Ausstellung

Operette bot Käthe Guss die Bühne ihres Lebens

Käthe Guss 1948 als 42-Jährige.

Foto: Inge Merz

Käthe Guss 1948 als 42-Jährige. Foto: Inge Merz

Oberhausen.   Ausstellung erinnert an Käthe Guss – und an Oberhausens Musiktheater-Ära. Vom Arbeiterkind aus Mülheim-Styrum zur gefeierten Schauspielerin.

Das Oberhausener Theaterpublikum hatte sie vor 65 Jahren ins Herz geschlossen: Käthe Guss war als Sängerin und Schauspielerin ein Star im „Westend“ des Ruhrgebiets. Eine kleine Ausstellung erinnert bis zum 30. November an die einst bekannte Operettendiva – und zwar im Ausstellungsraum „Mülheimer Kunst und Geschichte“, Oberstraße 27, in ihrer Geburtsstadt.

Als in der Duisburger Oper in den 1930er Jahren ein Sopran für den Chor gesucht wurde, stellte sich auch Käthe Guss (1906 bis 1994) aus Mülheim-Styrum vor. Heute würde man sagen: Sie machte mit bei einem Casting – und wurde angenommen. Ihre erste Sternstunde hatte sie 1933, als sie, die kleine, rothaarige Chorsängerin, kurzfristig für die erkrankte Hauptdarstellerin in der Operette „Gräfin Mariza“ einsprang. So begründete sie ihre Karriere.

Duisburger Stadttheater wurde im Krieg zerstört

Die Operette – das „Musical“ früherer Zeiten – war ihr Leben. Sie war der Liebling der Duisburger Operettenfreunde, bis 1942 das Stadttheater im Krieg durch Bomben zerstört wurde. Nach einem Intermezzo in ihrer Heimatstadt Mülheim mit einem eigenen Operettentheater zog es Käthe Guss zurück nach Duisburg, in die Stadt ihrer größten Erfolge, und eröffnete 1948 ihr Kleines Theater am Dellplatz, leider nur für kurze Zeit – die Währungsreform sorgte für leere Plätze.

In Oberhausen nahm man sie 1953 mit offenen Armen auf, aber nicht mehr allein als Soubrette in Operetten, sondern als „komische Alte“ im Schauspiel. Sie feierte im Theater Erfolge als Mutter Wolfen im „Biberpelz“, als Marthe in Kleists „Zerbrochenem Krug“, als Frau Kramer in Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“.

Die Oberhausener schätzten „ihre“ Käthe Guss aber nach wie vor als Sängerin in Operetten wie „Gräfin Mariza“, der „Czardasfürstin“ oder im „Vetter aus Dingsda“. Ihre Abschiedsvorstellung gab sie 1967, im Drama „Lumpen“ – und erhielt zehnminütigem Schlussapplaus. Der Bühnenboden war bedeckt von Blumensträußen.

Blumen von Frau Oberbürgermeisterin

Oberhausens damaliger Intendant Dr. Christian Mettin meinte, man sollte einen Artikel über den Lebensweg dieser Schauspielerin, in Operette und Schauspiel gleichermaßen erfolgreich, in die Lesebücher der Schulen aufnehmen: „Käthe Guss, das ist unsere kleine Unsterblichkeit am Theater.“ Frau Oberbürgermeisterin Luise Albertz saß, einem Zeitungsartikel zufolge, in der zweiten Reihe mit Wehmut im Herzen und schickte Käthe Guss einen persönlichen Brief samt Blumen.

Wer heute zur älteren Generation gehört und früher gern Operetten genoss oder Theatergänger war, der könnte Käthe Guss noch kennen. „Fragen Sie Ihre Eltern oder Großeltern“, meint Inge Merz, ihre Nichte, die ihr die aktuelle Ausstellung widmet – „bevor alle Menschen gestorben sind, die sie kannten“. Welche Theaterstationen vor Oberhausen lagen, was die Zeitungen über sie schrieben und wie sie von ihren „Verehrern“ geliebt wurde, das erfährt man in der kleinen Käthe-Guss-Ausstellung. Den Besucher erwarten großformatige Fotos von Operetten- und Schauspiel-Szenen aus dreieinhalb Jahrzehnten von 1931 bis 1967, Zeitungsausschnitte mit Premierenkritiken und Berichten über ihr Leben.

Fotos, Erinnerungen und ein Film mit Wegbegleitern

Der Ausstellungsraum „Mülheimer Kunst und Geschichte“, Oberstraße 27, öffnet dienstags, mittwochs und donnerstags von 16.30 bis 18.30 Uhr. Zudem sind Terminabsprachen unter 0208 - 75 42 32 möglich. Eintritt frei.

An einigen Tagen ist Inge Merz, die Ausstellungs-Macherin und Nichte der Sängerin, anwesend und berichtet aus dem Leben ihrer Tante. Zudem wird auf Wunsch ein Film über Käthe Guss gezeigt, den der Mülheimer Filmemacher Reiner Komers in der Reihe „Mülheim erzählt“ 2008 drehte. Es ist ein Erinnerungsgespräch mit Verehrerinnen und Wegbegleitern.

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