Theater-Premiere

Rentier stakst auf Stelzen zur Schneekönigin

Die Schneekönigin vorm Gasometer? So kündigt das Theater Oberhausen seine große Familien-Produktion dieser Spielzeit an.

Die Schneekönigin vorm Gasometer? So kündigt das Theater Oberhausen seine große Familien-Produktion dieser Spielzeit an.

Foto: Serkan Salihoglu

oberhausen.   Die Inszenierung nach Andersen vereint Schauspiel und Figurentheater. Die Familien-Produktion ist schon vor der Premiere ein Vorverkaufs-Erfolg.

„Dieses Märchen gehört einfach zu unserem kulturellen Schatz“, meint Lucie Ortmann, die Dramaturgin. Serkan Salihoglu, der Regisseur, nennt Hans Christian Andersens „Schneekönigin“ schlicht „die Geschichte einer Freundschaft“.

Gemeinsam schufen beide die Bühnenfassung für die erste große Familien-Produktion der Spielzeit – die sich schon vor der Premiere am Samstag, 25. November, um 15 Uhr im Großen Haus als großer Vorverkaufserfolg erwiesen hat. Zwar gibt es bereits zahllose Theaterfassungen von Andersens größtem Märchen, doch Serkan Salihoglu wollte weder „Aktualisierungen noch Politisierungen“ – sondern Gehalt und Text der Erzählung möglichst treu bleiben.

Lucie Ortmann entdeckte in der 115 Jahre alten Übersetzung von Mathilde Mann einen Text, der den Erzähler aus Odense genau wiedergibt, ohne antiquiert zu wirken. Und man engagierte eine Meisterin des Figurentheaters: Vanessa Valk erschuf die kalte, Herzen vereisende Schneekönigin in drei Versionen. Sie gab den sprechenden Blumen und Bäumen ebenso überraschende Gestalt wie jenem Rentier, das Gerda auf der Suche nach ihrem Kay schließlich in den hohen Norden trägt.

Bei dieser Herrscherin ist Prachtentfaltung gefragt

Daniel Rothaug übernimmt die fast akrobatische Aufgabe, mit vier Stelzen als Rentier zu galoppieren. Die Probenwochen für die vier Schauspielerinnen und drei Schauspieler starteten mit „technischem Training“, wie Serkan Salihoglu erzählt: Wie bewegt sich eine zwei Meter aufragende Schneekönigin in ihrem eisweißen Gewand?

Bei einer solchen Herrscherin ist Prachtentfaltung gefragt: „Unser Kostümbildner Daniel Kroh“, sagt Serkan Salihoglu, „hat in Berlin ein eigenes Label“. Doch die Inszenierung will auch zeigen, dass erst Kays Faszination die Schneekönigin in Haute Couture so überlebensgroß werden lässt. Nur so kann es Gerda gelingen, ihn nach vielen Umwegen zu befreien.

Von Andersens liebevoll ausgemalten Nebenwegen der Erzählung muss auch Salihoglus Inszenierung Einiges kürzen – zeigt aber mehr als etliche andere Bühnenversionen. „Es ist eben ein assoziationsreiches Märchen“, so Lucie Ortmann, „ein vielschichtiges Werk in einer sehr schönen Sprache“. Und Theatermusiker Martin Engelbach komponierte sogar einige Lieder für die kindlichen Helden Gerda (Emilia Reichenbach) und Kay (Mervan Ürkmez).

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben