Flüchtlingskinder

Schwierige Lage an Oberhausener Innenstadt-Grundschulen

In der Oberhausener Innenstadt ballen sich die pädagogischen Probleme in den Grundschulen, Flüchtlingskinder in unsere Schulsysteme zu integrieren.

Foto: Hans Blossey

In der Oberhausener Innenstadt ballen sich die pädagogischen Probleme in den Grundschulen, Flüchtlingskinder in unsere Schulsysteme zu integrieren. Foto: Hans Blossey

Oberhausen.   Für Flüchtlingsfamilien bezahlbare Wohnungen gibt es in Oberhausen vor allem im Bereich der Innenstadt. An den Schulen ballen sich die Probleme.

Die Oberhausener Rathaus-Spitze sorgt sich um die Lage an den Grundschulen in der Innenstadt. Denn sie müssen besonders viele Kinder von Flüchtlingen aufnehmen, weil viele geflüchtete Familien nach ihrer ersten Zeit in Heimen in preiswerte und bezahlbare Privatwohnungen ziehen.

Das ist von der Politik schon alleine aus Kostengründen, aber auch zugunsten einer besseren Integration der Flüchtlingsfamilien gewünscht. Doch bezahlbare freie und ausreichend große Wohnungen werden auf dem Markt vor allem in der Oberhausener City angeboten – und so ballen sich die Flüchtlingskinder in den Grundschulen, die im Zentrum sind.

Pädagogisch äußerst anstrengend

„Die Innenstadt-Schulen sind besonders stark belastet, die Lage wird sich dort weiter verschärfen. Die Situation der Schulen ist prekär“, räumte die städtische Schulaufsichtsbeamtin Silke vom Bruch im Schulausschuss recht ungeschminkt ein. „Wir kommen nicht umhin, mehr Platz in den Innenstadt-Schulen zu schaffen, um wenigstens die Kinder in kleineren Gruppen unterrichten zu können.“

Mangelnde Deutschkenntnisse, anderer Kulturkreis, schlimme Erfahrungen auf der Flucht – die Arbeit mit diesen Kindern ist pädagogisch äußerst anstrengend. In Seiteneinsteiger-Klassen werden derzeit in Oberhausen 730 Kinder und Jugendliche – weitgehend aus Flüchtlingsfamilien – unterrichtet.

Gut 300 davon sind Grundschüler. So muss im Oberhausener Süden die Falkensteinschule den Unterricht von 32 Seiteneinsteiger-Kindern bewältigen, die Concordiaschule 26, die Marienschule 23, die Rolandschule 36, die Astrid-Lindgren-Schule 26 Kinder. Das geht aus der aktuellen Seiteneinsteiger-Statistik der Stadt für Oktober hervor. Im Oberhausener Norden hat dagegen die Alsfeldschule gerade einmal zwölf Flüchtlingskinder, die Erich-Kästner-Schule 14, die Königschule zehn Kinder.

Die Stadt hat sogar schon überlegt, die Kinder mit Schulbussen von ihrem Wohnquartier in andere Stadtteile zu Grundschulen zu bringen, die noch freie Kapazitäten haben. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. „Die Kinder kommen dann nicht an. Sie erscheinen nicht pünktlich bei der Abfahrt der Busse um 8 Uhr – und dann nutzt das nichts“, sagt Silke vom Bruch. Duisburg und Essen hätten Tests mit Schulbussen wieder abgebrochen.

Enger Kontakt zu den Eltern notwendig

Lehrer der Seiteneinsteigerklassen berichten, dass bei einigen Kindern nur durch einen besonders engen Kontakt mit den Eltern gewährleistet werden kann, dass die Kinder pünktlich und regelmäßig ihrer Schulpflicht nachkommen können. „Ein solch enger Kontakt ist nur bei einer wohnortnahen Beschulung möglich“, sagt vom Bruch. Deshalb wolle man auch bei Flüchtlingskindern am Prinzip festhalten, dass die Grundschule möglichst fußläufig erreichbar ist.

CDU-Fraktionschefin Simone-Tatjana Stehr sieht dringenden Handlungsbedarf von Politik und Rathaus. „Die Probleme potenzieren sich genau in den Stadtteilen, die ohnehin stark belastet sind.“

Nach Angaben von Schuldezernentin Elke Münich steht die Bewältigung der Flüchtlingsproblematik ständig auf der Tagesordnung der Stadtspitze. „Die wohnortnahe Beschulung ist weiter sinnvoll, die Kinder per Fahrdienst durch die Stadt zu fahren, ist nicht praktikabel. Wir können nur durch neue günstige Wohnungen gegensteuern, eine Entlastung kann sich also erst in einiger Zeit einstellen.“

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