Schrott-Immobilie

Schrotthaus: Einzelhändler wird aus Verzweiflung Hausmeister

Die Elektro Börse an der Friedenstraße. Das Geschäft ist im Erdgeschoss angesiedelt, darüber befinden sich Wohnungen.

Die Elektro Börse an der Friedenstraße. Das Geschäft ist im Erdgeschoss angesiedelt, darüber befinden sich Wohnungen.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Problem-Immobilie in Oberhausen beherbergt auch einen Elektrohändler. Aus Sorge um sein Ladenlokal ist der Händler als Hausmeister aktiv.

Plötzlich tropft Schmutzwasser aus der Toilette durch die Decke. Es zerstört teure Drucker, verdreckt das Ladenlokal, beschädigt ausgestellte Geräte wie Kühlschränke oder Mikrowellen und verursacht einen Schaden von mindestens 25.000 Euro. Bereits vor mehr als zwei Jahren reißt der Geduldsfaden der Inhaber der „Elektro Börse“ an der Friedenstraße: Wegen der schlimmen Zustände im Wohnbereich des Hauses geht der Einzelhändler 2017 einen ungewöhnlichen Weg – und übernimmt 2017 den Hausmeisterdienst in Absprache mit der Hausverwaltung kurzerhand selbst.

Denn sonst kümmere sich ja niemand, sagt Dieter Kroppen. „Wir haben Angst um unser Geschäft.“ Seine Lebensgefährtin ist Inhaberin der Elektro Börse, er hilft und berät. Die Immobilie sei mit den Jahren immer mehr verkommen, weder Hausverwaltung noch die Eigentümer seien regelmäßig vor Ort. Es gebe nicht einmal eine Belegungsliste aller Wohnungen. Die insgesamt rund 30 Eigentümer der Wohnungen sitzen in Moskau, Nizza, Beirut, der Türkei, nur einige wenige in Deutschland. „Die interessiert überhaupt nicht, was hier passiert.“

Briefkästen mit Kot beschmiert

Für den Hausmeister-Dienst bekommt die Elektro Börse knapp 1000 Euro im Monat von der Hausverwaltung. Davon wird unter anderem eine Reinigungskraft bezahlt, die ein Mal in der Woche Treppenflure und Eingangsbereich putzt, ein Mal im Monat die Hauseingangstür und die Glasflächen und ein Mal pro Woche den Aufzug. Zu den weiteren Aufgaben des Hausmeisterdienstes gehören etwa: Prüfung der Beleuchtung, Schneeräumen und Streudienst, Überwachung und Überprüfung der Heizungsanlage.

Vor einigen Tagen erst berichtete unsere Redaktion von dem Haus gegenüber dem neuen Jobcenter-Parkhaus. Ein Mieter hatte sich gemeldet, um auf die Zustände aufmerksam zu machen. Die Probleme möchte Dieter Kroppen nicht leugnen – kann er beim Blick auf die defekte Haustür und die völlig ramponierten Briefkästen auch gar nicht. Er verweist aber auf die Video-Anlage, die er vor rund drei Monaten auf eigene Kosten im Eingangsbereich habe installieren lassen. „Seitdem hat sich vieles verbessert.“

Der 77-Jährige zeigt Fotos, die er nach eigenen Angaben Ende Februar dieses Jahres gemacht hat: Die Briefkästen sind mit Kot beschmiert, Fluchtwege mit Sperrmüll verstellt, Abfall liegt herum. In einem mittlerweile nicht mehr zugänglichen Kellerraum wird deutlich, was auf den Bildern aus Februar zu sehen ist: Einkaufswagen stehen herum, es riecht nach Urin, in einer Ecke des Raums kleben Fäkalien an Wand und Boden. Bei nächster Gelegenheit soll hier mit Hochdruck gereinigt werden.

Kameras entschärfen die Lage

„Seitdem wir die Kameras haben, gehören solche Zustände der Vergangenheit an“, versichert Dieter Kroppen. Obdachlose nutzen demnach die durch die defekte Haustür frei zugänglichen Räume sehr viel seltener als Schlafraum und Toilette, die Vandalismus-Schäden nehmen ab, auch Drogendealer und Abhängige nutzen Treppenhaus und Flure nicht mehr für ihre Geschäfte beziehungsweise ihren Konsum.

Dieter Kroppen nimmt aber auch die Bewohner in die Pflicht. Die Appartements werden in der Regel von Hartz IV-Empfängern bewohnt. Rund 30 Prozent, so seine Schätzung, sorgen für Ärger, zerstören Türen, beschmutzen Wände und belästigen damit den Großteil der Bewohner: die 70 Prozent, die verständig seien, friedlich im Haus wohnten und sich nichts zu Schulden kommen ließen.

Anzeigen bei der Polizei

Fassungslos habe ihn gemacht, dass ausgerechnet Beschwerdeführer solche Mieter sind, die besonders negativ auffallen. Kroppen berichtet von Bedrohungen und Beschimpfungen, zeigt eine Anzeige, die er wegen Körperverletzung bei der Polizei gestellt habe. Warum er mit dem Geschäft nicht einfach umzieht? „Weil das so einfach nicht geht“, erklärt der gelernte Elektromeister. Hunderte Elektrogeräte lagerten im Keller, ein passendes Ladenlokal sei da nicht ohne weiteres zu finden.

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