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Punk lebt - für 21 Stunden in der Oberhausener Turbinenhalle

Kommt ein „Stumpen“ geflogen: Die Berliner Spaß-Punks von Knorkator mit Sänger Stumpen und Buzz Deel, hier in der „Großen Freiheit 36“ in St. Pauli.

Foto: Imago

Kommt ein „Stumpen“ geflogen: Die Berliner Spaß-Punks von Knorkator mit Sänger Stumpen und Buzz Deel, hier in der „Großen Freiheit 36“ in St. Pauli.

Oberhausen.   An zwei Festivaltagen am 29. und 30. Dezember beschallt „Punk im Pott“ die Turbinenhalle. Geboten werden alle Spielarten der rebellischen Musik.

Ist Punk wirklich tot? Führt er nach 40 Jahren nur noch ein Schattendasein? Nein, sagen die Veranstalter des alljährlichen „Punk im Pott“-Festivals, das aus diesem Grunde gleich wieder an zwei Tagen, am Freitag und Samstag, 29. und 30. Dezember, die Turbinenhalle im Lipperfeld beschallt.

Insgesamt 29 Bands haben an diesen beiden Tagen etwas Besseres zu tun, als apathisch unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen. Hier wird Aktivität und voller Körpereinsatz gefordert, wenn nämlich schon am Freitag um 15.30 Uhr die Tore geöffnet werden, um eine Stunde später die Bühne für „Der Butterwegge“ freizugeben und in der weiteren Folge elf Bands bis 2.30 Uhr Samstagnacht auf zwei Bühnen aufspielen zu lassen. Hier wird zur Musik von „Zeitkonsum“ über „Wegbier“ bis „Schmeisig“ als letzter Band, Punk aller Spielarten angeboten, zu dem getanzt, gepogt, getrunken und gesungen wird.

Mitklatschen, Mitsingen, Stagediving und Crowdsurfing

Einem breiteren Publikum sind „Knorkator“ aus Berlin bekannt, deren Sänger Stumpen jedem überdreht erklären möchte: „Ich bin der Boss!“ Was die einen exzentrisch und total übersteigert karikieren, ist für eine Band wie „Swiss + Die Anderen“ klare politische Anti-Haltung, denn für sie gilt das Motto: „Wir gegen die“.

Ihre Musik ist ziemlich rap-affin, und ansonsten favorisieren sie einen groovigen Rocksound. Sänger Swiss animiert dabei gerne ruhelos zum Mitklatschen, Mitsingen, Stagediving und Crowdsurfen. „ZSK“ (um 22.50 Uhr), seit 1997 als antifaschistische Punkrock-Band unterwegs, geben in ihren Liedern ihren Protest gegen den Rechtsruck in Deutschland und das systematische Ertrinkenlassen von Flüchtlingen zu Protokoll, auf dass sich ein neues 1933 niemals wiederholen möge.

Kostenlose Busse zum Hauptbahnhof

Nach zehn Stunden Musikbeschallung gibt’s Gelegenheit, in der Halle zu „chillen“, also die Zeit bis zum Start der ersten Band „Schmeisig“ zu verbringen, die die Aftershowparty und den Auftakt bestreitet, um ihre neue CD „…and out Comes the Swindle“ ausgiebig vorzustellen. Etwas Ruhe braucht man zwischendurch vielleicht auch, wenn man nicht mit dem kostenlosen Shuttle-Express zum Hauptbahnhof und wieder zurück gebracht worden ist.

Denn am Samstag geht es von 14 Uhr an noch einmal elf Stunden Schlag auf Schlag zur Sache, wenn sich 16 Bands im Wechsel auf der größeren „Punk“- und der kleineren „Pott“-Bühne das Verstärkerkabel in die Hand drücken werden. Headliner sind die Rostocker/Münsteraner „Dritte Wahl“, die kurz vor ihrem 30-Jährigen stehen und das neue Album „10“ herausgebracht haben.

Turbinenhalle ist bis 7 Uhr morgens geöffnet

Punkiger und metallischer Hardrocksound umrahmt schonungslose bis sarkastische Beschreibungen von Dosenpfandsammlern im Song „25 Cent“ oder hektischen Menschen in „Vor dem Aufprall“. Die intelligente Betrachtung einer verrückten Welt sind ihr Spezialgebiet, wobei sie vor allem eines in einem neuen Song ausdrücken: „Der Feind des Guten ist das Bessere.“

Sehr gut ist, dass am Sonntagmorgen die Turbinenhalle bis 7 Uhr geöffnet bleibt. Dann fahren auch die ersten Shuttle-Expresse und Züge wieder oder man bereitet sich mental auf die Silvesterfeiern vor und gönnt sich irgendwo noch eine Stunde Schlaf. Wie tot Punkrock wirklich ist, hängt immer nur von einem selber ab.

Mit dem Kombiticket fast 18 Euro gespart

Fürs „Fest nach dem Fest“ gibt’s Tickets in zwei Preisklassen: Das Kombiticket für beide Tage kostet 47,25 Euro. Die Tageskarten, sowohl für den Freitag wie für den Samstag, kosten jeweils 32,55 Euro.

Den digitalen Ticketshop sowie etliche Infos vom Bands-Aufgebot der beiden Tage bis zum obligatorischen Formular für Jugendliche unter 18 Jahren (zu finden unter Downloads) gibt’s auf punkimpott.de

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