Pfarreientwicklungsprozess

St. Clemens: Sterkrader Katholiken beraten über ihre Zukunft

Bei einem Zukunftstag der Pfarrei St. Clemens taten sich die Kirchengemeinden im Gemeindezentrum von Herz Jesu in Sterkrade zusammen.

Bei einem Zukunftstag der Pfarrei St. Clemens taten sich die Kirchengemeinden im Gemeindezentrum von Herz Jesu in Sterkrade zusammen.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Wie geht es weiter mit den vier katholischen Gemeinden in Oberhausens Norden? Beim Zukunftstag in der Herz Jesu Kirche gab es zwei Optionen.

Nach Sterkrade-Mitte pilgerten am Samstag über 200 katholische Christen aus den vier nördlichen Gemeinden der Großpfarrei St. Clemens. Im überfüllten Saal von Herz Jesu an der Inselstraße beratschlagten sie über ein noch offenes Thema des Pfarreientwicklungsprozesses: Wie und wo wird die Katholische Kirche im Sterkrader Norden künftig noch präsent sein?

Ein Vorbereitungskreis hatte zwei Alternativen erarbeitet. Allerdings wurde am Samstag kein Votum der Gläubigen eingeholt. Sie sollten vielmehr nur das Für und Wider erörtern und in allen Einzelaspekten aufschreiben.

Die Alternativen lauteten: Entweder es wird an einem neuen Standort ein Gemeindezentrum völlig neu gebaut. Wahlweise könnte auch einer der heutigen vier Standorte dazu ausgebaut und alle anderen aufgegeben werden. Oder an diesen Standorten bleiben noch zwei Kirchen und zwei Gemeindeheime erhalten, teilweise aber nur mit einer Garantie bis 2030. Dann muss die Entscheidung fallen, wer sich künftig nur noch mit einer Kirche bzw. einem Gemeindeheim begnügen muss. Bislang gibt es in St. Johann Holten, St. Joseph Schmachtendorf, St. Theresia in Walsumermark und in St. Barbara Königshardt beide Gebäude.

„Wo keine Kirche mehr ist, ist keine Gemeinschaft mehr“

Darüber wurde in kleinen Gruppen intensiv diskutiert und eine Vielzahl von Gesichtspunkten zusammengetragen. Besonders schien die Variante mit dem Neubau die Fantasien zu beflügeln. Allerdings warnte ein Mann davor, dem Hang junger Leute nachzugeben und nur noch digital miteinander in Kontakt zu stehen. „Man würdigt sich nur noch gegenseitig herab, ohne sich zu kennen“, lautete sein Votum für persönliche Kontakte vor Ort. „Wo keine Kirche mehr ist, ist keine Gemeinschaft mehr“, mahnte auch eine Frau. „Aber spricht die Backstein-Architektur vieler unserer Kirchen junge Leute noch an?“, fragte Pastor Michael Danne.

„Viele werden nicht mehr kommen, wenn es zu weit weg ist“, warnte eine junge Frau. Ein älterer Herr konterte: „Die Entfernung darf keine Rolle spielen.“ „Heimat ist der Ort, wo man sich treffen kann, egal ob Kirche oder Gemeindeheim“, sagte eine Frau. „Noch zehn Jahre und Du brauchst gar keine Kirche mehr. Noch dominiert die Kirche aber den Ortskern“, meinte ein Herr.

Offene Aussprache vermisst

Pfarrer Peter Fabritz freute sich über die rege Beteiligung. Zur Aussprache im großen Kreis kam es aber nicht. Auch wurden keine Zahlen genannt, wie es bei der Evangelischen Kirche üblich ist. Klaus Sokolowski-Tinten vom Vorbereitungskreis sagte aber zu, alle Aspekte würden in das Votum einbezogen.

Anne Henze von St. Barbara befürchtet, dass die Mehrheit für einen Neubau eintritt: „Ich gehöre zu de­nen, die lieber überall eine Anlaufstelle erhalten möchten.“ Sonst werde es noch mehr Schwund geben.

Harte Einschnitte stehen bevor

Ohne ein finanzielles Gegensteuern wäre die Katholische Kirchengemeinde St. Clemens Sterkrade in wenigen Jahren überschuldet. Sie zehrte zuletzt von Rücklagen. Laufenden Einnahmen von knapp 1,5 Millionen Euro jährlich stehen laufende Ausgaben von knapp 1,6 Millionen Euro gegenüber. Diese Unterdeckung würde sich auf 465.000 Euro jährlich erhöhen, wenn nicht reagiert würde.

Seit 2014 läuft deshalb in der Pfarrei der sogenannte Pfarreientwicklungsprozess. Ziel dabei ist es, dem Bischof von Essen ein Konzept an die Hand zu geben, wie die Pfarrei künftig mit weniger Personal und weniger Gebäuden ihre Aufgaben erfüllen möchte. Die die letzte Entscheidung darüber trifft der Bischof.

Für die Pfarrei selbst stehen die Wünsche der Gesamtgemeinde bereits fest. Bis 2030 wird das von der Gemeinde selbst zu bezahlende Personal von 13 auf sechs Vollzeitstellen (ohne Beschäftigte der Kitas sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger) verringert.

Kirche Liebfrauen wird aufgegeben

In Sterkrade-Mitte bleibt danach die Kirche Herz Jesu an der Oskarstraße mitsamt Gemeindeheim erhalten, die Kirche St. Clemens jedoch nur, soweit sich dafür auch nach 2030 noch Mittel aufbringen lassen. Die Kirche Liebfrauen in Schwarze Heide wird aufgegeben. Für das Gemeindeheim an der Roßbachstraße kommt ein Förderverein auf. Im Bezirk Buschhausen wird für die Kirche St. Josef nur noch bis 2030 eine Bestandsgarantie gegeben, das Gemeindeheim aufgegeben. Für den Bezirk Sterkrade-Nord steht die Festlegung noch aus.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben