Fehlender Rettungsweg

Sicherheitsmängel: Mieter müssen Europahaus teilweise räumen

Das Europahaus am Friedensplatz. Weil es keinen zweiten Rettungsweg gibt, müssen Mieter der siebten Etage ihre Wohnungen verlassen.

Das Europahaus am Friedensplatz. Weil es keinen zweiten Rettungsweg gibt, müssen Mieter der siebten Etage ihre Wohnungen verlassen.

Foto: Gerd Wallhorn

oberhausen.   Komplette Etage des Europahauses muss geräumt werden, weil zweiter Rettungsweg fehlt. Vermieter weiß über die Sicherheitsmängel lange Bescheid.

Schock für die Mieter des Europahauses am Friedensplatz: Die Bewohner der siebten Etage müssen ihre Wohnungen räumen. So steht es in einem Brief des Bauordnungsamtes, der vor einigen Tagen in die Briefkästen der Betroffenen geflattert ist. Grund sind Sicherheitsbedenken: Für die siebte Etage des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gibt es keinen zweiten Rettungsweg.

Dieses Problem ist lange bekannt. Der jetzige Eigentümer wisse seit November 2017, dass er handeln muss, damit die siebte Etage des Hauses weiter bewohnt werden kann. Das erklärt die Stadt Oberhausen auf Nachfrage. Beim Kauf der Immobilie sei das Problem offen angesprochen worden.

Vermieter äußert sich nicht

Der Vorbesitzer habe sogar bereits im November 2016 eine Baugenehmigung von der Stadt erhalten, um einen zweiten Rettungsweg zu schaffen. Diese Genehmigung wurde beim Eigentümerwechsel an den neuen Besitzer weitergegeben. Geschehen ist seitdem jedoch nichts. Verantwortlich ist die Zentral Boden Vermietung und Verwaltung GmbH (ZBVV) als Verwalter des einst so prestigeträchtigen Baus am Friedensplatz.

Die ZBVV hat sich trotz wiederholter Nachfrage, telefonisch und schriftlich per E-Mail, nicht zu dem Fall geäußert. Wie viele Mieter konkret betroffen sind, wollte auch die Stadt auf weitere Nachfrage nicht mehr beantworten.

Fest steht, dass die Mieter ihre Wohnungen verlassen müssen. Allerdings nicht sofort und unvorbereitet: „Zurzeit finden lösungsorientierte Gespräche mit allen Beteiligten statt“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

In der siebten Etage in besonders großer Gefahr

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Mieter des Europahauses von ihrem Vermieter im Stich gelassen fühlen. Mehrfach haben sich Betroffene in jüngster Vergangenheit im Linken Zentrum getroffen, das ebenfalls im Europahaus ansässig ist, um sich auszutauschen und sich über ihre Rechte zu informieren. Die Mieter klagen zum Beispiel über zu hohe Nebenkostenabrechnungen, defekte Aufzüge und Heizungen, Wasserschäden, fehlende Rauchmelder. Letztere sind nach Aussage der Mieter immer noch nicht installiert, obwohl der Vermieter rechtlich dazu verpflichtet ist.

Große Sicherheitsbedenken sind es denn auch, die die Stadt nun zum Handeln gezwungen haben. „Das Fehlen eines zweiten Rettungsweges stellt immer eine konkrete Gefahr für die Benutzer dar“, heißt es aus dem Rathaus. Sollte es zu einem Brand im Europahaus kommen, befänden sich die Bewohner der siebten Etage in besonders großer Gefahr. Die Feuerwehr kann ihre Rettungsleitern nur bis zu einer bestimmten Höhe anlegen. Ob es im Ernstfall bis zur siebten Etage reicht, ist fraglich.

>>> Stirbt ein Mensch bei einem Brand, haftet die Stadt

Das Oberhausener Europahaus ist kein Einzelfall: Im Dezember mussten die Bewohner von 18 Wohnungen ein Haus in Duisburg räumen. Grund: Mangelnder Brandschutz. In Bochum mussten 70 Menschen im vergangenen Juni ihre Koffer packen.

In Duisburg-Homberg mussten im Februar sogar 200 Mieter ihre Wohnungen räumen. Die Stadt hatte lebensgefährliche Brandschutzmängel festgestellt und die Nutzung untersagt. Denn: Stirbt ein Bewohner bei einem Brand, haftet die Stadt.

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