Konzert

Sarah Connor singt in Oberhausen über Alter, Angst und AfD

Authentisch, echt - starker Auftritt: so präsentierte sich Sarah Connor auch in der Oberhausener König-Pilsener-Arena.

Authentisch, echt - starker Auftritt: so präsentierte sich Sarah Connor auch in der Oberhausener König-Pilsener-Arena.

Foto: Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Oberhausen.  12.000 Fans feiern Pop-Sängerin Sarah Connor in der Arena Oberhausen. Es ist eine heitere Party, die jedoch schwierige Themen nicht ausspart.

Das größte Problem für Sarah Connor hat an diesem Halloween-Abend eine Linse und einen Zoom. „Spinnst du, ich bin doch keine 20 mehr“, sagt die fitte Pop-Sängerin in der Oberhausener König-Pilsener-Arena nach hautnahen Großeinstellungen auf der Videoleinwand – und sie meint einen Kollegen in der Kamera-Regie.

Schreck lass nach, das kleine bisschen Eitel-Horror-Show ist nicht nur ein willkommener Schmunzler, sondern auch ein Grund, das Konzert der 39-Jährigen in der Gruselnacht wahrlich zu herzen.

Sarah Connor – Mutter der Nation statt unsterblicher Vamp

Denn vieles, was die Connor so erzählt, ist liebevoll gemeint – ganz genau: „From Sarah with Love!“ Wenn sie ihre Band zwischendurch als „Spacken“ bezeichnet, kringeln sich die 12.000 Fans in der hoffnungslos ausverkauften Arena fast auf dem Boden.

Das einordnende „Das ist ein Scherz, ich liebe diese Leute!“ kann sie sich eigentlich sparen. Nein, die Frau aus Delmenhorst gibt sich wirklich nicht als rustikales Pendant zum gleichnamigen Filmcharakter aus dem Schwarzenegger-Kinostreifen „Terminator“.

Seit ihrem vor 18 Jahren recht gefällig angestimmten Gute-Nacht-Song („Let’s get back to Bed – Boy!“) hat sich Sarah Connor bewusst verwandelt. Sie spielt heute nicht den unsterblichen Vamp, sondern wirkt fast wie die coole Mutter der Nation. Und so geht es ans Herz, wenn sie den vielen weiblichen Fans – vom Teenie bis zur Großmutter – in der Halle von ihren vier Kindern berichtet. Sie spricht von gewidmeten Songs und Frühstückstisch-Krisen. Authentisch. Echt. Ziemlich sympathisch.

Sarah Connor rührt jungen Fan beim spontanen Duett

Früher landete die Ex-Frau von Boyband-Ruheständler Marc Terenzi mit englischsprachigen Power-Hits wie „Bounce“ in den Bravo-Heften. Heute legt sie ihre Durchschlagskraft in die Textzeilen und die deutsche Sprache. Die Herzkraftwerke, Titel von Album und Tour, pumpen nur so die Emotionen, manchmal so sehr, dass man sich etwas übersättigt fast schon nach Ventilen umschaut.

Doch Sarah Connor punktet in Oberhausen einmal mehr mit ihrer Stärke, völlig frei von langweiligen Drehbüchern zu agieren. Sie ist nicht nur Sängerin, sondern Entertainerin, frotzelt locker mit dem Publikum, was sich nie bemüht anhört, sondern recht witzig. Und wenn die kleine Nelli (12) aus der ersten Reihe auf die Bühne darf, deren selbst gemaltes Papier-Plakat den Herzenswunsch nach einem Duett mit der Pop-Sängerin ziert, raunt ein lautes „Ohhhhh“ durch die Halle.

Sarah Connor bietet Gute-Laune-Party und beißende Kritik

Das alles klingt nach einer Gute-Laune-Party, doch manchmal verstummt der Jubel. Sarah Connor spricht offen über die Ur-Ängste von Eltern, das eigene Kind zu verlieren, so wie es der ehemalige amerikanische Ski-Star Bode Miller und dessen Frau Morgan erleiden musste. Deren erst 19 Monate junge Tochter Emmy ertrank in einem Pool des Nachbarn. Sarah Connor singt „Flugzeug aus Papier“ – das Zeichen des Mitgefühls verstehen die Fans. Innehalten.

Manchmal entschleunigt, manchmal rasend vor Wut. „Komm, wir tanzen zusammen auf den Straßen, mit Blumen in den Haaren und Sonne im Gesicht. Alle Bomben, Panzer und Despoten und AfD-Idioten, mein Herz kriegt ihr nicht.“ Die im Vorfeld kontrovers diskutierten Polit-Zeilen bekommen in Oberhausen eindeutigen Szenen-Applaus.

Sarah Connor – süßlich, aber echt und erfrischend

Mehr als zwei Stunden fegt Sarah Connor über das Parkett der Arena – flankiert von Gospel-Sängern, lässigen Gitarristen in Lederjacken und souligen Sängerinnen im Glitzerfummel.

Es ist ganz großes Besteck. Stellenweise etwas zu süßlich, aber in der Summe echt und erfrischend. Dass beim finalen Hit „Vincent“ gefühlt alle 12.000 Fans einstimmen, versteht sich von selbst.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben