Theater

Publikum kehrt Theater Oberhausen den Rücken zu

Premiere von „Ein Sommernachtstraum“, das sowohl im Großen Haus als auch draußen auf dem Ebertplatz spielt. Das Stück sollte für Mehreinnahmen sorgen – leider ohne Erfolg.

Premiere von „Ein Sommernachtstraum“, das sowohl im Großen Haus als auch draußen auf dem Ebertplatz spielt. Das Stück sollte für Mehreinnahmen sorgen – leider ohne Erfolg.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Auslastung am Oberhausener Theater sinkt. Der Kulturausschuss macht sich große Sorgen um die Zukunft des Hauses am Will-Quadflieg-Platz.

Mit großer Sorge reagiert der Oberhausener Kulturausschuss auf die aktuellen Auslastungszahlen des Theaters. Mit knapp 46.000 erreichten Besuchern konnte Intendant Florian Fiedler diese Zahl zwar leicht steigern, allerdings wird dies relativiert durch die vergleichsweise hohe Zahl an Aufführungen: Rund 350 gab es in der nun ablaufenden Spielzeit – 74 mehr als 2017/18. Die Gesamtauslastung ist von mehr als 60 auf nun weniger als 58 Prozent gesunken. Das wirkt sich auf die Finanzen aus.

Der Zuschuss, den die Stadt für den Betrieb beisteuern muss, steigt kontinuierlich. Aktuell liegt er bei rund neun Millionen Euro. Sichtlich zu schaffen macht das dem kulturpolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Manfred Flore. „Ich möchte nicht, dass nun eine Diskussion um die Förderung aufkommt“, sagte er im Kulturausschuss.

Sommernachtstraum lässt Einnahmen nicht wie erhofft steigen

Die künstlerische Leitung leiste „hervorragende Arbeit“, meint Flore. Wie etwa beim Sommernachtstraum, der Ende Mai Premiere feierte. Der Ratsherr spricht von einer immens aufwendigen und dadurch auch teuren Inszenierung, „die aber offenbar nicht beim Publikum ankommt“. Das Theater hatte sich durch das Stück eine Steigerung der Einnahmen erhofft. Eingetreten ist dies leider nicht.

Dabei brachten die vier Aufführungen des Sommernachtstraumes bis Stichtag 31. Mai eine Auslastung von immerhin 60 Prozent. Für andere Inszenierungen sieht es weitaus dramatischer aus: „Ein Volksfeind“ sorgte in zwei Aufführungen für eine Auslastung von 19 Prozent, bei „Bernarda Albas Haus“ und „Die Leiden der Jungen (Werther)“ waren es rund 27 beziehungsweise 28 Prozent.

„Das dritte Leben des Fritz Giga“ bleibt beliebt

Doch es geht auch anders: Besonders beliebt beim Publikum war in der nun ablaufenden Spielzeit „Das dritte Leben des Fritz Giga“ mit Schauspielerin Anna Polke in der ehemaligen Kantine im Rathaus. Das Solo kommt auf eine Auslastung von 87,5 Prozent, „Die Nacht kurz vor den Wäldern“ mit Burak Hoffmann im Druckluft bringt es auf gut 86 Prozent. Die Zuschauerplätze sind allerdings sowohl in der Kantine (40 Plätze) als auch im Druckluft (50 Plätze) äußerst begrenzt. Best besuchtes Stück im Großen Saal war mit einer Auslastung von 78 Prozent das Kinderstück Heidi.

Was dem Programm aus Flores Sicht derzeit fehlt: Humor. „Es darf auch auf großer Bühne mal gelacht werden.“ Ähnliches bekomme er auch von anderen Besuchern zu hören. Fiedler ließ die Kritik im Ausschuss nicht auf sich sitzen: „Ich bin jemand, der Menschen gern zum Lachen bringt.“ Und das spiegele sich auch im Programm wider.

Fiedlers Vorhaben, Theater nicht nur auf der Bühne am Will-Quadflieg stattfinden zu lassen, wird beim Blick ins Programm der ablaufenden Spielzeit deutlich: Mit Aufführungen im Druckluft, der alten Rathaus-Kantine, dem künftigen Fitness-Tempel The Mirai und der St. Marien-Kirche bringt er das Theater nach draußen, erschließt neue Besuchergruppen. „Dieser Weg ist gut und wichtig“, meint Manfred Flore. Er sorge sich aber um das alt eingesessene Publikum, das offenbar zunehmend mit dem Theater fremdelt. „Es findet sich im Angebot nicht wieder.“

Land fördert Theater mit 435.000 Euro

Einen Grund zur Freude haben Theater und Kulturausschuss dennoch: Das Land NRW fördert mit dem Programm „Neue Wege“ das Oberhausener Schauspiel mit 435.000 Euro in den kommenden vier Jahren. Mit dem Geld möchte Fiedler das Theater weiter für Bürger öffnen: Die Foyers sollen Besuchern regelmäßig offen stehen, das Angebot soll um Workshops, ein offenes Tanz-Atelier und eine Schreibwerkstatt erweitert werden.

Nach dem großen Erfolg des Stücks „Schuld und Sühne“ im alten City-Kaufhof, das beim diesjährigen Theatertreffen NRW als beste Inszenierung ausgezeichnet wurde, soll es zudem auch im nächsten Jahr wieder ein Projekt mit Bürgerbeteiligung geben: Für die Aufführung von „Rückkehr nach Oberhausen“ – in Bezug zu Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ – verspricht Fiedler wieder einen „ganz besonderen Oberhausener Ort“ als Aufführungskulisse.

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