Kirchen-Zukunft

Schwieriges Votum für St. Joseph in Styrum

Bleibt zunächst einmal erhalten: Die zwischen 1871 und 1874 errichtete, denkmalgeschützte Kirche St. Joseph in Styrum.

Bleibt zunächst einmal erhalten: Die zwischen 1871 und 1874 errichtete, denkmalgeschützte Kirche St. Joseph in Styrum.

Foto: Tom Thöne

Oberhausen.   Gemeinden Herz Jesu und St. Joseph behalten Kirchen höchstens zehn Jahre. Alstaden gibt St. Peter für St. Antonius auf. Investoren interessiert.

Vor großen Veränderungen stehen die katholischen Gemeinden im Süden der Stadt. Wie in allen Gemeinden im Bistum Essen werden derzeit Vorschläge erarbeitet, wie die Kirche der Zukunft in Oberhausen-Mitte und Umgebung aussehen könnte – hier am Beispiel von Alt-Oberhausen, Alstaden und Styrum.

Schwierig habe sich das Votum für die Stadtmitte und Styrum dargestellt, sagt Pfarrer Vinzent Graw, der seit einigen Monaten beide Gemeinden betreut: „Bis zum Sommer dieses Jahres hatten St. Joseph und Herz Jesu noch jeweils einen eigenen Pastor. Erst nach dem Weggang von Holger Schmitz und Peter Fabritz habe ich beide Gemeinden übernommen.“ Das bedeute, dass Herz Jesu und St. Joseph noch nicht zusammengewachsen sind: „Und in dieser Situation können wir nicht eine dieser Kirchen aufgeben. Insofern haben wir beschlossen, dass sowohl St. Joseph als auch Herz Jesu zunächst einmal für höchstens zehn Jahre beide erhalten bleiben sollen,“ betont Graw.

Beide Kirchen stehen unter Denkmalschutz

Auf lange Sicht aber sei es nicht möglich, so große finanzielle Rücklagen zu bilden, um beide Kirchen erhalten zu können. Beide Gotteshäuser stehen jedoch unter Denkmalschutz, so dass ein Abriss auch nach diesen zehn Jahren nicht zur Diskussion stehe.

Leichter als in der Stadtmitte sei die Entscheidung in Alstaden gefallen. Graw: „St. Peter und St. Antonius teilen sich schon seit zehn Jahren einen Pastor. Unser Votum sieht nun vor, St. Peter als pastoralen Standort zugunsten von St. Antonius aufzugeben. Wir hoffen für St. Peter auf eine neue Nutzung, bei der zumindest ein Teil der Kirche erhalten bleibt.“ Denkbar wäre auch der Bau von altersgerechten Wohnungen.

Keine rein kirchliche Zukunft wird auch das Kolpinghaus an der Paul-Reusch-Straße haben: „Hier ist die Vermietung der ersten Etage denkbar, so dass die untere Wohnung und das Büro für uns erhalten bleiben könnten. Möglich ist aber auch der Verkauf des gesamten Hauses – mit oder ohne den angrenzenden Kindergarten, für den wir aber noch Verträge für drei Jahre haben.“ Bereits jetzt gebe es Gespräche mit Investoren für St. Peter und das Kolpinghaus.

Weiter Gottesdienste in Kapellen

Weil es in gutem Zustand und das größte in der Gegend ist, wird auch das Gemeindehaus der Styrumer St. Joseph-Gemeinde am Kaplan-Küppers-Weg kirchlich weiter genutzt. Und in den Kapellen im Vinzenzhaus und in der Helios St. Elisabeth-Klinik sollen auch in Zukunft Gottesdienste gehalten werden: „So lange wir das personell schaffen“, betont Graw.

Für ihn stellt sich der Prozess dieser Pfarrerneuerung insgesamt positiv dar: „Ich erlebe hier ein großes Engagement vieler Menschen und das in einer konstruktiven Atmosphäre.“ Zwar werde derzeit viel um kirchliche Gebäude gerungen, doch ebenso wichtig sei der inhaltliche Veränderungsprozess, sagt Graw: „Wir sind dabei, neue Schwerpunkte zu erarbeiten. Dazu zählt in Oberhausen-Mitte beispielsweise ein diakonisch-karitativer Schwerpunkt, den wir anbieten – beispielsweise über eine neue Sozialarbeiter-Stelle. Auch werden wir die Willkommenskultur weiter entwickeln.“ Graw ist sicher: „Es ist eine epochemachende Phase für die katholische Kirche. Doch aus früheren Krisen wissen wir, dass genau diese zu großen Aufbrüchen geführt haben. Zum Beispiel durch die Gründung großer Klöster. Ich gehe davon aus, dass auch in Zukunft die katholische Kirche eine Erneuerung erfahren wird.“

>>>>>>>>>> Präsentation der Vorschläge

Die Pfarrei Herz-Jesu lädt am Samstag, 2. Dezember, um 17 Uhr zu einer Messe in die Kirche am Altmarkt ein. Im Anschluss daran wird es in der Kirche eine Präsentation der Vorschläge geben, die die Pfarrei vor dem Hintergrund der Sparbemühungen dem Bistum Essen vorlegen wird.

Endgültig abgestimmt wird in den Gremien am 12. Dezember, bevor das Votum am 21. Dezember ans Bistum geht. Die Prüfung der Vorschläge dauert sechs bis acht Wochen. Bei Zustimmung beginnt in den Gemeinden konkret die Planung für neue Nutzungen mit Investoren.

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