Ermittlungen

Polizei spürt mit der neuesten Technik Unfallflüchtige auf

Die Polizei reagiert sensibel auf Unfälle, bei denen der Täter geflüchtet ist. Sie sichert sofort viele Spuren.

Die Polizei reagiert sensibel auf Unfälle, bei denen der Täter geflüchtet ist. Sie sichert sofort viele Spuren.

Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.  2017 gab es bei Unfallfluchten mit Verletzten eine hohe Aufklärungsquote. Die Polizei führt dies auf eine moderne Spurensicherung zurück.

Jeder Unfall hinterlässt eine Spur. Oder auch mehrere, sei es durch die Aussagen von Zeugen, herumliegende Fahrzeugteile oder Lackspuren. All dies wird von der Polizei wie ein Puzzle zusammengefügt, um letztlich den Tathergang zu rekonstruieren. Besonders bei Unfallfluchten mit Verletzten ist die Intensität der Spurenauswertung sehr wichtig. Im letzten Jahr wurden drei von vier Unfallflüchtigen letztlich ermittelt. Eine Quote, die auch auf neueste technische Möglichkeiten zurückzuführen ist.

Bei Fahrerflucht gilt es, keine Zeit zu verlieren, weiß Ingo Steinke, Leiter des Verkehrskommissariats Oberhausen: „Die in den ersten Stunden der Ermittlung aufkommenden Fragen versuchen wir so schnell wie möglich zu beantworten. Es gilt zu verhindern, dass der Unfallverursacher den Schaden vertuschen will, in dem er seinen Wagen schnell reparieren lässt.“

Schnell und kostengünstig

Um die Spuren zügig und kostengünstig sicherzustellen, die einen Hinweis auf das Auto des geflüchteten Täters geben können, kommen spezielle Klebefolien, sogenannte Spurensicherungsfolien, zum Einsatz. „Diese werden auf die beschädigte Stelle am Fahrzeug aufgelegt und abgezogen, so dass die Partikel übertragen werden“, erklärt Wilhelm Thomeczek, stellv. Leiter des Verkehrskommissariats.

Mit einem PC-unterstützten Mikroskop analysiert ein Fachmann die Partikel – per 100-fachem Zoom. Die zentrale Frage: Handelt es sich überhaupt um eine Lackspur oder doch um eine mineralische Spur? Denn nicht jede angezeigte Unfallflucht ist auch tatsächlich eine. „Wenn sich auf der Folie gar keine Lackpartikel finden lassen, sondern nur mineralische Spuren, wie von einer Hausmauer, dann kann es sein, dass man an der eigenen Garageneinfahrt hängen geblieben ist, so dass der Fall umgedreht wird“, erläutert Steinke.

Wenn es sich tatsächlich um eine Lackspur handelt, ergeben sich oft Hinweise auf den Unfallablauf, etwa in welche Richtung sich die Fahrzeuge bewegt haben. „Die Untersuchung ist als solche zwar noch kein Beweis, den wir der Staatsanwaltschaft vorlegen können. Aber er ist ein weiterer Hinweis, der zu einem Beweis führen kann“, erklärt Thomeczek. Dabei sollen die technischen Möglichkeiten vor allem eine abschreckende Wirkung haben, wie Steinke verdeutlicht: „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, es bleibt jemand auf einem Schaden hängen. Das Mikroskop ermöglicht uns eine Vorbewertung und wir können dann anregen, dies mit einem Gutachten beweiskräftig zu untermauern.“

Zudem kann eine spätere Konfrontation mit dem vorhandenen Material den Beschuldigten auch dazu bringen, schneller zu gestehen. Die Begründung für die Flucht ist dabei oft dieselbe: „Wenn das denn so war, tut es mir leid, aber das habe ich nicht bemerkt.“

Das bemerken Pkw-Fahrer immer

Doch solche Aussagen dienen wohl eher dem Selbstschutz, als dass diese der Realität entsprechen. „Wenn man einen Lastwagen mit Sattelzug hat und der hintere Teil streift ein Auto, merkt man das nicht. Aber wenn man mit einem Pkw leicht anstößt, spürt man das sofort“, versichert Thomeczek.

Die Spurensicherung und Auswertung mit der Spurfixfolie sind trotz ihrer Bedeutung nur ein Teil der polizeitechnischen Feinermittlung in Sachen Unfallbearbeitung. Zwar kann es eine 100-prozentige Aufklärungsquote niemals geben, doch sollte sich jeder über die Folgen einer Unfallflucht im Klaren sein: Sie ist eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe belegt werden kann. Zusätzlich muss man oftmals auf seinen Führerschein eine Zeit lang verzichten – und die Versicherung kann Schadenersatz fordern.

Polizeisprecher Axel Deitermann warnt ausdrücklich, sich als Täter einfach aus dem Staub zu machen: „Der Unfall wird nicht nur einfach so aufgenommen, sondern ein ganzer Apparat ist darauf ausgerichtet, dass das Unfallopfer so schnell wie möglich zu seinen Rechtsansprüchen kommt.“

>>>INFO: Polizei benötigt Aussagen von Zeugen

Wesentlich für die Aufklärung von Unfallfluchten sind Aussagen von Zeugen. Dabei bezieht die Polizei die neuen Medien (Facebook etc.) mit ein.

„Wir sind für jeden Hinweis dankbar und bekommen lieber einen zu viel als einen zu wenig“, erklärt Pressesprecher Axel Deitermann. Deshalb gilt: Bei Beobachtungen direkt die Telefonnummer 110 anrufen.

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