Arbeitsplatz-Verluste

Siemens schließt Standort von Dresser-Rand in Oberhausen

Der Standort von Dresser-Rand in Buschhausen schließt. Der Mutterkonzern Siemens verlegt die Produktion ins tschechische Brünn.

Foto: Gerd Wallhorn

Der Standort von Dresser-Rand in Buschhausen schließt. Der Mutterkonzern Siemens verlegt die Produktion ins tschechische Brünn. Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Oberhausen verliert wieder rund 80 Industrie-Arbeitsplätze. Siemens schließt ein Turbinenwerk und lässt künftig in Tschechien weiterproduzieren.

Und wieder fallen in Oberhausen rund 80 Industrie-Arbeitsplätze weg: Das Werk des Turbinenbauers Dresser-Rand an der Brinkstraße in Buschhausen schließt. Und das bereits zum Ende des Monats. Das bestätigt Georg Lohmann, Sprecher des Konzerns Siemens, zu dem Dresser-Rand seit knapp zwei Jahren gehört, auf Nachfrage.

Von den Plänen hatte Siemens die Mitarbeiter bereits vor rund zwei Jahren informiert. Grund für die damals beschlossene Schließung: Der Großkonzern verlagert die Produktion ins tschechische Brno (Brünn). Diese Verlagerung sei auch bereits abgeschlossen, erklärt Lohmann.

„Es ist ein Trauerspiel“

Betriebsbedingte Kündigungen habe es bislang nicht gegeben, wie auch Jörg Schlüter, Vorsitzender der Oberhausener IG Metall bestätigt. 30 Mitarbeiter sind bereits Mitte vergangenen Jahres zum Siemens-Dampfturbinen-Service in die Nachbarstadt Essen gewechselt, für andere habe es Abfindungsverträge gegeben.

Insgesamt habe sich Siemens fair verhalten, sagt Jörg Schlüter. Trotzdem sei die Schließung des Betriebes eine schlechte Nachricht für Oberhausen. Turbinenbauer MAN, Babcock Borsig Steinmüller, Hitachi in Duisburg, und jetzt Dresser-Rand: „Die Region verliert weiter viele Industrie-Arbeitsplätze, die auch nicht mehr wiederkommen werden“, sagt Schlüter. „Es ist ein Trauerspiel.“ Die Politik sei in der Pflicht, diesen Arbeitsplatz-Verlust zu kompensieren.

Unwürdige Szenen im Betrieb

Über die „traurige Entwicklung“ seines einstigen Arbeitgebers berichtet auch ein mittlerweile pensionierter Mitarbeiter. Er bedauert sehr, dass Siemens nun „Turbinen für günstige tschechische Kronen produzieren lassen will“, erzählt er im persönlichen Gespräch. Er berichtet von „unwürdigen Szenen“ im Betrieb an der Brinkstraße: Mitarbeiter aus Brünn seien mit der Sprühdose durch das Werk „marschiert“. Sie hätten alles markiert, was nach Tschechien transportiert werden soll: „Fachwissen und Baupläne haben sie ja eh schon lange.“

Siemens’ Turbinengeschäft kriselt seit Jahren. Auch in Mülheim fürchten Mitarbeiter um ihre Zukunft. In der Nachbarstadt hat Siemens seinen größten Standort in NRW. Doch nach dem Abschluss eines Großauftrages vor wenigen Wochen sind die Auftragsbücher auch hier leergefegt. In Mülheim steht der Abbau von knapp 350 Arbeitsplätzen an, deutschlandweit sind es noch einmal genau so viele.

Die Immobilie an der Brinkstraße hat Siemens an BNP Paribas Real Estate verkauft.

>> GESCHICHTE EINES UNTERNEHMENS

Die Oberhausener Firma wurde 1956 unter dem Namen Kuhnert Turbinen gegründet, Gründer und Mitarbeiter waren damals aus Dresden und Meißen ins Ruhrgebiet gekommen. 1971 hat der US-Konzern Terry Corporation Kuhnert übernommen, später dann Dresser-Rand, ebenfalls aus den USA.

Siemens hat das Maschinenbau-Unternehmen vor rund zwei Jahren, im Sommer 2015 übernommen – auch wegen des derzeitigen Öl- und Gasbooms in Nordamerika.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik