Rückblick

Seilbahn und Skihalle – die ungelegten Eier Oberhausens

In Köln fährt eine Seilbahn – in Oberhausen war dieses Fortbewegungsmittel immer mal wieder im Gespräch. Bis heute ist es: ein ungelegtes Ei.

In Köln fährt eine Seilbahn – in Oberhausen war dieses Fortbewegungsmittel immer mal wieder im Gespräch. Bis heute ist es: ein ungelegtes Ei.

Oberhausen.   Geflügelfarm im Ruhrpark, Seilbahn zwischen Hauptbahnhof und Kaisergarten und ein Riesen-Stadion – was von einstigen Ideen übrig geblieben ist.

Über ungelegte Eier braucht man nicht wirklich zu sprechen, aber zu Ostern kann man das doch mal tun? Schließlich sind Eier – wenn nicht jetzt, wann dann? - doch zur Stunde in aller Munde.

Auch in unserer schönen Stadt zwischen Ruhr und Rotbach hat es immer mal Andeutungen, Gerüchte, Gespräche, sogar handfeste Diskussionen gegeben über das, was man so als „ungelegtes Ei“ betrachten darf. Zu Ostern 2019 haben wir ein paar davon aus dem Körbchen des Erinnerns genestelt – schmunzelnd meist, fassungslos aber manchmal auch.

Eine Idee des Bürgerrings Alstaden

Hübsch klingt heute die Idee des Alstadener Bürgerrings, der im Frühjahr 1953 mit der Anregung aufwartete, im Ruhrpark eine Geflügelfarm anzulegen. Da hallte vielleicht noch die erste Nachkriegszeit wider, die aus dem Ruhrpark den legendären „Stielmuspark“ mit Gartenland für die notleidende Bevölkerung gemacht hatte.

Aber gackerndes und am Ende eierlegendes Federvieh wollte dann doch niemand haben. Immerhin: Seit über 50 Jahren veranstaltet der SPD-Ortsverein West am Ostersonntag ein fröhliches Eiersuchen im Park – auch an diesem Sonntag wieder ab 10 Uhr.

Als Phantasterei wurde in den 60er Jahren der Gedanke abgetan, zwischen Hauptbahnhof und Kaisergarten eine Seilbahn anzulegen, um den Verkehr, der damals unweigerlich über die chronisch verstopfte Werksgasthauskreuzung führen musste, zu entlasten.

Großstadion am alten HOAG-Schlackenberg

Im Verkehrsverein wurde die Vorstellung geboren, verschwand schnell wieder in der Versenkung, wurde aber mit der Anlage des Bero-Zentrums erneut aufs Tapet gebracht, um erneut zu verschwinden. Gleichwohl: Wie aus dem Nichts taucht der Gedanke immer wieder mal auf – Köln ist da ein leuchtendes Beispiel fürs Funktionieren.

Auch schön und in manchem Kopf noch schwirrend war der Anfang der 60er Jahre irgendwo geäußerte Gedanke, man könne den alten HOAG-Schlackenberg (heute Gewerbegebiet Kaisergarten) in ein „Großstadion“ verwandeln. So nannte man damals Stadien mit einem Fassungsvolumen von rund 70.000 Zuschauern und allen leichtathletischen Anlagen. Auf Luftbildern der Zeit kann man die ovale Struktur eines solchen Stadions sogar erkennen. Das mag zu der Idee geführt haben, die wohl nie ernsthaft erörtert worden ist.

Dass sich mit neuen Projekten neue Vorhaben verschwistern, ist einleuchtend: Im Vorfeld der Planungen für die City West (vormals Zeche Concordia) hatte es die Idee von Stadtbibliothek und einem Haus der Erwachsenenbildung in der Wohnanlage 1973 sogar bis in den Bebauungsplan gebracht. Realisiert wurde sie Jahrzehnte später – allerdings im Bert-Brecht-Haus.

Flugzeugfabrik in der Neuen Mitte

Nichts blieb von einer ganzen Reihe stattlicher Projektideen, die teils monate- und sogar jahrelang erörtert wurden: Die Neue Mitte sollte unter anderem eine Flugzeugfabrik mit angeschlossenem Flugplatz, eine dauerhafte Fertighausausstellung und den berühmten „Gläsernen Menschen“ erhalten.

Am Ende ging nichts davon, was auch für die erst zehn Jahre alte Vorstellung vom Skizentrum „Grand Alpine“ gilt, das ein umtriebiger Mann namens Joachim Herden mit Hilfe internationaler und örtlicher Investoren auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände errichten wollte.

Modelle gab’s und Zeichnungen und Pressekonferenzen, es blieb rein gar nichts. Übrigens ist auch von Joachim Herden seit vielen Jahren nichts mehr zu hören und zu sehen.

Immer wieder zu hören gibt’s was vom Versprechen der CDU, den Rotlichtbezirk an der Flaßhofstraße zu verlagern. Nun stammt die Absichtserklärung aus dem letzten Kommunalwahlkampf, vielleicht wird vor der nächsten Wahl ja mal wieder was zu vernehmen sein. Aber Obacht: Wahlversprechen haben eine verflixte Ähnlichkeit mit ungelegten Eiern.

Zu den österlichen Erfahrungen gehört ja, dass Eier manchmal so gut versteckt werden, dass sie schier unauffindbar sind. Bleibt die Frage, ob man ungelegte Eier überhaupt verstecken kann. Frohe Ostern!

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