Einbrecher

Polizei in Oberhausen schönte die Einbruchszahlen

Die Zahl der Einbrüche in Oberhausen ist höher als bislang bekannt gegeben wurde.

Die Zahl der Einbrüche in Oberhausen ist höher als bislang bekannt gegeben wurde.

Foto: dpa

Oberhausen.   Eine kleine Anfrage beim Innenminsterium hat ergeben: 2015 gab es 1401 Einbrüche in Oberhausen. Diese hohe Fallzahl ist durchaus überraschend.

Es ist ein jährliches Ritual: Nach Freigabe des NRW-Innenministeriums legt der Oberhausener Polizeipräsident der Öffentlichkeit im Frühjahr ein 40-seitiges DIN-A-Heft mit vielen Zahlen vor – die örtliche Kriminalitätsstatistik. Der oberste Behördenchef erläutert persönlich Daten und Fakten über Erfolge und Misserfolge der Ordnungshüter. Die Statistik dient letztendlich auch dazu festzustellen, wie sicher Oberhausen ist.

Fallzahl fast doppelt so hoch

Jetzt stellt sich aber überraschend heraus: Die Oberhausener Polizeiführung hat den Bürgern gar nicht die kompletten Fallzahlen präsentiert, sondern nur einen kleinen Ausschnitt. Besonders fatal ist dies bei den oft diskutierten Einbrüchen im Stadtgebiet. Die Zahl der Einbrüche ist fast doppelt so hoch wie es die offiziell präsentierte Kriminalitätsstatistik der Oberhausener Polizei ausweist.

So gibt das Polizeipräsidium nur die Zahlen von Einbrüchen in Wohnungen und Geschäften heraus, vergisst aber Einbrüche in Keller, Gaststätten, Hotels und Lager. So wurde den Journalisten im Frühjahr vergangenen Jahres die Zahl von 877 Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen im Jahre 2015 präsentiert, davon sind 785 Wohnungseinbrüche und 92 Geschäftseinbrüche. Würde die Polizei allerdings alle Einbruchsdelikte addieren, käme sie auf 1401 Fälle im vorletzten Jahr. Im ersten Halbjahr 2016 hatte man insgesamt bereits 837 Einbrüche verzeichnet.

Diese Zahlen stammen aus der Antwort des NRW-Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Wilhelm Hausmann zur Sicherheitslage in Oberhausen. Das Ministerium erläutert, welche Delikte neben Wohnungseinbrüchen unter Einbruchskriminalität fallen: schwerer Diebstahl aus Diensträumen (35 Fälle), aus Büros (116), aus Werkstätten (18), aus Lagerräumen (58), aus Hotels (3), aus Gaststätten/Kantinen (54), aus Kiosken, Schaufenstern, Schaukästen und Vitrinen (92). Dazu kommen noch 240 Einbrüche in Kellerräume und Waschküchen.

Diese Statistik liefert nun die Oberhausener Polizei auf Nachfrage der Redaktion für das Jahr 2015.

Essener Polizeipräsidium veröffentlicht alle Einbruchszahlen sofort

1401 liest sich bei weitem schlechter als 785. Wurde ein Großteil der Zahlen deshalb verheimlicht, um die Sicherheitslage in Oberhausen schön zu malen? Polizeisprecherin Ina Jessel weist diesen Vorwurf strikt zurück. „Wir gehen nur mit den wichtigsten Zahlen an die Öffentlichkeit, um nicht einen Zahlenwust vorzulegen. Das würde Journalisten und Bürger nur verwirren.“ Falls es erwünscht sei, würden auch alle Zahlen veröffentlicht.

Im Gegensatz zu Oberhausen veröffentlicht das Essener Polizeipräsidium alle Einbruchszahlen sofort. Sie sind für alle Bürger im Internet zugänglich. „Für einen Laubenpieper ist ein Einbruch in seine Laube genauso schlimm wie für einen anderen in seine Wohnung“, begründet der Essener Polizeisprecher Peter Elke dieses Vorgehen. Aber er sagt auch, dass solch eine transparente Aufschlüsselung der Werte eine Menge Arbeit bedeute. Das sei für die große Essener Behörde eher machbar als für eine kleine wie Oberhausen.

Die Duisburger Polizei unterscheidet in ihrer Jahresstatistik immerhin Wohnungs- und Geschäftseinbrüche, schweren Diebstahl aus Boden-, Kellerräumen und Waschküchen sowie aus Diensträumen, Werkstätten und Lagern. Genannt wird auch eine Gesamtzahl „schweren Diebstahls“.

>> KOMMENTAR

Die Polizei Oberhausen hat in ihren jährlichen Kriminalstatistiken, aus welchen Gründen auch immer, nicht die kompletten Einbruchszahlen veröffentlicht. Es mag sein, dass die Aufschlüsselung der Daten sehr viel Zeit braucht. Und es ist so, dass sich 1401 weit schlechter anhört als 785, die Zahl der reinen Wohnungseinbrüche.

Aber die Statistik soll und darf keine Beruhigungspille sein. Sie darf die Bevölkerung ruhig beunruhigen, und sie muss die Politiker informieren und wach rütteln. Denn gerade letztere haben Jahrzehnte eines Dornröschenschlafs hinter sich in Sachen Kriminalitätsentwicklung. Sie müssen endlich aufwachen und retten, was noch zu retten ist.

Die Polizei braucht mehr Leute, wie es auch der Landtagsabgeordnete der CDU, Wilhelm Hausmann, fordert. Mehr Personal bekommt man nicht, wenn man Dinge schön redet, die nicht schön sind. Nur mit mehr Personal kann die Polizei den kriminellen Phänomenen dieser Zeit begegnen.

Leserkommentare (16) Kommentar schreiben