Kunst

Robin Thiesmeyer zeigt seine Zeichnungen im Bert-Brecht-Haus

Einer muss ja wieder aus der Reihe springen: Robin Thiesmeyer vor seiner Zeichnung einer Pinguin-Kolonie. In der Mitte der Außenseiter mit erhobener Nase.

Einer muss ja wieder aus der Reihe springen: Robin Thiesmeyer vor seiner Zeichnung einer Pinguin-Kolonie. In der Mitte der Außenseiter mit erhobener Nase.

Foto: Thöne

Oberhausen.   Der begnadete Blog-Cartoonist zeigt seine allererste Einzelausstellung im Bert-Brecht-Haus in Oberhausen. Sein Bilder-Blog ist ein Hit

Der philosophische Humor mit Vögeln auf Fernmeldedrähten und Pinguinen im ewigen Weiß funktioniert sogar in Ostwestfalen: Gesa Reisz hat’s getestet. Robin Thiesmeyers Erkenntnis „Ich mag die Zukunft nicht. Man ist zu lange davon tot“ sollte man aber nicht nur östlich von Warendorf verorten, wenngleich der Zeichner und Autor in Berlin lebt.

Für seine erste Einzelausstellung bundesweit holte die Leiterin der Volkshochschule eine Auswahl der minimalistisch getuschten Thiesmeyer-Einsichten ins Bert-Brecht-Haus. „Was nicht wirklich rein muss, lasse ich weg“, sagt der 38-Jährige. Das gilt für jedes Blatt.

Sein Bilder-Blog ist seit über drei Jahren ein Hit, sein erstes gedrucktes Buch mit Schaben, Stelz- und anderen Vögeln sowie „Pommes-Antilopen“ erschien gleich im traditionsreichen S.-Fischer-Verlag unter dem Titel „Es gibt mehr Sterne als Idioten“. Und sein Humor – den muss man einfach mögen. Erkennen Sie auf Anhieb den Außenseiter im großen Wimmelbild der Pinguin-Kolonie? Es ist der Eine, der den Schnabel keck himmelwärts trägt. „Sorglos“ heißt das Blatt. „Gegenwart“, sinniert ein Singvogel auf dem Ast, „wann ist das eigentlich vorbei?“

Tiere laden Pointen anders auf

Kleine Cartoons mit philosophischem Drall zeichnete schon der Student der Philosophie und später des Kreativen Schreibens, aus Bonn nach Berlin übergesiedelt. Mit seinem Tuschestift gestaltet er die weisen Tiere immer in derselben Abfolge von Strichen. Gibt’s auch erkenntnistiefe Thiesmeyer-Menschen? Nein, „Tiere laden die Pointen anders auf“, meint der Zeichner. „So kriegt’s automatisch Fabel-Charakter.“ Pinguine seien ohnehin wie Menschen, nur besser angezogen. Den Befrackten misst er gerne ein Lamento über die Berufswelt zu.

Entwickelt hat er seine eminent sympathische Kunst ausgerechnet aus der von anderen nun gar nicht geschätzten Schabe – „mein erstes Tier“, sagt Thiesmeyer fast wehmütig, „heute mein Logo“. Tatsächlich, eine Schabe krabbelt auch über die Rückseite der Postkarte mit diesem Stelzvogel-Dialog: „Niemand mag Klugscheißer“, der eine zum anderen. Der Dritte: „Fast niemand.“

Seinen tiefschwarzen Strich hat er übrigens selbst entwickelt – ohne japanische Schule. „Jeder Zen-Meister würde mich rausschmeißen.“

Robin Thiesmeyer nennt sein zeichnerisches Wirken „Pseudo-Zen“ – ein Spaß ohne Om und Aber.

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