Theater

„Schneekönigin“ als Gestöber bezaubernder Ideen

Kay (Mervan Ürkmez), gefangen in der kalten Umarmung der Schneekönigin. Susanne Burkhard (re. am Bildrand) und Klaus Zwick bewegen die zwei Meter große Figur.

Kay (Mervan Ürkmez), gefangen in der kalten Umarmung der Schneekönigin. Susanne Burkhard (re. am Bildrand) und Klaus Zwick bewegen die zwei Meter große Figur.

Foto: Isabel Machado Rios

Oberhausen.   Das Märchenspiel nach Hans Christian Andersen lässt auch Große staunen. Surreale Szenen zeigen die Verwandtschaft zu Lewis Carrolls „Alice“.

Der Winter kann kommen. Das Theater hat mit der „Schneekönigin“ jetzt ein Märchen im Repertoire, das die dunkle Jahreszeit funkeln lässt. Regisseur Serkan Salihoglu entfacht mit seinem Team ein wahres Schneegestöber an bezaubernden Einfällen. Hans Christian Andersens Erzählung macht zwar ein paar Siebenmeilenschritte ins 21. Jahrhundert – doch das schadet kein bisschen.

Das zauberische Ideengestöber beginnt schon mit der Vorgeschichte, denn die Schneekönigin erzählt sie als geisterhafte Marionette, von der Decke des Zuschauersaals schwebend: „Es war einmal – Ich, Ich, Ich“, mit kaltem Lachen. „Ich war Schnee, ich war Kälte.“ So erfährt man zu eisig klirrender Akkordeonmusik von jenem bösen Zauberspiegel, dessen Splitter das Herz gefrieren lassen.

Diesem ersten Erschrecken folgt ein Idyll aus Pappkartons, das sich überzeugend zu den Dachgauben von Gerda (Emilia Reichenbach) und Kay (Mervan Ürkmez) aufbaut. Wie die Bosheit in eine innige Freundschaft einbricht, das zeigen die beiden kindlich (nie kindisch) spielenden Hauptdarsteller in feinen Nuancen noch vor dem eisernen Vorhang.

Als sich darin eine Tür öffnet, weht ein Eisnebel der Königin voraus. Es ist eine gänzlich stumme Nachtszene, wie ein Kratzen ihrer langen Fingernägel am Gaubenfenster Kay aus seiner Kiste lockt. Er schmiegt sich in die von Susanne Burkhard und Klaus Zwick bewegte Schneekönigin. So beginnt Gerdas Suche nach Kay. Und die entfaltet sich in einer Folge so geistreicher wie bizarr-surrealer Szenen, dass man der Regie nur herzlich danken kann: Serkan Salihoglu entdeckt für uns die Verwandtschaft von H. C. Andersens Gerda und Lewis Carrolls „Alice“.

Man nehme nur die grandiose Idee einer als Wand aufragenden Blumenwiese. Hyazinthe und Wicke sind Puppen mit dem Wortwitz und der Frechheit der „Muppets“ – die Gerda, betäubt von der Blumenfee, tunlichst nicht an den Rosengarten und damit an Kay erinnern sollen. Also haben sie „kay-ne Ahnung vom Kay-sergarten“.

Sehr komische Vögel

Als große Schauspieler in kleinen Rollen beweisen sich wieder einmal Susanne Burkhard und Klaus Zwick als Rabenpaar, das zunächst etwas unheimlich die arme Gerda umflattert und umkrächzt. Aber bei Andersen sind’s keine nordischen Unheilsviecher, sondern sehr komische Vögel, die mit ihrem Kauderwelsch dem Mädchen auf die Sprünge helfen.

Weiter geht’s in den hohen Norden mit der wohl meist bestaunten Kreation der Figurenkünstlerin Vanessa Valk: Als Rentier Björn stakst Daniel Rothaug auf himmelhohen Stelzenbeinen. Eine den Weg weisende Finnin spricht akkordeonisch (zur auch hier bezwingend schönen Bühnenmusik von Martin Engelbach) und sagt Gerda: „Die Kraft wohnt in deinem Herzen. Alles was du brauchst, hast du in dir.“

Singend befreit Gerda ihren Kay aus dem wie ein Iglu gebauschten Kleid der Schneekönigin. Rockend und pogend feiert das ganze Ensemble zum Schluss zu deftigen Bratzgitarren mit einem Rap, den etliche Kinder als Ohrwurm mit nach Hause nehmen dürften.

Karten für 5,50 und 8 Euro gibt’s unter 0208 - 8578 - 184 oder theater-oberhausen.de

>>> Info: Aufführungsterminein der Adventszeit

„Die Schneekönigin“ wird vormittags gespielt, aber auch an den Adventssonntagen: am 3. Dezember um 15 Uhr, am 10. Dezember um 15 und 17 Uhr.

Einen Tag vor Heiligabend, am Samstag, 23. Dezember, beginnt das Stück um 17 Uhr, und am zweiten Weihnachtsfeiertag um 15 Uhr. Januar-Termine siehe theater-oberhausen.de.

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