsten dran ist am Nutzer“. Im März hat Michaela Schmitz angefangen in Oberhausen. Die 35-jährige studierte Historikerin und Archivarin arbeitete u.a. schon im Staatsarchiv Hamburg. Die digitale Erschließung von Archivgut ist einer ihrer Schwerpunkte. Zum Team an der Eschenstraße zählen neben Magnus Dellwig noch Andreas Uecker und Gabriele Zell.

Welche Projekte stehen jetzt im Archiv an?

„Wir wollen ins Internet“, sagt Michaela Schmitz. Das heißt, die Archivalien sollen über digitalisierte Findbücher erschlossen sein, damit Kunden auch im Netz recherchieren können. Die Software dazu kommt nächstes Jahr. Oder das Archivgut selbst wird digitalisiert, z.B. Zeitungen. Zusätzlich wollen die Archivare die Übernahme der Akten aus den Ämtern standardisieren und modernisieren. Außerdem sind da noch rund 1000 Umzugskartons, die ausgepackt und ausgewertet werden wollen.

Was muss ich machen, wenn ich Akten oder andere Archivalien einsehen will?

Das Team bittet alle Besucher darum, bereits vor ihrem ersten Besuch mit dem Archiv in Kontakt zu treten und per Mail oder telefonisch mitzuteilen, woran man Interesse hat, was man untersuchen will, welche Fragen man hat oder welchen Forschungsschwerpunkt. Das ermöglicht den Mitarbeitern die Vorbereitung des Besuchs durch eine Vorrecherche – indem zum Beispiel die jeweiligen Akten schon einmal herausgesucht werden –, so dass Wartezeiten vermieden werden.

Wie arbeite ich in einem Archiv?

Als Besucher darf man nicht selbstständig im Magazin recherchieren. Der Bestand eines Archivs wird über Findbücher zugänglich gemacht, in denen die Archivalien nach Themen geordnet aufgeführt, katalogisiert und beschrieben sind. Diese Findbücher sind im Lesesaal einsehbar. Im Lesesaal erhält man auch die Akten zur Einsicht. Man darf mittlerweile auch Fotos von Seiten machen. Die Archivalien dürfen nicht ausgeliehen werden. Außerdem steht eine historische Bibliothek zur Stadtgeschichte als Präsenzbestand zur Verfügung.

Muss ich Eintritt zahlen oder benötige ich einen Benutzerausweis wie in der Bibliothek?

Nein. Bei bestimmten Auskünften für private oder gewerbliche Zwecke (Erbenermittlung) oder für Dienstleistungen wie Kopien, Porto etc. wird aber eine Gebühr erhoben.

>>> Für gewerbliche Kunden wird es teuer

Das Stadtarchiv muss teurer werden – jedenfalls für gewerbliche Kunden, die Informationen vom „Gedächtnis der Stadt“ erfragen. Dieser Ansicht waren die Politiker im Kulturausschuss und empfahlen in ihrer Sitzung am 7. November dem Rat eine entsprechende Anpassung der Benutzungs- und Entgeltordnung.

Angesetzt waren im Neu-Entwurf der Verwaltung 30 Euro Gebühr für Firmen-Kunden, „orientiert an den tatsächlichen Personalkosten“, wie Magnus Dellwig als Leiter des Stadtarchivs erklärte. Das Archiv der Nachbarstadt Bottrop allerdings nimmt 50 Euro für jede halbe Stunde. „Nehmen wir doch 40 Euro“, meinte Manfred Flore (SPD) und fand allseits Zustimmung im Kulturausschuss.

„Es wird nicht alles teuer“, versicherte Archivleiter Dellwig. So ist digitalisiertes Archivgut jetzt günstiger – für 1,50 Euro – zu haben. Und gegen eine Pauschale von nur 2,50 Euro pro Tag darf Archivgut künftig auch mit Kamera oder Smartphone fotografiert werden.

Das Stadtarchiv spart sich damit eigene Foto-Dienstleistungen. Um sie in angemessener Qualität anbieten zu können, fehle es ohnehin an der technischen Ausstattung, so Magnus Dellwig.

Im Vergleich der Jahre 2016 und 2018 erwartet der Archivleiter eine Verdoppelung der Einnahmen auf rund 15 000 Euro.

>>> Kontakt und Öffnungszeiten

Stadtarchiv Oberhausen, Eschenstraße 60. Kontakt per Mail an stadtarchiv@oberhausen.de oder telefonisch unter 0208-3095209-0.

Öffnungszeiten: dienstags von 9 bis 15 Uhr und donnerstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet, für die übrigen Werktage ist eine Terminvereinbarung außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

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