Stahlwerksgelände

Stadt Bottrop gegen Decathlon-Ansiedlung in Oberhausen

Auf der Freifläche zwischen Casino und Poco (rechts) soll Decathlon eine Filiale errichten.

Foto: Hans Blossey

Auf der Freifläche zwischen Casino und Poco (rechts) soll Decathlon eine Filiale errichten.

Oberhausen.  Die Stadt Bottrop fürchtet um die Kunden in ihrer Stadt und beschwert sich beim Regionalverband Ruhr über die Decathlon-Ansiedlung in Oberhausen.

Die Stadt Bottrop fürchtet um die Kaufkraft in ihrer Stadt und geht gegen die geplante Ansiedlung des Sportartikel-Riesen Decathlon auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände am Centro vor. Seine Einwände hat das Bottroper Rathaus auch bereits dem Regionalverband Ruhr (RVR) zugeleitet, nun muss sich Oberhausen mit den Einwänden befassen und Stellung nehmen.

Gefahr für die Innenstädte

Im Kern geht es Bottrop um die Waren, die in den Geschäften am Brammenring – von Lidl über Poco bis zum Baumarkt Hornbach – angeboten werden. Diese sind gesetzlich als Schutz der Innenstädte vorgeschrieben: Der Landesentwicklungsplan regelt für Nordrhein-Westfalen, welche Warengruppen abseits der Stadtzentren und im großflächigen Einzelhandel angeboten werden dürfen – und welche eigentlich den Innenstädten vorbehalten sind. Als großflächig gelten Geschäfte mit einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern.

Formal halte sich Oberhausen zwar an die Regeln: Decathlon darf nur auf 795 der geplanten 4500 Quadratmeter Innenstadt-Waren anbieten, etwa Kleidung, Schuhe oder bestimmte Sportartikel. Aber: Oberhausen betrachte jede neue Ansiedlung auf dem Stahlwerksgelände einzeln, lautet der Vorwurf von Klaus Müller, Technischer Beigeordneter der Stadt Bottrop. „Wir meinen, man müsste die gesamte Fläche betrachten und schauen, wie viel Kaufkraft schon aufgrund der dort bereits angesiedelten Unternehmen abfließt.“ Nur weil die Stadt Oberhausen jede neue Ansiedlung einzeln und getrennt bewerten lässt, kämen Gutachter zum Schluss, dass nur weniger als zehn Prozent der Kaufkraft von Bottrop nach Oberhausen fließt.

Zieht Oberhausen mehr als zehn Prozent Kaufkraft ab?

In Wahrheit, davon ist Bottrop überzeugt, sei es viel mehr. Zumal Oberhausen auch das Centro mit seinem Anteil zentrenrelevanter Waren nicht in die Kaufkraft-Analysen einbeziehe. Aus der Sicht Bottrops stellt das Angebot auf dem Stahlwerksgelände eine unzulässige Ansammlung und Verdichtung von Einzelhandel dar.

Oberhausen bewertet den Fall anders. Die Stadt werde die Einwände der Nachbarn natürlich prüfen, heißt es. Auch der Investor und die Gutachter sollen Stellung beziehen. Grundsätzlich steht die Stadt Oberhausen der Ansiedlung aber positiv gegenüber. Auf dem Areal sollten ja – im Gegensatz zum Centro – gerade solche Anbieter wie Poco, Engelbert Strauss und Decathlon Platz finden, „die in einem verträglichen Maß Zentren-relevante Sortimente anbieten, aber darüber hinaus ein vielfältiges atttraktives Angebot haben“, sagt Stadt-Sprecher Frank Helling.

>>>>INFO: ANWOHNER BEFÜRCHTEN VERKEHRSKOLLAPS

Noch im ersten Halbjahr 2018 wird die Stadt Oberhausen die Pläne zur Decathlon-Ansiedlung offenlegen. Dann werden auch Bürger die Möglichkeit haben, Anregungen zu geben oder Kritik zu äußern. Das Echo der Bürge r ist bislang zwiegespalten: Die einen freuen sich, dass die Stadt einen weiteren Anziehungspunkt erhält. Andere fürchten dagegen, dass der Verkehr in dem eh schon angespannten Bereich kollabiert.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik