Tragischer Unfall

Rentnerin stürzt auf marodem Gehweg – Oberhausen zahlt nicht

Irene Klahold musste nach ihrem Sturz auf der Falkensteinstraße in Oberhausen mehrfach operiert werden.

Irene Klahold musste nach ihrem Sturz auf der Falkensteinstraße in Oberhausen mehrfach operiert werden.

Foto: Jörg Soldat

Oberhausen.  Eine 75-jährige Rentnerin aus Oberhausen stolpert über eine hoch stehende Gehwegplatte – und kämpft nun gegen die Stadt um Schadenersatz.

Das hatte sich Irene Klahold ganz anders vorgestellt: Seit zwei Jahren ist die 75-Jährige erst Rentnerin. Sie hat sich immer um sich selbst gekümmert, war stolz auf ihren Job im Steuerbüro und auf ihre Eigenständigkeit. Doch dies war mit einem Schlag vorbei, als sie im Oktober 2019 auf der Falkensteinstraße über eine hochstehende Gehwegplatte stürzte – und sich schwer verletzte. Bis heute kämpft sie gegen die Stadt Oberhausen um Schadenersatz. Bislang vergeblich. Jetzt will sie klagen – und sucht Zeugen.

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Nach den Fotos, die ihr Nachbar direkt nach dem Unfall gemacht hat, scheint die Sachlage eigentlich klar: Irene Klahold ist gestolpert, weil der Bürgersteig sich in einem maroden Zustand befunden hat. Allein, wer sich die Sache heute vor Ort ansehen will, staunt: Eine Gehwegplatte reiht sich nahtlos und glatt an die andere. „Die Stadt hat das im Februar 2020 sanieren lassen“, sagt Irene Klahold. Sie meint: „Um den Eindruck zu erwecken, das sei schon immer so gewesen.“

Fakt ist jedenfalls: Der Zustand des Bürgersteigs bei ihrem Sturz dürfte für den künftigen Prozess ausschlaggebend sein. Deshalb sucht die 75-Jährige nun Zeugen (Irene.Klahold@gmx.de). „Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich die Einzige bin, die auf der Falkensteinstraße in Höhe der Hausnummer 98 gestürzt oder zumindest gestolpert ist.“ Der Gehweg habe sich bereits seit Jahren in einem schlechten Zustand befunden.

Herbstlaub verdeckte den Bürgersteig

Irene Klahold hofft nun auf Unterstützung, sie ist angeschlagen, fühlt sich hilflos: „Ich komm’ da nicht drüber weg! Ich bekomme keinen Teller aus meinem Küchenschrank, weil ich den linken Arm kaum anheben kann.“

Am 2. Oktober 2019 war sie zu Fuß auf der Falkensteinstraße unterwegs. Sie wollte zum Bus. Herbstlaub lag auf dem Bürgersteig. Dass Baumwurzeln einzelne Gehwegplatten besonders hoch angehoben hatten, bemerkte sie nicht. „Ich blieb völlig unvermittelt mit dem Fuß hängen und fiel so unglücklich, dass ich mir die linke Schulter brach.“ Passanten riefen einen Krankenwagen.

Inzwischen hat die Oberhausenerin zwei Operationen hinter sich, die dritte im November noch vor sich. Sie war zur Rehabilitation und erhält bis heute zweimal in der Woche Krankengymnastik. Der Alltag fällt ihr trotzdem schwer. „Ich bin Linkshänderin, kann aber nun ausgerechnet mit dem linken Arm viele Arbeiten nicht mehr erledigen.“ Ihr wurde mittlerweile eine 60-prozentige Schwerbehinderung zugesprochen (auch wegen der Folgen eines Schlaganfalls).

Was die 75-Jährige besonders trifft: „Als ich mich nach dem Unfall an die Stadtverwaltung wandte, sagte man mir dort nur, ich hätte halt besser aufpassen sollen, die Stadt hätte keine Haftpflichtversicherung, die für meinen Schaden aufkommen könnte.“ Nach diesem Telefonat schaltete sie umgehend einen Anwalt ein.

Sämtliche Schadenersatzansprüche seien jedoch zurückgewiesen worden. „Von der Rechtsabteilung der Stadt hieß es, dass der Bereich sich in einem normalen Zustand befunden hätte und einmal wöchentlich von Mitarbeitern der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH überprüft worden wäre.“

Stadt verweist auf laufendes Verfahren

Für die Stadtverwaltung äußert sich Sprecher Martin Berger zu diesem Fall: „Richtig ist, dass die Stadt Oberhausen keine Haftpflichtversicherung hat, wie sie im Privaten üblich ist. Versichert ist die Stadt Oberhausen im Kommunalen Schadenausgleich westdeutscher Städte (KSA), welcher einen Versicherungsverbund verschiedener Kommunen darstellt.“ Darüber sei die Stadt Oberhausen natürlich auch gegen Haftpflichtschäden abgesichert.

Richtig sei auch, dass Irene Klahold auf der Falkensteinstraße gestürzt ist und sich verschiedene Prellungen und einen Oberarmknochenbruch zugezogen habe. „Darüber hinaus wird es, nicht zuletzt wegen der Einbindung eines Anwaltes, von der Stadt Oberhausen keine Informationen geben“, sagt Berger.

Damit bleibt Irene Klahold jetzt nur noch der Gang vors Gericht.

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