Junge Klassik

Sinfoniekonzerte feiern Beethovens 250. Geburtstag

Für wahrlich internationales Flair sorgt bei diesem Auftritt von Dmitri Levkovich mit dem berühmten Cleveland Orchestra schon das eindrucksvolle Dekor aus Nationalflaggen.

Für wahrlich internationales Flair sorgt bei diesem Auftritt von Dmitri Levkovich mit dem berühmten Cleveland Orchestra schon das eindrucksvolle Dekor aus Nationalflaggen.

Foto: Roger Mastroianni

Oberhausen.  Zur Gratulationscour für den „Titanen“ zählt in der Luise-Albertz-Halle auch ein „Philharmonischer Chor“ mit den besten Stimmen aus Oberhausen.

Klar, mit einem Mozart-Jubiläum lässt sich leichter umgehen: Seit Habsburger Zeiten gibt’s marzipanschweres Naschwerk mit dem Konterfei des Wunderkindes; Peter Shaffer machte aus dem Frühvollendeten hochdramatisch ein Mordopfer und Falco einen „Punker“ und einen „Superstar“. Doch 2020 ist der nur 14 Jahre jüngere Ludwig van Beethoven dran – und damit die vermeintlich allzu ernste Seite der Klassik: Auch er einst ein junger Wilder, doch dabei arg vergrübelt. Ausgerechnet beim „Mozart-Mörder“ Antonio Salieri hat der junge Beethoven studiert. Und für den Wunderkind-Status hätte es eines Vaters wie Leopold Mozart bedurft – aber keines gewalttätigen Säufers wie Johann van Beethoven.

Neben der Geburtsstadt Bonn, der Wahlheimat Wien und etlichen Musik-Metropolen weltweit reiht sich 2020 auch Oberhausen mit seinen „Internationalen Sinfoniekonzerten“ ein in die Gratulationscour für den „Titanen“ (was im 19. Jahrhundert noch ein grandioses Prädikat war und keine Selbsthuldigung eines „Cheri, Cheri Lady“-Komponisten). Die ersten beiden der vier Konzerte in der Luise-Albertz-Halle, die Kulturbüro-Chef Volker Buchloh dem Kulturausschuss vorstellte, widmen sich dem Bahnbrecher von der Wiener Klassik zur Romantik - und warten keineswegs bis zu Beethovens 250. Geburtstag am 17. Dezember.

Großer Chor singt „Meeresstille und glückliche Fahrt“

So gastiert am 17. März 2020 die Philharmonie aus der rumänischen Großstadt Bacău (deutsch Bakau) mit einem außergewöhnlichen Programm und den Solisten Sonja Maria Westermann (Sopran) und Patrick Rohbeck als Rezitator. Zu hören ist dann die Schauspielmusik für Goethes Drama „Egmont“ neben Auszügen aus den „Geschöpfen des Prometheus“ und der Konzertarie „Ah perfido!“.

Auch das zweite Gratulationskonzert würdigt in besonderer Form Beethovens Kompositionen für schöne Stimmen: Für den Auftritt am 6. Juni schließt Volker Buchloh als Dirigent die leistungsstarken Chöre Oberhausens zu einem großen „Philharmonischen Chor“ zusammen. Zu hören sind dann Teile der Messe in C-Dur, geprägt vom Vorbild des zweiten Beethovenschen Lehrmeisters Joseph Haydn, neben der „Coriolan“-Ouvertüre sowie die Kantate „Meeresstille und glückliche Fahrt“ nach Gedichten Goethes. Den großen Chor begleitet das Sinfonieorchester Ruhr. „Bei besonders großer Publikumsnachfrage wird ein Wiederholungskonzert angeboten“, kündigt Buchloh an.

Der „Siegessinfonie“ folgte ein Jahrzehnt der Ächtung

Den Ausklang des Sommers 2020 gestaltet am 13. September die Kammerphilharmonie St. Petersburg unter Leitung von Juri Gilbo ganz patriotisch ohne Beethoven, dafür mit den beiden Polen der russischen Nationalromantik: mit Michail Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ und mit Pjotr Tschaikowskis wuchtigem Klavierkonzert Nr. 1 mit Dmitri Levkovich am Flügel. Dieses üppige Programm krönt Dmitri Schostakowitschs 9. Sinfonie (von 15). Im letzten Kriegsjahr 1944/45 erwartete die Sowjetführung eine heroisch gestimmte „Siegessinfonie“. Der Komponist schuf dagegen ein geradezu karikaturesk-grelles Werk, das ihm für fast ein Jahrzehnt die Ächtung durch die Kulturpolitik der Stalin-Getreuen eintrug.

Ein Jubiläums-Programm geben die Bochumer Symphoniker schließlich auch am 12. November 2020: Denn dann gilt es 20 Jahre „Musik der Zukunft“ zu feiern, diese einzigartige Form eines Konzertexamens und Uraufführungskonzerts für junge Komponisten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben