Prozess

Prozess um Kindstötung: Zehn Jahre Haft für Mutter gefordert

Das Landgericht in Duisburg verhandelt den Fall der 34-jährigen Oberhausenerin.

Das Landgericht in Duisburg verhandelt den Fall der 34-jährigen Oberhausenerin.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Eine 34-Jährige soll ihr Baby kurz nach der Geburt erstickt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lange Haftstrafe für die Oberhausenerin.

Im Prozess gegen eine 34-jährige Oberhausenerin fordert der Staatsanwalt zehn Jahre Gefängnis wegen Totschlags. Die Frau habe ihr Kind am 10. August 2018 im Badezimmer ihrer Wohnung in Königshardt geboren und es aktiv getötet, indem es ihm Mund und Nase zuhielt, so der Anklagevertreter.

Für den Staatsanwalt lassen die Erkenntnisse, die eine Reihe von Gutachtern während des elftägigen Verfahrens vortrugen, nur diesen Schluss zu. Die Experten waren sich darüber einig, dass die Frau entgegen erster Behauptungen, es habe sich um eine Totgeburt gehandelt, ein gesundes Kind zur Welt brachte, das maximal 30 Minuten lebte.

Vater war der Geliebte der Angeklagten

Zu der die Angeklagte belastenden Gesamtschau gehöre, dass der Vater des Kindes der Duisburger Geliebte der Frau gewesen sei, und nicht ihr Ehemann, den sie erst im August 2017 geheiratet hatte, so der Staatsanwalt. Die Frau habe das Kind ganz offenbar nicht gewollt; dafür spreche der Umstand, dass sie während der Schwangerschaft rauchte und trank und sie vor allen anderen Menschen geheim hielt.

Die Darstellung der 34-Jährigen, sie habe erst durch einen Schwangerschaftstest im Juni erfahren, dass sie ein Kind erwarte, und vorher keine Bewegungen in ihrem Bauch gespürt, sah der Anklagevertreter als widerlegt an. Die Frau habe bereits im Mai in ihrem Smartphone über Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten recherchiert. Geburtsvorsorge habe sie dagegen nie getroffen.

Verteidiger spricht von „fahrlässiger Tötung“

„Vom Unverständnis über das Verhalten meiner Mandantin muss sich das Gericht freimachen, wenn es zu einem gerechten Urteil kommen will“, so der Verteidiger. Der Prozess habe viele Fragen offen gelassen, vieles sei möglich, nichts bewiesen. Nicht einmal die konkrete Todesursache des Kindes habe eindeutig geklärt werden können. Der Nachweis irgendeines Vorsatzes seiner Mandantin, so der Anwalt, sei nicht möglich. Denkbar sei eben auch, dass das Kind nach der Geburt neben seiner ohnmächtigen Mandantin in der Bauchlage mit dem Gesicht in einem nassen Teppich erstickte.

Allenfalls, so der Verteidiger, komme eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Betracht. Denn es sei nicht auszuschließen, dass die Angeklagte das Kind – wie sie behauptet - für tot hielt, es in eine Decke einwickelte und in einer Plastiktüte steckte und so irrtümlich erstickte.

Ein Urteil soll erst am 5. Juni gefällt werden. An diesem letzten Verhandlungstag soll der Angeklagten vor der Urteilsberatung noch Gelegenheit zum letzten Wort gegeben werden.

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