Politik

Roman Müller-Böhm: „Ruhrgebiet muss gemeinsam auftreten“

Roman Müller-Böhms Politkarriere nimmt Fahrt auf: Er ist der jüngste Bundestagsabgeordnete und neuer FDP-Parteichef in Oberhausen.

Foto: Jörg Schimmel

Roman Müller-Böhms Politkarriere nimmt Fahrt auf: Er ist der jüngste Bundestagsabgeordnete und neuer FDP-Parteichef in Oberhausen. Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   Roman Müller-Böhm (FDP) ist der jüngste Bundestagsabgeordnete. Er will sich in Berlin für bessere Stadtfinanzen und Betuwe-Anwohner einsetzen.

Roman Müller-Böhm ist der jüngste Abgeordnete des Deutschen Bundestages und neuerdings auch Kreisvorsitzender der FDP Oberhausen. Wohin er die Liberalen führen und was er für Oberhausen erreichen möchte, erläutert er im Interview.

Sie sind mit 25 Jahren der jüngste Bundestagsabgeordnete und auch der jüngste Kreisvorsitzende der FDP in Oberhausen. Sie geben ganz schön Gas. Wo soll Ihre Reise hingehen?

Roman Müller-Böhm: Es gibt kein echtes Ziel. Ich habe ein unfassbares Glück gehabt, in den Bundestag eingezogen zu sein. Auch, wie ich nach Oberhausen gekommen bin – das war nicht von A bis Z durchgeplant.

Sie sind also durch Zufall in Oberhausen gelandet?

2016 ging es bei den Jungen Liberalen um die Frage: Wer wird Spitzenkandidat für die Bundestageswahl. Es kristallisierte sich heraus, dass ich ganz gute Chancen habe. In Mülheim stand schon länger fest, dass dort ein Parteifreund von mir kandidieren möchte. Hier in Oberhausen suchte die FDP nach einem jungen Kandidaten.

Zurück nach Berlin. Kurzzeitig sah es so aus, als würden sie im Jamaika-Bündnis Deutschland regieren. Wie haben Sie den Rückzug der FDP erlebt?

Ich war ein wenig schockiert. Wohl niemand war sich sicher, wie es mit der Regierungsbildung weitergeht – zumal von der SPD widersprüchliche Aussagen getroffen wurden. Wir haben uns dann informiert, was an dem Abend passiert ist. Heute sage ich: Die Entscheidung der FDP war absolut richtig.

Und dass es nun wieder eine Große Koalition gibt, war auch die richtige Entscheidung?

Es war in der Konsequenz die einzige. Neuwahlen hätten die Stabilität unseres Landes nicht gefördert. Aber ich hätte mir mehr von der Großen Koalition erhofft.

In welchem Punkt?

Im Bereich der Digitalisierung. Zwar nehme ich Dorothee Bähr (CSU-Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, Anmerkung der Redaktion) ab, dass sie für das Thema brennt, aber leider in einer schwachen Position innerhalb der Bundesregierung. Digitalisierung müsste prominenter besetzt sein – mit einem Ministeramt.

Wie haben Sie die ersten sechs Monate im Bundestag erlebt?

Mein Leben hat sich auf den Kopf gestellt! Wenn ich mich am Wochenende mit meinen Freunden treffen möchte, muss ich meinen Büroleiter fragen, ob ich auch Zeit habe. Ich musste mich auch sehr daran gewöhnen, unter permanenter öffentlicher Beobachtung zu stehen – gerade als junger Mensch. Und die Arbeitsstundenzahl kann man mit nichts anderem vergleichen.

Sie sind Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und im Ausschuss für Tourismus. Sind das Ihre Wunsch-Ausschüsse?

Ursprünglich habe ich den Umwelt-Ausschuss angepeilt, denn Umweltschutz ist ein Herzensthema von mir. Das hat nicht geklappt. Die Ausschüsse jetzt sind aber keine B-Wahl für mich. Denn ich bin damals aus einer Bürgerrechtsinitiative – gegen Vorratsdatenspeicherung – in die FDP eingetreten. Dass ich jetzt Bürgerrechte im Rechtsausschuss mitgestalten darf, finde ich toll. Und im Tourismus-Ausschuss sehe ich eine riesige Chance für unsere Region. Das funktioniert zum Teil schon. In Oberhausen könnten wir im Kultur- und Festivalbereich aber vielleicht noch mehr machen.

Die Tourismuszahlen in Oberhausen steigen aber doch.

Ja, das ist nicht schlecht. Aber als Region müssten wir verstärkt gemeinsam auftreten. Die Extraschicht ist ein gutes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit. Warum aber gibt es kein Kulturticket, das Eintritt zu Attraktionen in Oberhausen, Essen und Dortmund bietet? Daran möchte ich arbeiten.

Das Kirchturmdenken betrifft nur den Tourismusbereich?

Nein. Es ist doch zum Beispiel unglaublich, dass jede Stadt ihre eigene Straßenbahnspurbreite hat. Es geht weiter bei kulturellen Themen. Es muss vielleicht nicht jede Stadt ein Theater haben, sondern drei, vier in der Region, die richtig gut sind. Dafür hat eine Stadt ohne Theater vielleicht eine Philharmonie. Kultureinrichtungen kosten Geld – und sie bringen nur etwas ein, wenn sie einen guten Ruf haben.

Sie sind in den Ausschüssen Mitglied, in denen die AfD den Vorsitzenden stellt. Wie ist das Arbeitsklima?

Ein Beispiel: Bei der Tourismusmesse ITB haben gewisse Veranstaltungen nicht mehr stattgefunden, weil man den Ausschussvorsitzenden der AfD nicht in einer so exponierten Position für den gesamten Tourismusausschuss sprechen lassen wollte. Das finde ich sehr bedauerlich. Im Rechtsausschuss haben wir mit Herrn Brandner jemanden, der durch viele polemische Zwischenrufe auffällt. Bei Veranstaltungen in Berlin stelle ich fest, dass er die Trennung zwischen Ausschussvorsitzendem und AfD-Mitglied nicht ganz sauber hinbekommt.

Sie wünschen sich mehr Sachlichkeit?

An der einen oder anderen Stelle auf jeden Fall. Ich halte es auch nicht für richtig, dass ein Ausschuss, der primär zum Arbeiten an der Sache da ist, zur Bühne wird, indem sich Fraktionen versuchen, politisch ein Beinchen zu stellen.

Sie haben bereits einige Entscheidungen getroffen. Bei der Frage, ob die Bundeswehreinsätze in Mali, Darfur und im Südsudan verlängert werden sollen, haben Sie dafür gestimmt. Was sind Ihre Argumente dafür?

Ich glaube, dass wir aus humanitärer Sicht etwas Positives beitragen können. Ich habe auch für den Anti-IS-Einsatz im Irak und die Ausweitung des Ausbildungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan gestimmt. Beim Irak-Mandat ging es bei dieser Abstimmung um eine Erweiterung: Die Peschmerga-Einheiten werden nun im Kampf gegen den IS entsprechend ausgestattet. Ansonsten bin ich der Meinung, die Bundeswehr kann den Einsatz wegen der mangelhaften Ausstattung nicht mehr seriös leisten. Ich finde es nicht verantwortbar, in diese krisenhafte Region Soldaten zu schicken. Was Afghanistan angeht: Wir stecken seit 16 Jahren in dem Konflikt. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie eine Strategie für einen zeitnahen Abzug der Truppen vorlegt.

Was können Sie im Bundestag für Oberhausen erreichen?

Vor allem eine Verbesserung der Infrastruktur. Wir wollen zum Ausbau der Betuwe-Linie Veranstaltungen organisieren und die Probleme sammeln. Es soll nicht so sein, dass Bürger wegen des zunehmenden Lärms nicht mehr in ihren Gärten sitzen können. Der zweite Punkt: Leistungen, die von Land und Bund beschlossen werden, werden nicht mit ausreichenden Mitteln versehen. Wer die Musik bestellt, muss sie aber auch bezahlen. Darauf werden wir als Opposition achten.

Wie möchten Sie die FDP in Oberhausen aufstellen, damit die Liberalen wieder ein paar mehr Sitze im Stadtrat ergattern?

Wir müssen uns viel digitaler präsentieren. Wir haben den Ekel-Status der FDP, den es 2013 gab, überwunden. Wir arbeiten gerade an den Themen für die nächsten vier Jahre. Wir müssen das Parteileben attraktiver gestalten. Wir sind immer noch eine sehr kleine Partei – auch innerhalb des FDP-Spektrums. Wir möchten neue Mitglieder gewinnen, sie sind schließlich Multiplikatoren im Kommunalwahlkampf. Wir wollen deutlich mehr Veranstaltungen machen und zu Vereinen und Unternehmen gehen.

Möchten Sie auch in den Rat?

Ich strebe es nicht an. Ich bin absolut zufrieden mit meiner Funktion im Bundestag.

Ihre Dinslakener FDP-Kollegen kritisierten nach dem Bundestagswahlkampf, dass Sie sich in Dinslaken, das auch zu Ihrem Wahlkreis gehört, nicht oft genug haben sehen lassen.

Ich muss selbstkritisch sagen: Ich hätte damals direkt nach Dinslaken fahren und mich dort bei den Wahlkämpfern bedanken können. Das ist in dem Trubel untergegangen. Das würde ich heute anders machen. Ich glaube, die Situation hat sich aber wieder etwas beruhigt.

In Ihrer damaligen Funktion als Schatzmeister der Jungen Liberalen gab es Kritik, weil Sie einer Werbeagentur Aufträge für Flyer-Drucke etc. gegeben haben sollen, an der sie Anteile hatten – und das nicht kommuniziert hatten.

Dabei ging es um Aufträge wie Flyer oder Kugelschreiber. Auch das würde ich heute nicht mehr so handhaben. Als einige Personen damals davon erfuhren, waren sie nicht einverstanden damit, dass ich Anteilseigner und gleichzeitig in einer Funktion der Geschäftsführung des Verbandes bin. Das habe ich akzeptiert. Ich habe mich bei allen Beteiligten entschuldigt und mich sowohl vom Amt als auch von der Firma getrennt. Ich habe den aus meiner Sicht saubersten Schlussstrich gezogen, den ich nur hätte ziehen können. Es wurde am Ende jeder Einzelfall geprüft und es kam zum Ergebnis, dass ich niemandem geschadet habe.

>>>Mit 16 Jahren in die FDP eingetreten

Roman Müller-Böhm wohnt in Mülheim und ist auf Wohnungssuche in Oberhausen. Der 25-Jährige studiert Jura an der Ruhr-Universität Bochum.

Mit 16 Jahren trat er in die FDP ein, bei den Jungen Liberalen in NRW bekleidete er später das Amt des Schatzmeisters. Außerdem wurde er in den Jugendstadtrat in Mülheim gewählt. Bei der letzten Bundestagswahl kandidierte er im Wahlkreis Oberhausen/Wesel III.

Das Gespräch führte Denise Ludwig

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik