Emschergroppe

Seltene Fischart überlebte stinkende Emscher in Oberhausen

Einfach nicht zu finden: Die Karausche (Carassius carassius), eine Art aus der Familie der Barsche.

Einfach nicht zu finden: Die Karausche (Carassius carassius), eine Art aus der Familie der Barsche.

Foto: Reinhard

Oberhausen.  Lange Zeit hielt man die Emschergroppe für ausgestorben. Doch diese kleinen Fische gibt es in Oberhausen wieder in Hülle und Fülle.

Robert Donoso-Büchner, ausgewiesener Fischexperte für Aquarien und feuchte Ruhrgebiets-Biotope, verfährt nach dem Muster, erst die schlechte Nachricht, dann die gute Nachricht.

Monatelang streifte er mit einfachem Kescher ausgerüstet durch die kleinen Niedrig-Gewässer des Emschersystems in Oberhausen – immer auf der Suche nach zwei besonderen Fischarten: der Karausche und dem neunstacheligen Stichling. Vergeblich war leider all diese Mühe, mit GPS-Signal und Höhenmeter die heimischen Wohlfühlorte von Carassius carassius und Pungitius pungitius zu finden, die meist recht genügsam sogar in verschlammten Tümpeln oder Brackwasser überleben können.

„Ich habe leider in den Kleingewässern des Emschersystems kein Exemplar dieser Arten aufspüren können“, konstatiert Fischbuchautor Donoso-Büchner vor den etwas enttäuscht blickenden Fauna- und Flora-Fachleuten des Naturschutzbeirates. Keine Fische in Oberhausens angesichts des „dramatischen Ausmaßes der Industriegeschichte, die Fische in abseitige Bereiche verdrängte“?

Kescher stieß auf Rotaugen, Stichlinge und Karpfen

Nein, zum Glück täuschte dieser erste Eindruck des Vortrags. Denn andere Fischarten fand der Forscher in Hülle und Fülle – im Alsbach, Mühlenbach, Reinersbach, Elpenbach, Düsselbach, Nasskampgraben und wie die alten Emscherzuflüsse im Stadtgebiet sonst so heißen. „Ich hätte kiloweise herausholen können“, erzählt Donoso-Büchner. „Die Wasserqualität der Bäche hat mich überrascht, weil sie sehr gut ist.“ Man merke nur an der Leitfähigkeit der klaren Flüssigkeit, dass sie sehr mineralienhaltig sei, erzeugt von der über 100 Jahre andauernden Bergbau-und Stahlkocherzeit.

So stieß der Kescher von Donoso-Büchner auf Rotaugen, Nacktschwanz-Stichlinge, dreistachliche Stichlinge, Flussbarsche und sogar auf richtig dicke Karpfen, die der Fischexperte als „ziemlich große Klöpper“ bezeichnete. Zufrieden war er mit diesem Fund allerdings nicht: „Sie sind kein natürlicher Besatz und werden Krebsen zum Verhängnis.“ Und diese kleinen Lebewesen, die dreckiges Wasser scheuen wie der Teufel das Weihwasser, kommen tatsächlich in Oberhausen vor: „Ich habe am Mühlenbach einen Krebs gesehen, aber nicht fangen können.“

Seit 2011 wieder ausgesetzt

Karpfen als Krebstöter hin oder her – immerhin haben bereits die Römer die bei Umweltfreunden so ungeliebten Karpfen in unsere Gewässer eingeschleppt. Lang ist es her, so ganz unnatürliche Lebewesen für unsere Region sind sie also nicht.

Lange hielt man auch die Emschergroppe, eine Unterart der Rheingroppe, für ausgestorben – über hundert Jahre dachte keiner, dass dieser bis zu 14 Zentimeter kleine Fisch die stinkenden Wassermassen aus Klos und Fabriken in der Emscher überlebt hat. Aber er konnte sich in Gladbecker und Bottroper Kleinstbächen retten – und wurde 2009 von Donoso-Büchner wiederentdeckt.

In gemeinsamen Aktionen mit Tierfreunden der Emschergenossenschaft setzte man diese Groppenart in mehreren Gewässern der Nachbarstädte seit dem Jahr 2011 aus. Und jetzt konnte Donoso-Büscher vor dem Naturschutzbeirat eine kleine biologische Sensation verkünden: „Es gibt einen klaren Nachweis von Emschergroppen in Oberhausen.“ Die Tiere seien nun im Läppkes Mühlenbach in großer Zahl zu finden – und zwar in allen möglichen Größen, von ganz klein bis ziemlich groß. „Sie haben sich bestens vermehrt.“ Nach dem kompletten Umbau des Emschersystems könnten sich diese Groppen also wieder überall ansiedeln.

Diese gute Nachricht hob sich der Forscher bis fast zuletzt auf. Halt, da war aber noch etwas: Selbst die gemarterte kleine Emscher zeigt Wunderliches. „Man denkt ja, in diesen Abwässern ist nichts mehr los, doch das stimmt nicht.“ Donoso-Büchner fand Wasserasseln, Insektenlarven, Wasserkäfer. „Das ist gar nicht schlecht.“

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