Elektro-Festival

Ruhr in Love: "Die Leute im Revier wissen, wie man feiert"

Oberhausen.  Tausende Raver strömen nach Oberhausen-Osterfeld in den Olga-Park. „Ruhr in Love“ wirbelt mit 400 Discjockeys auf 40 Tanzflächen viel Staub auf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Selbst bei erfahrenen Festival-Besuchern knirscht es – und zwar gewaltig: Wenn die Zähne aufeinander reiben, fühlt es sich an wie im Sandsturm der Sahara. Das Elektro-Festival „Ruhr in Love“ wirbelt am Samstag mit mehreren Tausend Tänzern im Olga-Park im Oberhausener Stadtteil Osterfeld viel Staub auf.

„Ruhr in Love? Ein Stück Freiheit!“

Im vergangenen Jahr sackten sie hier noch bis zu den Knöcheln in Matsch-Schichten ein, diesmal huldigen die Fans von Techno, House und Trance dem Trockendock. Die Sonne röstet, darunter rasten sie aus. 400 Discjockeys haben es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, den letzten Halm des satten Grün in Grund und Boden tanzen zu lassen. „Wollt ihr die Eskalation?“, fragen sie mit ihren Kopfhörern um den Hals und dem Zeigefinger zur Tanzfläche gerichtet. Auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau erwartet aber keiner ernsthaft eine Antwort. Die Beinbewegungen sind selbsterklärend. Auch der Pulk von Jubel-Buben an der Ecke bleibt nicht still stehen – sondern schrill. Die Jungs bewerben sich in Bademänteln mit Zebra-Fellimitat um die extravaganteste Garderobe. Ein Typ im Robbenkostüm liegt aber um Längen vorne.

40 Tanzflächen bitten gleichzeitig um Gehör. „Wir mögen es, dass es hier so viele verschiedene elektronische Stilrichtungen gibt“, sagt Rudi Dorofeev. „So ein Festival ist ein Stück Freiheit“, ergänzt seine Begleiterin Tina Krowczynski. Geschlafen wird im Wohnmobil, nach den zehn Stunden Musik im Park wird in einem umliegenden Club zur Afterparty weitergefeiert. Beide meinen: „Wir kommen aus Paderborn, da ist es total spießig. Die Leute im Revier wissen, wie man feiert!“

Techno, House und Trance spielen gleichzeitig

Die Musik unterscheidet sich in Rhythmus und Intensität. Techno ist eben kein Überbegriff, sondern nur eine von vielen elektronischen Varianten. Die Tanzflächenbetreiber sind Club-Besitzer, Musik-Labels oder Discjockeys. Viele bringen eigene Fans mit. Aus Hamburg, München und Amsterdam. Und alles, was sie sehen ist… Oberhausen. Eine aufblasbare Plastik-Figur meditiert in der Kulisse, im Hintergrund glänzt der Förderturm der ehemaligen Zeche Osterfeld. Am Eingang blicken die Party-Puristen auf den standhaften Gasometer. Der Musik-Mottek malocht vor einer urbanen Ruhrgebietskulisse.

Schööön… heiß! Schattenplätze sind im krachenden Klang-Kosmos die stillen Helden. Hier strecken erschöpfte Abtänzer ihre Arme und Beine von sich. Oder sie kuscheln sich an Begleiter oder Begleiterin – oder beides. Wer mutig ist, taucht heißgelaufene Füße ins Wasser des kleinen Parkkanals - und erlebt sein blaues Wunder: Die Plörre ist grün.

Schattenplätze sind die stillen Helden

Schöner ist es auf dem Kinderspielplatz, der kurzerhand zur Tanz-Schaukel umfunktioniert ist. Motto: Wippen, wippen, wippen. Dahinter steht ein alter VW-Bulli in der prallen Sonnen. Sämtliche Fenster sind geöffnet, aber um den Fahrer muss einem nicht bange werden. Das Flower-Power-Mobil neben dem Blumenbeet ist nur Kulisse und bei den Besuchern ein Selfie-Star. „Sieht stark aus, drück‘ drauf!“ Sie meinen ihre Handys.

Love und Peace und natürlich Musik: Keine Turntable-Weltstars, aber eine beeindruckende Breite an Könnern wechselt sich im Olga-Park munter ab. Der Düsseldorfer DJ Plastik Funk, Cuebrick aus Stuttgart und Klaudia Gawlas aus Passau gehören zu den klangvollen Namen im Getümmel von 400 Platten-Protektoren. Einige gehen recht offen mit ihren Vorlieben um, so wie die Hardcore Gladiators, die mit krachenden Beats für die rustikale Auslegung der elektronischen Musik stehen. Andere schmücken ihre Bühne mit verspielten Details, wie der Elektro Jungle, der mit grünen Tarnnetzen in der Parkanlage fast schon abtaucht.

Pausen müssen sein: An Wasserstationen füllen sich Feier-Freudige in der Hitze ihre Trinkflaschen auf. Trotzdem haben die Sanitärer viel zu tun. Das gilt auch für die Polizei, die am Eingang und rund um das Parkgelände Drogenkontrollen durchführt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (7) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik