Bildungsprojekt

„Schach für Kids“ macht Oberhausens Kita-Kinder schlauer

Ralf Schreiber (l.) hat das Konzept erfunden. Erzieherin Andrea Lehwald (2. vl.) probiert es aus. Rechts daneben Oberbürgermeister und Schirmherr der Aktion Daniel Schranz sowie Bürgermeister Klaus-Dieter Broß und Sparkassen-Vorstand Thomas Gäng.

Ralf Schreiber (l.) hat das Konzept erfunden. Erzieherin Andrea Lehwald (2. vl.) probiert es aus. Rechts daneben Oberbürgermeister und Schirmherr der Aktion Daniel Schranz sowie Bürgermeister Klaus-Dieter Broß und Sparkassen-Vorstand Thomas Gäng.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Mit dem Konzept „Schach Kids“ sollen bereits Dreijährige das „Spiel der Könige erlernen“ können. Möglich macht das die Chip-Methode.

Schach ist schwer, erfordert Konzentration, vorausschauendes Denken, Strategie und Taktik: Ein Spiel, das nur besonders Begabte beherrschen? Keineswegs. Das „Spiel der Könige“ hat längst Einzug in Schulen gehalten und ergänzt die Lehrpläne positiv. Das Motto: „Schach macht schlau.“

In Oberhausen trägt das Schulschach-Zentrum seit vielen Jahren erheblich dazu bei, dass Kinder und Jugendliche, von ausgebildeten Schachtrainern geschult, das Schachspielen mit Erfolg erlernen. Demnächst bereits in Kitas und – da staunt der Laie – bereits ab dem Alter von nur drei Jahren! „Schach für Kids“, eine Initiative, die ihr Gründer Ralf Schreiber vor 13 Jahren ins Leben rief und die bundesweit bereits rund 100.000 Kinder in über 1900 Bildungseinrichtungen gefördert hat, wird sich nun in Oberhausen weiter ausbreiten.

Jürgen Cziczkus, Vorsitzender des Vereins Schulschach-Zentrum, hat den Stein ins Rollen gebracht und den Kontakt zwischen Oberbürgermeister Daniel Schranz und Schreiber hergestellt. Der hat Schranz überzeugt, der sofort zugesagte, die Schirmherrschaft über „Schach für Kids“ in seiner Stadt zu übernehmen – und damit auch die Aufgabe, Sponsoren für das Schach-Bildungsprojekt zu finden.

Kinder lernen das Schachspiel mit der Chip-Methode

Die Stadtsparkasse sagte zu. Die Bereitschaft von Kita-Trägern, ihr pädagogisches Personal für die Idee zu begeistern, gelang auch. Ergebnis: Im Stadtsparkassen-Schulungsraum fand das erste Seminar statt, in dem 18 Erzieherinnen und Erzieher lernten, wie „Schach für Kids“ funktioniert. Wir durften Mäuschen spielen bei Seminarleiter Ralf Schreiber und den ersten Schach-interessierten Kita-Pädagogen der Stadt, die das Kids-Schach-Lernsystem in ihren Einrichtungen anbieten werden.

Vergessen Sie das Brett in Schwarz und Weiß und ebenso schwarze und weiße Schachfiguren. Und vergessen Sie die frustrierende Situation, als der Opa alle Figuren aufs Brett stellte und Ihnen anschließend erklärte wie Sie ziehen müssen, um dann beim ersten Spielversuch selbst zu gewinnen. Beim Kids-Schach sind die Figuren blau oder gelb und ein wenig größer als gewohnt, griffiger und ansprechender für kleine Leute. Außerdem kommen Chips ins Spiel, ebenfalls farbig, rot oder grün. Und die werden auf vorgegebene Spielfelder, die übrigens blau und weiß sind, gesetzt.

Beim ersten Übungsspiel sind nur die Läufer der beiden Spieler und Chips auf dem Schachbrett. „Wer kann die meisten grünen Chips schlagen?“, lautet die Aufgabe, die die Kurs-Teilnehmer gerade ausspielen, als wir ihnen im Seminar über die Schulter schauen. Es folgt das „Platzwechselspiel“, bei dem bereits Turm und Läufer zum Einsatz kommen. Die Seminarteilnehmer lernen: Die Schachfiguren kommen nach und nach ins Spiel, ihr Laufweg wird spielerisch eingeübt.

Schach lässt sich spielerisch in den Kita-Alltag integrieren

Für jede Figurenkombination gibt’s verschiedene Spielideen. Chips können zum Beispiel Pferdeäppel sein. Das bedeutet, dass die Spielfiguren die mit Pferdeäppeln belegten Spielfelder möglichst vermeiden sollen. Bis alle Figuren, jeweils zwei Türme, Pferde, Läufer sowie acht Bauern, Dame und König mitspielen dürfen, braucht es durchaus ein Kita-Jahr oder zwei.

Das ist verbunden mit jeder Menge Spielvergnügen, das sich leicht in einen Kita-Alltag einbauen lässt. Um die Schachspiel-Runden anzuleiten, brauchen Erzieher nur pädagogisches Geschick. Schachspielen können sie mit den Kleinen gemeinsam lernen. Wenn die Kleinen und die Großen das Spiel verstehen, können sie es mit Hilfe des zur Methode gehörenden Materials auch anderen beibringen. Ralf Schreiber zeigt Fotos auf denen Kita-Kinder zu sehen sind, die in einem Altenheim Senioren das Schachspielen erklären und mit ihnen spielen.

Erfinder erhielt den Deutschen Schachpreis

„Schach für Kids“ ist nicht dazu da, künftige Schachweltmeister hervorzubringen. Vielmehr ist es ein Lern-Konzept, das Sozialverhalten, Sprachentwicklung, Selbstbewusstsein, logisches Denken und die Fantasie fördert, auch von Kindern mit besonderem Förderbedarf. Das Schöne: Schach regt zu kreativen Aktivitäten an. Kinder können Damen, Könige, Türme, Springer und Bauern basteln oder sogar selbst als lebende Schachfiguren deren Rollen übernehmen. Auf Riesen-Schachbrettern haben sie Gelegenheit, beispielsweise so zu hüpfen wie der Springer im Spiel, gerade und schräg oder schräg und gerade. Lernen mit allen Sinnen ist Trumpf.

Für die Entwicklung des Schach-Lernsystems erhielt Ralf Schreiber den Deutschen Schachpreis. Als ehrenamtlicher Förderer der Kinder-Bildungsarbeit wurde er vom Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue eingeladen.

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