Urwahl

Senioren fordern mehr Macht für ältere Oberhausener

Uwe Wiemann und Siegfried Räbiger von der Oberhausener SPD Arbeitsgemeinschaft 60 plus

Foto: Kerstin Bögeholz

Uwe Wiemann und Siegfried Räbiger von der Oberhausener SPD Arbeitsgemeinschaft 60 plus Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Jugendliche wählen ein eigenes Parlament, Ausländer ihren Integrationsrat. Jetzt wollen auch die Senioren eine selbst gewählte Vertretung.

Die älteren Sozialdemokraten fordern eine stärkere demokratische Beteiligung der über 60 Jahre alten Oberhausener – damit deren Interessen in der Stadt besser als bisher berücksichtigt werden. Der Vorschlag der Oberhausener SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus: In geheimer Briefwahl sollen die knapp 60 000 älteren Oberhausener schon 2020 eine echte Seniorenvertretung mit ihren Kandidaten wählen. Bisher bestimmt hier der Rat die Besetzung des Seniorenbeirats, der auch nur ein Unterausschuss des Sozialausschusses ist.

„Eine Seniorenvertretung ist besser demokratisch legitimiert, sie ist unabhängiger von anderen und kann sich mit engagierten Kandidaten um die Bedürfnisse der Senioren intensiver kümmern“, meint Uwe Wiemann, stellvertretender Vorsitzender der stadtweiten SPD-AG 60plus.

Andere Großstädte lassen wählen

Eine solche Urwahl für eine echte Seniorenvertretung gibt es bereits in anderen Großstädten wie Düsseldorf oder Köln. Es bleibt per Landesgesetz jeder Gemeinde selbst überlassen, ob sie eine Seniorenvertretung wählen lässt.

Bisher sind die Anläufe der verdienten Sozialdemokraten in Oberhausen jedoch im Sande verlaufen. „Wir rennen gegen Mauern an. Im Rat will keine Partei, dass die älteren Bürger selbst direkt ihre Seniorenvertretung wählen. Denn wir könnten dann freier agieren, hätten mehr Macht – und die Plätze im heutigen Seniorenbeirat könnten nicht so einfach bestimmt werden“, gibt Siegfried Räbiger an. Dabei dürften doch ausländische Bürger ihren eigenen Integrationsrat und Jugendliche ihr Jugendparlament in Oberhausen wählen. Räbiger ist seit kurzem Vorsitzender der recht rührigen SPD-AG 60plus Oberhausen-Mitte, die zuvor Werner Perz 22 Jahre lang geführt hat.

Zu lange nicht um Alte gekümmert

Die beiden Sozialdemokraten sehen die bisherige Arbeit des Sozialbeirates recht kritisch. „Die sind vom Sozialausschuss gesteuert, da kommen doch nur Nick-Abstimmungen an“, sagt Räbiger. Man behandele die echten Probleme der Senioren zu wenig. Das treffe auch auf die gesamte Partei zu. „Unsere SPD hat sich zu lange nicht um die Alten gekümmert – auch deshalb sind die Wahlen hier und im Land verloren gegangen.“

So sei es dringend erforderlich, Ältere mit kleinen Renten ernsthaft zu beraten. „Viele sind zu stolz, Grundsicherung bei der Stadt zu beantragen, aus Sorge, dass die Nachbarn das erfahren“, erlebt Wiechmann bei den Betroffenen.

Zudem würden die Altenheime viel zu wenig kontrolliert und es gebe kaum Kontakte des Seniorenbeirates zu den Heimbeiräten der Pflegebedürftigen. Viele Familien wüssten nichts darüber, wo man sich über Pflege unabhängig informieren kann.

Im Argen liegt nach Meinung der Sozialdemokraten auch die Vernetzung der älteren Menschen in den Stadtquartieren. „Wir benötigen Impulse für eine bessere Nachbarschaftshilfe, so dass mehr Menschen im Alter daheim leben können“, meint die SPD-AG 60 plus. „Wer keine eigene Familie hat, für den bleibt ohne funktionierende Nachbarschaft nur das Heim.“

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