Literaturhaus Oberhausen

„Schräge Mischpoke“ im Literaturhaus Oberhausen

Die Schriftstellerin Franziska Hauser bei ihrer Lesung im Literaturhaus Oberhausen.

Die Schriftstellerin Franziska Hauser bei ihrer Lesung im Literaturhaus Oberhausen.

Foto: Sven Thielmann

Oberhausen.  Die Berliner Autorin Franziska Hauser präsentierte ihre Familiengeschichte „Die Gewitterschwimmerin“: ein komischer bis beklemmender Abend.

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Jede Familie hat ihre ganz eigene Geschichte. Und wenn man in der etwas buddeln würde, käme man vermutlich in so manche Verlegenheit und öfters aus dem Staunen nicht heraus. Was die 1975 in Berlin geborene Fotografin und Schriftstellerin Franziska Hauser allerdings in ihrer opulenten Familien-Saga „Die Gewitterschwimmerin“ (BTB, 11 Euro) in zwei gegenläufigen Erzählsträngen ausbreitet, geht hart an die Grenzen der Vorstellungskraft.

Dabei klangen die unappetitlichen Details – der Missbrauch der eigenen Töchter durch den verdienten Widerstandskämpfer mit privilegierter Position im Arbeiter- und Bauernstaat – bei ihrer Lesung im Literaturhaus nur im Gespräch mit der Moderatorin Marlies Dorsch-Schweizer an. Denn öffentlich vortragen könne sie solche Passagen nicht, bekannte die erfrischend natürlich auftretende Romanautorin offenherzig: Es ginge ihr viel zu nahe. Ohnehin wurde für eine Lesung erstaunlich viel erzählt an diesem partiell komischen, meist aber eher beklemmenden Abend.

„Ich bin nicht ich, sondern meine Mutter“

Wobei Marlies Dorsch-Schweizer ihre profunden Kenntnisse der ein pralles Jahrhundert umgreifenden Geschichte einer bekannten Familie mit jüdischen Wurzeln im Badischen ausbreitete. Und Franziska Hauser dazu die passenden Stellen aus ihrem 420 Seiten starken Buch rezitierte, dessen Entstehung sich der Frage verdankte, warum ihre Mutter so ein Biest geworden sei. „Ich bin nicht ich, sondern meine Mutter“, die hier als Tamara Hirsch auftrete, so verdeutlichte sie die Erzählperspektive.

Ein Kunstgriff von zweifelhafter therapeutischer Bedeutung zum Verständnis der eigenen, gelinde gesagt, ziemlich komplizierten Mischpoke, die gerade zu DDR-Zeiten hehre kommunistische Ideale ungeniert mit einer gutbürgerlichen Existenz samt ausgebeuteter Haushälterin verband. Die Hoffnung von Franziska Hauser, dass sie ihre Oma verstanden habe, wenn das Buch geschrieben sei, habe sich nicht erfüllt: „Das ist nie passiert.“

„Es war ein Fels, der auf meinen Schultern lag“

Auf die Frage, warum sie es überhaupt geschrieben habe, sagte sie: „Es war ein Fels, der auf meinen Schultern lag, jetzt liegt er vor mir, das ist doch besser!“ Zumindest bei der eigenen Mutter zeigte das Buch Wirkung, denn die habe sich nach der Lektüre unerwartet total gewandelt und sei nun erstmals in ihrem Leben mit einem Mann glücklich. Ob ihre Leser mit „Die Gewitterschwimmerin“ und den oft schonungslos geschilderten Unsagbarkeiten ebenso glücklich werden, blieb im Literaturhaus in der Schwebe – wurden doch allzu viele Schlüsselmomente ausgelassen. Wer sich aber für die Geschichte einer bedeutenden deutschen Familie interessiert, der dürfte an diesem autofiktionalen Roman seine Freude haben.

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