ZEITGESCHICHTE

Retter der Welt ist verstorben – 1999 besuchte er Oberhausen

Stanislaw Petrow im Jahr 1999 am Sophie-Scholl-Gymnasium. 

Foto: Internetseite Karl Schumacher

Stanislaw Petrow im Jahr 1999 am Sophie-Scholl-Gymnasium.  Foto: Internetseite Karl Schumacher

OBERHAUSEN.  Stanislaw Petrow verhinderte im Jahr 1983 den 3. Weltkrieg. Im Mai ist der Russe, der 1999 Oberhausen besuchte, 77-jährig verstorben.

Der Mann, der im Jahr 1983 die Welt rettete, ist von der globalen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt in seiner Heimat Russland gestorben: Stanislaw Petrow wurde 77 Jahre alt. Als Soldat der sowjetischen Armee verhinderte er den atomaren Gegenschlag der UdSSR, als die militärischen Kontrollgeräte ihm irrtümlich einen Erstschlag der USA übermittelten.

Karl Schumacher hatte Stanislaw Petrow 1999 nach Oberhausen eingeladen. Vielen Oberhausenern ist diese Visite und die ausführliche Zeitungsberichterstattung darüber noch in Erinnerung: Empfang durch die Stadtspitze, eine Tour durch Oberhausen mit Gasometer-Besichtigung und Neuer Mitte sowie weiteren Programmpunkten.

Nach Russland gereist, um ihn einzuladen

Etwa sechs Monate vor diesem viel beachteten Besuch im Ruhrgebiet waren Karl Schumacher und sein Freund Helmut Höhn nach Russland gereist, „um uns bei Stanislaw Petrow für die Vermeidung des atomaren 3. Weltkriegs zu bedanken und ihn nach Oberhausen einzuladen“. So ist es in einer ausführlichen Darstellung im Internet zu lesen, die Karl Schumacher veröffentlicht hat.

Schumacher erfuhr jetzt durch einen Zufall vom Tod Petrows. Er rief bei der Familie in Russland an, um „The man who saved the world“ zum Geburtstag zu gratulieren. Der Sohn übermittelte daraufhin die tragische Nachricht, dass der Vater bereits im Mai gestorben sei.

Petrow darf man durchaus als eine Person von welthistorischer Bedeutung bezeichnen, auch wenn er nie das Licht der globalen Öffentlichkeit gesucht hat. Fünf Jahre nach seinem Oberhausen-Besuch wurde der Russe in New York mit dem „World Citizen Award“ ausgezeichnet, um seine Verdienste um die Menschheit zu würdigen. Zudem erhielt er 2013 den Dresdner Friedenspreis. Er steht damit in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, Dirigent Daniel Barenboim oder auch dem US-amerikanischen Kriegsfotografen James Nachtwey.

Raketenangriff irrtümlich vom System gemeldet

Petrow hat längst einen eigenen Wikipedia-Eintrag, der die wesentlichen Punkte seiner tatsächlich heldenhaften Tat von 1983 wiedergibt: Als Oberstleutnant der sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte stufte er am 26. September 1983 als leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung einen vom System gemeldeten Angriff der USA mit nuklearen Interkontinentalraketen als Fehlalarm ein – und verhinderte so den 3. Weltkrieg.

Seine Rettungstat wurde erst in den 1990er Jahren bekannt. Für Karl Schumacher ist Petrow ein globaler Held, an den in allen Ländern erinnert werden sollte: „Seine Tat hat gerade auch der heutigen Jugend viel zu sagen: Wir sollten technischen Geräten und Computern nicht blind vertrauen, sondern immer als Mensch handeln.“

Todesanzeige in der Lokalausgabe Oberhausen

Genau deshalb war es Karl Schumacher auch ein Herzensanliegen, in der Samstagausgabe (9. September) unserer Zeitung eine mehrspaltige, große Todesanzeige für Stanislaw Petrow zu platzieren: „Im Jahr 1999 besuchte er für zwei Wochen Oberhausen. Noch Anfang 2017 hat er bestätigt, welch schöne Erinnerungen er daran hat.“

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