100 Jahre Volkshochschule

Politischer Gesprächskreis trifft sich seit 42 Jahren

Ruth Barfeld (l.) ist die einzige Teilnehmerin, die von Anbeginn dabei ist. Sie wohnt bei der Awo in Königshardt, wo der Kurs stattfindet.  

Ruth Barfeld (l.) ist die einzige Teilnehmerin, die von Anbeginn dabei ist. Sie wohnt bei der Awo in Königshardt, wo der Kurs stattfindet.  

Foto: Jory Aranda

Oberhausen.   1977 hat die Volkshochschule Oberhausen einen Kurs gegründet, in dem Senioren über Politik diskutieren. Die Themen haben sich kaum verändert.

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1977 war Deutschland geteilt, Helmut Schmidt war Bundeskanzler und mit der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer durch RAF-Terroristen erreichte der Deutsche Herbst seinen Höhepunkt. Und 1977 saß Ruth Barfeld regelmäßig im Gemeinschaftsraum der Awo am Julius-Brecht-Anger – als Teilnehmerin des Politischen Gesprächskreises der Volkshochschule, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert.

Denn diesen Kurs gibt es seit 42 Jahren. Er ist der älteste, den die VHS ununterbrochen angeboten hat. Die 84-jährige Ruth Barfeld ist die einzige, die seit 42 Jahren dabei ist. „Sie ist so etwas wie die gute Seele“, sagt Ferdi Backmann, der den Politischen Gesprächskreis damals als Bereichsleiter für Politische Bildung bei der VHS ins Leben gerufen hat. „Das ist ein Kurs, der ständig im Wandel ist“, sagt Matthias Ruschke, der inzwischen für die Politische Bildung zuständig ist. „Und das ist auch die Erfolgsgeschichte.“

Gemeinsame Probleme und Sorgen

1977 war es gar nicht einfach, Teilnehmer für einen solchen Gesprächskreis zu finden. „Die Leute hatten die Schnauze voll von Politik“, erinnert sich Ferdi Backmann. Man sei in die Altenzentren gegangen. Der Kurs hieß „Wir alten Leute“ und war auch eine Art Rezept gegen die Vereinsamung. Das Konzept kam an, in den 90er Jahren gab es Gesprächskreise in zehn verschiedenen Einrichtungen. „Politische Bildung kann Spaß machen“, hatten die Menschen dann verstanden. Schließlich ging es auch immer um einen Dialog über gemeinsame Probleme und Sorgen.

Ferdi Backmann hat einige alte Unterlagen mitgebracht. „Jung und alt: Chancen und Probleme“ stand beispielsweise 1983 auf der Tagesordnung. Ein Jahr später wurde über „Europäische Gemeinschaft: Fortschritt oder Krise?“ diskutiert. Die Gruppe – bestehend aus 25 Seniorinnen und Senioren – muss lachen. So viel scheint sich in den letzten 42 Jahren nicht verändert zu haben.

Brexit – Die Woche der Entscheidung

Europa sei ohnehin ein Thema, das den Gesprächskreis in all den Jahren immer begleitet habe. Wie sollte man mit Russland umgehen? Wie entwickelt sich die Politik in anderen osteuropäischen Staaten? Aus den Diskussionen im Gesprächskreis haben sich immer wieder Seminare ergeben. „Wir waren in Prag, in Polen“, erinnert sich Ferdi Backmann. Ruth Barfeld nickt, sie war bei vielen dieser Reisen dabei.

Seit 2002 leitet Jürgen Kullmann den Kurs. Für jede Stunde bereitet er einige Themenvorschläge vor. „Der Brexit – Woche der Entscheidung?“ hat er heute auf den Zettel geschrieben, den er an jeden verteilt. „Ich habe mich extra noch über den aktuellen Stand informiert“, sagt er. „Das ändert sich ja stündlich.“

Auch die Teilnehmer blicken beim Brexit-Chaos nicht mehr durch. „Die stimmen doch morgen wieder ab, oder?“, fragt eine Teilnehmerin. Aber worüber? Ruth Barfeld denkt, dass Theresa May besser zurücktreten sollte. Bei einem zweiten Referendum würde die Mehrheit sicher gegen den Brexit stimmen. „Die jungen Leute wollen doch in der EU bleiben“, sagt die 84-Jährige.

>>> Info: Anmeldung erst wieder im Sommer

Derzeit ist der Politische Gesprächskreis ausgebucht. Im nächsten VHS-Jahr (nach den Sommerferien) wird er wieder angeboten.

Mehr Infos zu diesem Kurs und weiteren Angeboten im Bereich Politische Bildung hat Matthias Ruschke: 0208-82 52 385, vhs@oberhausen.de, vhs.oberhausen.de.

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