WAHLKAMPF

SPD-Sommerfest mit vielen Zweiflern im Kaisergarten

Foto: Kerstin Bögeholz

Hunderte von Menschen zog es am Sonntag zum Sommerfest auf die große Wiese des Kaisergartens. Viele Zweifel und kritische Stimmen zu Chancen und Politik der SPD

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Volksfest-Stimmung am Sonntagnachmittag beim SPD-Sommerfest im Kaisergarten. Wenn es nach der Zahl der Besucher geht, müsste die Wahl am 24. September für die SPD gelaufen sein. Hunderte von Menschen strömen auf die große Wiese, wo sich Imbiss- und Getränkestände, Infostände und Kinderbelustigung aneinander reihen und ein Bühnenprogramm für Unterhaltung sorgt. Nur die große politische Zufriedenheit mit der SPD lässt sich bei Besucherin nicht feststellen.

„Nach der Zahl hier können wir ja nicht gehen,“, sagt ein Mitfünfziger aus Osterfeld, der ebenso wie seine Frau der SPD angehört. „Grundsätzlich bin ich mit der SPD-Politik einverstanden. Aber nicht mit den Hartz-IV-Reformen“, erklärt der Mann. Aber die SPD wolle ja jetzt gegensteuern. Von der Merkel-Politik allein halte er gar nichts. Da sei es schon besser, wenn die Große Koalition fortgesetzt würde und die SPD ein Ge­gen­gewicht bilde. „Schöner wäre natürlich eine andere Koalition. Aber davon sind wir wohl weit entfernt.“ Seine Frau sorgt sich sogar um das Direktmandat für Dirk Vöpel. „Laut ,wahl-o-mat’ (ein Vergleich der Parteiprogramme im Internet) müsste ich Linke oder Grüne wählen“, sagt sie.

Kein Problem damit, ihren Namen zu nennen, hat Brigitte Kämpf aus Alt-Oberhausen. Sie ärgert sich darüber, dass die Parteien die Bürger vor wichtigen Entscheidungen nicht fragen würden, zum Beispiel vor der Einführung des Euro.

Zu wenig soziale Gerechtigkeit

Weder von Angela Merkel noch von Martin Schulz hält sie viel. Ihr Lebensgefährte spricht sich für die FDP aus. „Wer demokratisch wählen und eine richtige Änderung bewirken will, muss FDP wählen“, erklärt er. Mit allen anderen etablierten Parteien herrsche Stillstand. Linke und AfD stünden außerhalb des demokratischen Spektrums. „Wenn sie das tun würden, was Michael Groschek (der SPD-Landesvorsitzende) vorhin gesagt hat, mehr soziale Gerechtigkeit schaffen, würde ich sie auch wählen“, erklärt eine Rentnerin aus Lirich. „Aber es wird ja keines der Versprechen eingehalten.“ Die Verteilung der Einkommen hält sie für total ungerecht. „Man muss denen da oben was abnehmen und an die Kleinen verteilen. Das wäre Gerechtigkeit.“

Tatsächlich würden aber nur die Besserverdienenden davon profitieren, wenn etwa die Kindergarten-Beiträge abgeschafft würden. Für die kleinen Leute wäre das ja okay. „Aber wenn die Frauen dann mitarbeiten, machen die vier Mal im Jahr Urlaub und der Steuerzahler soll für ihre Kinderbetreuung bezahlen.“ Das sei nicht in Ordnung. Denn für eine gute Bezahlung der Erzieherinnen fehle immer noch das Geld.

Eine alleinerziehende Mutter aus Bermensfeld ist auch mit der SPD nicht glücklich. „Laut ,wahl-o-mat’ sollte ich sie ja wählen“, sagt sie. Aber die SPD wisse bis heute nicht, wieso sie im Mai in NRW abgewählt wurde, habe bis jetzt keine Ursachenforschung betrieben. „Wie will man sich da für die Bundestagswahl richtig aufstellen?“ Außerdem ist sie davon überzeugt, dass Angela Merkel als Kanzlerin eine bessere Figur macht. „Die Steuergesetzgebung ist total ungerecht“, findet sie. „Meine Familienform wird nirgendwo berücksichtigt. In Steuerklasse II habe ich nur 50 Euro mehr als in I. Und davon soll ich mein Kind großziehen?“

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