Karnevalsprinz

Sohn folgt dem Vater in Oberhausen auf den Narrenthron

Er regiert nun die Narren in Oberhausen: Dirk I. (Loege) erhielt am Samstag in der ausverkauften Luise-Albertz-Halle aus den Händen von Hauptausschuss-Präsident Ludger Decker die Insignien der Macht.

Er regiert nun die Narren in Oberhausen: Dirk I. (Loege) erhielt am Samstag in der ausverkauften Luise-Albertz-Halle aus den Händen von Hauptausschuss-Präsident Ludger Decker die Insignien der Macht.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Big-Brother-Kandidat Almklausi gratulierte, Schlagersänger Jörg Bausch stimmte ein Loblied an: Dirk I. (Loege) regiert die Oberhausener Narren.

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Der närrische Kreis hat sich in der Luise-Albertz-Halle geschlossen. Dirk I. (Loege) regiert seit dem frühen Samstagabend als Prinz von Groß-Oberhausen in der Session 2019/2020 die Narretei. Die Zeremonie in der mit 1000 Gästen nahezu ausverkauften Luise-Albertz-Halle gehört aber auch zu einem nicht alltäglichen Teil einer Familiengeschichte. Erstmals folgt der Sohn dem Vater in Oberhausen auf den Narrenthron – ziemlich genau 25 Jahre später.

Würdigende Worte zum Auftakt der Prinzenkürung

„Damals habe ich als stolzer Sohn die Kürung miterlebt, heute stehen ich selbst auf der Bühne“, erinnert Dirk Loege an seinen vor acht Jahren nach einer hartnäckigen Krebserkrankung mit 66 Jahren zu früh verstorbenen Vater Josef. Dieser hat im Vereinsleben und in der Politik deutliche Spuren hinterlassen, ob als Bezirksbürgermeister von Alt-Oberhausen, Aufsichtsratsmitglied bei RWO oder Geschäftsführer des Hauptausschusses Groß-Oberhausener Karneval – oder überzeugter Liricher.

Daher schwingen bei der mit knapp fünf Stunden recht ausladend geratenen Inthronisierung würdigende Worte mit: Der Prinz aus den Reihen der Karnevalsgesellschaft „Echte Fründe“ nimmt im erfrischend knapp gehaltenen offiziellen Teil Zepter und Prinzenhut aus den Händen von Hauptausschuss-Präsident Ludger Decker entgegen. Dass Dirk I. viel vorhat, zeigt die Proklamation.

Karneval im Revier zwischen Tradition und Party

Die elf Schunkel-Paragrafen sind, wie schon die Hoppeditz-Rede zur Sessionseröffnung, mit ordentlich Lokalkolorit gewürzt. „Dem Kämmerer Apostolos Tsalastras wird aufgegeben, Elf-Cent-Münzen herzustellen und in ausreichender Anzahl kostenfrei an die Bürger auszugeben, um damit die neuen Parkgebühren zu entrichten. Damit ist dem Parkraumbewirtungskonzept und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz genüge getan!“ Ein Narr, wer nicht an bekannte Aufregerthemen denkt.

Das Programm selbst kann man in zwei Akte unterteilen, die auch die beiden unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Revier-Karnevals verdeutlichen. „De Kloetschenköpp“ spielen als Karnevals-Cover-Band überwiegend rheinische Mundart-Hits mit Schunkel-Qualität. Als Eisbrecher keine schlechte Wahl!

Die Nippeser Bürgerwehr marschiert mit zwei Busladungen Uniformierter samt Tanz-Marie in die Stadthalle und zeigt Kölner Karneval in R(h)einkultur.

Nippeser Bürgerwehr zieht mit „Beute“ von der Bühne

Die Kölner nehmen es mit dem Regelwerk sehr genau. Seine Standarte bei einem derartigen Gastbesuch auf der Bühne unbewacht zu platzieren, ist vermutlich ungefähr so sinnvoll wie Reiner Calmund unbeaufsichtigt in einen Bonbon-Laden zu schicken. Die Nippeser ziehen jedenfalls mit „Beute“ von der Stadthallen-Bühne, die nach altem Ritus ausgelöst werden muss.

Die Redner Labbes und Drickes halten für das Zwiegespräch die Fahne noch, was in unruhigen Sälen nicht einfach ist.

Der Tanz der Oberhausener Garden pflegt alte Gepflogenheiten, mit neuen Akzenten. Erstmals tanzen zwei Garden zusammen quasi im Duett. Mit der KG „Glück auf“ und der OKG Harmonie hat das Oberhausener Tanzprunkstück im Vergleich zum Vorjahr Zuwachs bekommen. Gelungen!

Sänger Almklausi fragt nach der Mutter von Nicki Lauda

Der zweite Akt des Programms zündet krachende Partyschlager – und tauscht Karnevalslieder mit Mallorca-Hits. Sänger Almklausi ließ sich kürzlich erst im Container der Sat1-Show „Promi Big Brother“ filmen und fragt in der Stadthalle melodisch: „Wie heißt die Mutter von Nicki Lauda?“ Für Ballermann-Freunde ist dies eine rhetorische Frage. Antwort: „Mama Laudaaa!“ (Tatsächlich heißt sie übrigens Elisabeth).

Jörg Bausch reist „Wie ein Wolf in der Nacht“ dann noch die Hütte ab. „Dieser Flug“, „Großes Kino“ – Popschlager beschließen den Reigen.

Zwei Akte, zwei Meinungen: Dass sowohl Kölsche Mundart als auch zünftige Party innerhalb der Narretei Fans und Gegner haben, zeigt, dass Kompromisse manchmal nicht schaden können. Das Motto des Prinzen ist darauf ausgerichtet: „Mit neuem Schwung und Tradition, lasst uns tanzen durch die Session!“ Dass viele Gesellschaften im Prinzenteam mitwirken, beweist, was gemeinsam klappen kann. Die große Prinzengarde bei der „Echte Fründe“ und „Alstadener Bären“ gemeinsam tanzen, ist das beste Beispiel.

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