Klassentreffen

Schulzeit vor 50 Jahren im Oberhausener Knappenviertel

24 ehemalige Schülerinnen und Schüler des Entlassjahrgangs 1969 der früheren Hauptschule St. Michael feierten in Haus Union ein Wiedersehen nach 50 Jahren. Mit dabei auch (9.v.li.) Christa Bartoniek, die damalige Klassenlehrerin.

24 ehemalige Schülerinnen und Schüler des Entlassjahrgangs 1969 der früheren Hauptschule St. Michael feierten in Haus Union ein Wiedersehen nach 50 Jahren. Mit dabei auch (9.v.li.) Christa Bartoniek, die damalige Klassenlehrerin.

Foto: Gerd Wallhorn / Funke Foto Services / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Frühere Schüler der Knappenschule an der Uhlandstraße feierten in Haus Union nach 50 Jahren ein Wiedersehen. Auch ein Filmproduzent war darunter.

Von einer zwar formal strengen, im Großen und Ganzen aber unbeschwerten Schulzeit berichteten ehemalige Schülerinnen und Schüler der Knappenschule. 24 Angehörige des Entlassjahrgangs 1969 trafen sich am Samstagabend in Haus Union. Sie hatten sich bis zum späten Abend viel zu erzählen, auch wenn dies bereits das dritte Klassentreffen nach 1989 und 2009 war. Aus allen ist etwas geworden, aus einem ehemaligen Schulverweigerer sogar ein Filmproduzent.

Sogar die alte Lehrerin war gekommen

Astrid Yurdagül (64), geborene Schöneweis, und Norbert Eberhard (65) hatten das Treffen organisiert. 39 Mädchen und Jungen hatte der Jahrgang, er bildete zuletzt eine große Klasse. Die Teilnehmenden konnten sogar ihre ehemalige Lehrerin Christa Bartoniek (89) aus Duisburg begrüßen. Eberhard überreichte der alten Dame einen Blumenstrauß als Dank für ihr Kommen. „Es freut mich, dass ihr alle euer Leben gemeistert habt“, sagte sie.

„Wenn sie geredet hat, war es ruhig“, erinnerte sich Klaus Sungen. Eine gewisse Strenge im Unterricht habe dazugehört, merkte seine ehemalige Mitschülerin Sigrid an. „Da war nichts mit Quatschen.“ Lehrer, denen diese Strenge gefehlt habe, hätten es schwer gehabt.

Noch den Abschluss geschafft

Sungen hat nur das neunte und letzte Jahr seiner Schulzeit im Knappenviertel verbracht. Der Jahrgang, dem er angehörte, war zugleich der erste Entlassjahrgang der damals neu gegründeten Städtischen katholischen Hauptschule Sankt Michael. „Ich war immer ein Schulverweigerer“, erinnerte sich Sungen. Ganze vier Monate verbrachte er an der neu gegründeten Hauptschule. „Ich war ein Rückläufer von einer weiterführenden Schule“, erzählte er. Dass er sie überhaupt mit einem Abschlusszeugnis verlassen konnte, verdankt er den damals Verantwortlichen an der Schule.

Seiner beruflichen Entwicklung hat das nicht zum Nachteil gereicht. Zusammen mit zwei Kumpels fand er über die Kurzfilmtage den Einstieg in die Film- und Fernsehbranche, verbrachte sein Leben jahrelang in Berlin und Liverpool. Seit 2009 ist er wieder in Oberhausen und bis heute als Filmproduzent tätig, zum Beispiel bei den Kroatien-Krimis der ARD, für die er sich sechs Monate im Jahr in Kroatien aufhält.

„Es hieß zwar katholische Schule“, berichtete Sungen, aber es sei nicht „katholisch“ zugegangen. „Knutschen im Flur war jedenfalls möglich.“ Bei manchen Ehemaligen auch mehr. Erna Dönges, geb. Schmidt, etwa war in jenem Abschlussjahr bereits schwanger vom späteren Vater ihrer drei Kinder. Das kam vom Besuch in der „Höhle“, einer Hinterhof-Wohnung, in der er lebte. Von ihren so früh geborenen Kindern sei keines auf die schiefe Bahn geraten, betonte sie am Samstag. „Jung gefreit, nie bereut“, merkte eine ehemalige Mitschülerin dazu an. Und mit Sigrid, ihrer besten Freundin, die es nach Kamp-Lintfort verschlagen hat, telefoniert sie seit 45 Jahren täglich.

Freundschaften halten bis heute

Astrid Yurdagül lebt heute sogar in der Nähe von Darmstadt in Hessen. „Die Schule hat mir viel gegeben, Freundschaften, die bis heute halten“, berichtete sie. Sie wuchs bei ihren Großeltern auf. Und Berni Hubert erzählte von seiner Großmutter, die im Viertel „Tante Änne“ hieß und dort einen Getränkehandel betrieb. Sie sei ständig von ihren 14 Enkelkindern umgeben gewesen. „Ich habe in den Straßen immer Leergut aufgelesen und das Pfand an der Trinkhalle in Süßigkeiten umgesetzt“, erzählte er.

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