Kreativquartier

Ruhrmoderne will Sommerschule nach Oberhausen mitbringen

Eine Langstrecke für Künstler und Kreative? Die Marktstraße, hier in Höhe des Altmarktes.

Eine Langstrecke für Künstler und Kreative? Die Marktstraße, hier in Höhe des Altmarktes.

Foto: Hans Blossey

oberhausen.   Der „Supermarkt der Ideen“ erkundete die Chancen für Künstler-Residenzen. Die Perspektiven reichen vom kreativen Prekariat bis zur Akademie.

Das große Thema war schnell benannt – danach folgten drei Vorträge im „Supermarkt der Ideen“, wie sie kontrastreicher kaum sein könnten. „Der rote Faden sind Künstler-Residenzen“, hatte Raumplanerin Yvonne Johannsen als Moderatorin vorausgeschickt. Doch in welcher Form: Jener des kreativen Prekariats? Gerne in der noblen Deluxe-Ausstattung? Oder als Sommerschule, die ihr Quartier im Revier jährlich wechselt? Alle drei Spielarten fanden in pointierten Vorträgen ihre Fürsprecher.

„Für hier“ aus Dortmund

Den Anfang machten die Langzeit-Studenten. „Nach intensiven zwölf Semestern“, wie Sascha Schilling anhob, startete er das Dortmunder Residenz-Programm „Für hier“ als gemeinsames Bachelor-Projekt mit Michelle Flunger. Für die höchste Hürde stand der Immobilienbesitzer-Satz „Den Leerstand mal lieber leer lassen“: als Abschreibungsobjekt, wie Schilling erklärte – oder weil Design-Studenten doch nur feiern und das Ladenlokal lädieren.

Tatsächlich zeigte das als „Konter – Studio für Gestaltung“ firmierende Duo einen anderen Vorher-nachher-Effekt: Wenig Geld und viel Eigenleistung steckt in dem schließlich gefundenen Ladenlokal. „Unser Konzept basiert darauf“, so Schilling, „dass man wenig schläft und Bock hat, sich den Arsch aufzureißen“. Für gut besuchte Kunst – und für sich selbst als berufliche Empfehlung: „Für uns war’s ein perfekter Weg in die Selbstständigkeit.“

Akademie Schloss Solitude

Als Repräsentantin der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart referierte Sophie-Charlotte Thieroff ganz andere Dimensionen. Das historisch bedeutende Ensemble – in dem von 1773 an Friedrich Schiller zum Regimentsmedicus gedrillt wurde – beherbergte seit 1990 in 48 Studios bereits 1300 Künstler aus 130 Nationen. Alleine für die Sparten der Bildenden Kunst bewerben sich pro Runde, so Thieroff, jeweils tausend Kandidaten. Die Auserwählten erhalten neben dem herrschaftlichen Logis monatlich 1200 Euro. Virtuelle „Web Residencies“ sind mit 500 US-Dollar ausgestattet.

Einen Karriere-Kick gibt Schloss Solitude jenen Kreativen, die auf dem Bosch-Forschungscampus arbeiten dürfen: „Manager coachen Künstler“, so Thieroff. Beim Stuttgarter Konzern-Allrounder haben die Stipendiaten Rundum-Zugang, sogar inklusive Foto- und Film-Erlaubnis. Die noble Akademie zählte immerhin einst einen Oberhausener, Christoph Schlingensief, zu ihren Fach-Juroren.

Ruhrmoderne

In jeder Beziehung näher dran am Ruhrgebiet präsentierte sich die Architektin Alexandra Apfelbaum mit „Ruhrmoderne“: Der Verein kann bereits die Erfahrungen zweier Sommerschulen im Revier vorweisen. 2017 waren’s „100 Stunden Brutalismus“ in Marl. 2018 bestimmten die jüngst ringsum etikettierten „Big Beautiful Buildings“ das Programm in Bochum und Dortmund. Die 2019er Sommerschule in Oberhausen – mit je einer Woche Forschen vor Ort und einer Präsentationswoche – ist angekündigt.

Analog zur Route der Industriekultur wünscht sich der Verein eine „Route Ruhrmoderne“. Und Oberhausen? „Man findet hier unfassbar besondere Ecken“, so Alexandra Apfelbaum, „und besondere Probleme“. Beides bündelt die Tafelkirche in Lirich in einem Bild. Die Architektin nennt’s „ein Kracherteil“.

>>> Schlussrunde am Montag

Am Nikolaustag endete mit dem „Labor 4“ zum Thema Künstler-Residenzen (eher irreführend überschrieben „Kreativität, Innovation, Unternehmertum anziehen!“) der im Oktober gestartete Reigen von vier Laboren.

Die Ergebnisse bündeln soll die als „Kreativkonferenz“ firmierende Abschlussrunde am Montag, 10. Dezember, von 18 bis 21 Uhr. Schauplatz ist wieder der „Supermarkt der Ideen“ im ehemaligen Netto-Markt, Goebenstraße 83.

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