Digitale Gefahren

Lehrer schützen Schüler vor Extremisten im Netz

Volle Konzentration beim Drohnen-Testflug: (v.l.) Frank Windeck, Projektleiter Digital-Akademie, Schulleiter Uwe Bleckmann, Stellvertreterin Sabine Schmidt-Rosner sowie die Pädagogen Joachim Busch, Saskia Ebel, Isabel Ruthert und Gottfried Voigt. Foto: Franciska Nowak /Konrad-Adenauer-Stiftung

Volle Konzentration beim Drohnen-Testflug: (v.l.) Frank Windeck, Projektleiter Digital-Akademie, Schulleiter Uwe Bleckmann, Stellvertreterin Sabine Schmidt-Rosner sowie die Pädagogen Joachim Busch, Saskia Ebel, Isabel Ruthert und Gottfried Voigt. Foto: Franciska Nowak /Konrad-Adenauer-Stiftung

Oberhausen.   Schutz für Schüler vor Extremisten und Tablets für spannenden Unterricht: Die Digital-Akademie schulte Lehrer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Schutz für Schüler vor extremistischen Rattenfängern und der Einsatz von Smartphones, Tablets oder Apps für einen spannenden Unterricht: Fluch und Segen der digitalen Medien waren jetzt Thema am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die Digital-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung schulte 75 Lehrerinnen und Lehrer.

Damit wurde die vor einem Jahr gestartete Zusammenarbeit zwischen Schule und Stiftung fortgesetzt. „Damals hatten wir gemeinsam ein Schülercamp für digitale Medien auf die Beine gestellt“, erzählt Sabine Schmidt-Rosner (stellvertretende Schulleiterin). Eine sinnvolle Sache, wie sich bald herausstellen sollte. Denn die so hellhörig gewordenen Schüler sprachen ihre Lehrer nun gezielt auf bedenkliche Inhalte an, auf die sie bei der privaten Nutzung von Computern und Handys stießen.

„Extremisten tummeln sich da, wo Kinder sind“

Folgerichtig beschloss die Schule, nun auch ihre Pädagogen von Experten unterweisen zu lassen. Dabei erfuhren die unter anderem: „Dass Extremisten, egal ob rechts, links oder islamistisch, sich da tummeln, wo sich Kinder und Jugendliche am liebsten aufhalten“, erläutert Frank Windeck von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Und so berichteten die Experten von gewaltverherrlichenden Videos auf Youtube, in denen unverhohlen zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen wird. Oder vom veganen Kochstudio der Neonazis. Aber auch beliebte Online-Spiele werden etwa von Neonazis gerne dazu genutzt, um Spielgemeinschaften zu unterwandern und judenfeindliche Sprüche als das angeblich „Normalste der Welt“ in Kinderköpfe zu trichtern.

Beratungsstellen arbeiten anonym

Eine alte und zugleich neue Masche der rechten und linken Szene: „Musik“, sagt Windeck. Noch dazu besser gemacht als je zuvor. „So hatten gewaltbereite Linke etwa unter dem Titel Welcome to Hell vor dem G20-Gipfel in Hamburg offen zur Gewalt gegen Polizei und Ordnungskräfte aufgerufen“, klärte Extremismusexperte Prof. Nils Abraham auf. Die eingängige Melodie verschleierte die brutale Wahrheit. „Nur wer genau hinhört, erkennt, worum es wirklich geht.“

Was aber tun, wenn das eigene Kind den Rattenfängern auf den Leim geht? „Ruhe bewahren und sich an eine Beratungsstelle wenden“, sagt Felix Lange von Nina NRW, einer Einrichtung, die sich um Aussteiger aus der rechten Szene kümmert. Lange betont: „Alle Beratungsstellen arbeiten anonym und klären erst einmal die Lage.“ Denn: „Nicht jede Auffälligkeit ist gleich Extremismus“, beruhigt Lange.

Wie Schule helfen kann

Was aber kann die Schule tun? „Den Wert von Demokratie vermitteln, demokratische Prozesse vorleben, Schüler beteiligen“, rät Frank Windeck. Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ist bereits als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet worden. Mit dieser gelebten Haltung und mit den präventiven Schulungen für Schüler und Lehrer ist ein guter Anfang gemacht.

Neue Technik für spannende Schulstunden

Wie die digitale Welt im Klassenzimmer verstärkt genutzt werden kann – das war das zweite große Thema der Digital-Akademie.

Medienscouts und Elternschulungen gibt es am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bereits. Nun erfuhren die Pädagogen auch noch Neues darüber, wie Tablet und Co. im Sprachunterricht eine individuellere Förderung ermöglichen. Oder, dass schon ein Handy ausreicht, um ein tolles Video zu drehen, mit dem auf fantasievolle Weise zugleich der Lernstoff überprüft wird. „Unsere digitale Ausstattung an der Schule ist gut“, meint Sabine Schmidt-Rosner (stellv. Schulleiterin). Wünschenswert sei aber ein zügigerer WLAN-Ausbau.

Denn das könnte auch die Möglichkeiten in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) weiter vorantreiben. Etwa durch das mobile Programmieren von Drohnen und Robotern. Wie viel Vergnügen es macht, das dafür nötige Know-How zu erlernen, testeten die Pädagogen schließlich selbst.

>>> Hilfsangebote für Aussteiger

Nina NRW ist unter 0176-931 197 65 zu erreichen und kümmert sich um Aussteiger aus der rechten Szene. Das Aussteigerprogramm Linksextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat die Nummer 0221-792-6600. Mail an aussteiger@bfv.bund.de.

Wegweiser ist ein NRW-Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus. Kontakt: 0208-85756-32/-31, Mail an wegweiser@ruhrwerkstatt.de oder persönlich in der Bogenstraße 32, bei der Ruhrwerkstatt in Oberhausen.

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