Fix & Foxi-Ausstellung

Rolf Kaukas Devise: Niedlichkeit first!

Das Ende der Niedlichkeit: Mit „Capitan Terror“ wagte sich Rolf Kauka in ein Action-Revier, das in den 1970ern den „Zack“-Comics gehörte.

Das Ende der Niedlichkeit: Mit „Capitan Terror“ wagte sich Rolf Kauka in ein Action-Revier, das in den 1970ern den „Zack“-Comics gehörte.

Foto: Udo Gottschalk

Oberhausen.   Für Comic-Enthusiasten wirft die „Fix & Foxi“-Ausstellung Fragen auf. Der Katalog beantwortet sie besser als die Schau in der Ludwiggalerie.

Auf den ersten und zweiten Blick hat sich das Hauptgebäude der Ludwiggalerie in einen Hort der Niedlichkeit verwandelt – dank „Fix & Foxi“, untertitelt „Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“. Auf den dritten Blick stellt die Ausstellung aus dem Besitz von Stefan Piëch jedem Comic-Enthusiasten einige kritische Fragen. Der schön gestaltete und ausführliche Katalog beantwortet sie gründlicher als die Ausstellung selbst.

Wieso eigentlich „Kultfüchse“? Diesen eindeutig überstiegenen Anspruch muss man wohl unter Marketing verbuchen. „Kult“ und „kultig“ sind ohnehin gnadenlos überstrapazierte Mode-Etiketten. Um im Reiche der Cartoons, Comics und Graphic Novels zu bleiben (Rolf Kauka soll ja zeitlebens nach einem besseren deutschen Begriff gefahndet haben): „Kultische“ Verehrung genießen allenfalls die Werke von Zeichnern mit individueller Feder oder begnadeter Texter. Also Disneys Comics – aber nur von Carl Barcks oder Don Rosa. Oder Asterix – aber nur mit den Texten von Coscinny. Die „Fix & Foxi“- Zeichner waren in diesem Sinne Unbekannte.

Wieso eigentlich „der deutsche Walt Disney“? Der Katalog-Essay von Christine Vogt zu dieser Frage ist ein großes „Einerseits – Andererseits“: Einerseits hat Rolf Kauka seinen Zeichnerstab mit „Model­sheets“ im Stile Disneys auf einen Look getrimmt, der ganz der kalifornischen Devise folgte: Niedlichkeit first! Etliche Figuren sind dreiste Plagiate: Es gibt einen Kauka-Dumbo, ein Kauka-Bambi. Oder stellen Sie mal die Zwillingsbrüder Goofy und Lupo nebeneinander! Blickt man allerdings auf den globalen Disney’schen Kultur-Imperialismus – so schrumpft Rolf Kauka zum Mittelständler mit matter Ausstrahlung.

Wie reagierte Kauka auf die Disney-Vergleiche? Wenig „amused“ – obwohl sie ja für sein Mini-Imperium schmeichelhaft waren. Der Herr des Kauka-Schlösschens in Grünwald bei München verwies lieber auf die „deutsche“ Comic-Tradition: Gemeint war Wilhelm Busch. Doch mit dessen bissigem bis anarchischem Humor haben die kreuzbraven Kleinstadt-Knuddelchen aus Fuxholzen weit weniger gemein als mit Gustav Gans, dem einzigen Spießer in Entenhausen.

Warum betonte Kauka penetrant das „Deutsche“ seiner Hefte? Folgt man den Katalog-Autorinnen, war’s wohl vor allem aus Bangigkeit vor dem bis in die ‘70er Jahre verbreiteten Schimpf vor dem „Schund“ in Sprechblasen. Darum sind Fix und Foxi derart artig bis zur Langeweile. Nachlass-Besitzer Stefan Piëch nennt Kaukas Geschichten „offener angelegt“ als jene Disney-Produktionen, die aus seiner Sicht Kindern alles vordenken.

Welche Stilblüten trieb das Eindeutschen? Teils richtig üble: Den größten Skandal entfachte wohl der Rechtsstreit mit René Goscinny um den „eingedeutschten“ Asterix. Der hieß nun Siggi und war vom Gallier zum Germanen mutiert. Seinen Kumpel Babarras (heute bekannt als Obelix) charakterisieren die Kauka-Texter so: „Wie andere einen Schuldkomplex, so schleppt er stets einen Findling mit sich herum“ – ein ganz mieser Kalauer um die „Schlussstrich“-Debatte zur Zeit der Auschwitz-Prozesse.

Was fehlt in dieser „Fix & Foxi“-Ausstellung? Wer den Disney-Vergleich schon im Untertitel bringt – der müsste ihn eigentlich auch mit einer Reihe von Gegenüberstellungen illustrieren. Aber das ist mit einer Ausstellung aus einer Hand, der Sammlung Dr. Stefan Piëch, leider nicht möglich.

Öffnungszeiten und Katalog

Geöffnet bleibt die Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, bis zum 9. September. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, als Familienkarte 12 Euro, als Kombi mit Gasometer 13 Euro.

Herausgeberinnen des schön gestalteten, 130 Seiten starken Kataloges sind Christine Vogt, die Direktorin der Ludwiggalerie, und Linda Schmitz, Kuratorin der Ausstellung. Der bei Edition Alfons erschienene Band kostet 29,80 Euro.

Die Avantgarde der Comic-Kunst gibt’s zeitgleich, bei freiem Eintritt, in der Panoramagalerie neben dem Museums-Shop: „Glück auf!“ zählt zum Verbund „Kunst und Kohle“ mit insgesamt 17 Ausstellungen der Ruhrkunstmuseen.

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