Burg Vondern

Ritterfest zieht Gaukler, Krieger und viel Publikum an

Oberhausen.  Die Zeit schien am Wochenende auf der Burg Vondern vor 500 Jahren stehengeblieben zu sein. Die mittelalterliche Atmosphäre lockte viel Publikum.

Als hätte der Burgherr einen Jahrmarkt zugelassen, belagerte jede Menge Volk am Wochenende die Burg Vondern in Oberhausen.

Die Besucher hatten ihre Zelte dort aufgeschlagen, Lagerfeuer gemacht und widmeten sich ihrem Handel oder Handwerk. Nur die zahlreichen Gäste in moderner Bekleidung trübten beim elften Ritterfest am Samstag und Sonntag das historische Bild.

Mittelalterliche Menschen mussten mehr als wir heute mit den Unbilden des Wetters leben. Und so nahmen sie es am Samstag gelassen hin, als es sich am Nachmittag zeitweise einregnete. Von einem Sturzregen blieb ihr Lager auf der Burg Vondern allerdings verschont.

Nur das zahlreiche Publikum beim gespielten Gefecht zwischen Getreuen des Grafen von Berg und des Fürstbischofs von Köln vor der Wiese hinter der Burg wird es ursprünglich nicht gegeben haben. Denn wo Heerhaufen aufmarschierten, suchte die Bevölkerung vermutlich das Weite, hinterließen sie doch gewöhnlich in den Dörfern eine Spur der Verwüstung. Im konkreten Fall droschen sie mit Schwertern, Spießen, Widerhaken und Äxten aufeinander ein. Die Bergischen hatten den Kölnern ein Kind geraubt. Viele der Krieger gingen dabei zu Boden, waren aber nach kurzer Zeit weiter kampfbereit. Am Ende ging die Schlacht unentschieden aus. Tatsächlich wird man eine so zugefügte Verletzung entweder nicht lange überlebt haben oder war für den Rest seines Lebens davon gezeichnet.

Ein schönes Hobby zur Entschleunigung

Thorsten Holz (41) aus Duisburg ist im Zivilberuf Diplom-Ingenieur. Ab und zu kleidet er sich mittelalterlich und schlägt sein Zelt aus Segeltuch bei Veranstaltungen wie dem Ritterfest auf. „Das Interesse an dieser Zeit wurde bei mir durch Geschichtsbücher geweckt“, berichtete er am Samstag. Eines Tages habe er dann aber wissen wollen, wie die Menschen damals wirklich gelebt hätten. „Wir haben hier ein Lazarenerlager um das Jahr 1100 aufgebaut“, erklärte er, eine Art Hospiz. Vor allem Leprakranke, die als ansteckend galten, wurden damals in solchen Lagern betreut. „Das ist ein schönes Entschleunigungshobby“, sagte ein Mitstreiter. Und er ergänzte: „Schön, die Zeit mal besuchen zu können. Aber gelebt haben möchte ich da nicht.“ Um seinen Feinden noch zusätzlich zu schaden, seien die Waffen vor der Schlacht in Jauche eingetaucht worden. Die davon ausgelöste Infektion habe man kaum überleben können.

Aus Cambridge angereist

David McNichol (44) war eigens aus der Nähe von Cambridge in England angereist, um an dem Spektakel teilzunehmen. Sein Spezialgebiet ist die Wikingerzeit, das 8. bis 10. Jahrhundert. „Die Menschen waren ja damals felsenfest davon überzeugt, eine gute Tat zu begehen, wenn sie für den christlichen Glauben ihr Leben geopfert haben“, sagte er. Er trug in einem Leinenbeutel selbst gestrickte Wollbänder bei sich, die er bei Bedarf gegen Produkte, die er brauchte, eintauschen konnte.

Wenn sie nicht gerade kämpften, dann pflegten die streitbaren Männer ihre Ausrüstung. Einer der Ritter erklärte Besuchern am Sonntag, wie man ein Kettenhemd herstellt. Überhaupt gab es eine große Vielfalt an Handwerk zu sehen, vom Wollspinnen über das Gießen von Bronze bis hin zum Korbflechten. Händler boten fertige Gegenstände an wie Felle, Glocken, Hörrohre, aber auch Kulinarisches wie Honig, Liköre oder exotische Früchte. Im Innenhof der Burg waren Sitzbänke aufgestellt, konnten die Besucher einen Imbiss einnehmen. Dazu spielten am Sonntag zwei junge Frauen Musik auf einer Leier und einer Art vereinfachter Harfe.

Zerstreuung und leckeres Essen gesucht

Nicht alle Besucher waren wegen des Interesses am Mittelalter gekommen. „Wir sind keine speziellen Mittelalter-Fans. Wir haben Zerstreuung gesucht und leckeres Essen“, berichteten Stefan und Martina Haus aus Essen. Er ließ sich auf der Hand ein Knoblauchbrot schmecken, sie eine Schale mit Flammlachs. Nicht so kleinlich durfte man wegen der Postkutsche sein, die hierzulande erst im 18. Jahrhundert Verbreitung fand. Voll besetzt drehte der Dreispänner gemächlich seine Runde durch das zugeparkte Vondern.

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