Baumfällen im Stadtwald

Oberhausens Stadtwald wächst – obwohl im Winter Bäume fallen

Timo Dreschmann von der unteren Naturschutzbehörde erläutert bei einem Rundgang Bürgern die „Durchforstungsmaßnamen“ im Oberhausener Stadtwald.

Timo Dreschmann von der unteren Naturschutzbehörde erläutert bei einem Rundgang Bürgern die „Durchforstungsmaßnamen“ im Oberhausener Stadtwald.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Weil sie alt, krank oder gefährlich sind, werden im Winter einige Bäume in Oberhausen gefällt. Bürger lassen sich das vor Ort erklären.

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Der Klimawandel setzt Oberhausens Wald arg zu. Viele Bürger sind besorgt, ihr Rückzugsort werde weiter schrumpfen – und wenn die Rede von „Durchforstungsmaßnahmen“ ist, Amtsdeutsch für Bäume fällen, werden Naturfreunde erfahrungsgemäß hellhörig. Der Naturschutzbeirat der Stadt weiß das und informiert immer wieder mal Bürger im Wald, die sich für den Zustand der hiesigen Bäume interessieren. Den neuesten Abstecher in die Hühnerheide nutzen zehn Interessierte, um zu Eichen, Buchen und weiteren Baumarten - aber auch anderen Waldbewohnern - Fragen zu stellen.

Anja Gaßmann aus Sterkrade geht regelmäßig im Wald spazieren. Sie ist mit einer großen Handtasche angereist, aus der eine kleine Schnauze herausschaut. Im handschuhkalten Nieselregen ist Hündchen Stella im Gepäck von Frauchen gut aufgehoben. Ihre Rasse hat kein Unterfell. „Stella ist wie eine Wärmflasche: Sie würde sofort auskühlen.“ Für die Sterkraderin sind die Stunden im Wald mit und ohne ihr Haustier stets Erholung. Hier entspannt sie sich und vergisst die Alltagssorgen – deshalb ist sie der öffentlichen Einladung durch den Naturschutzbeirat gefolgt.

Buchen müssen vor Eichen weichen

Timo Dreschmann, 32, dicke Stiefel und dicke Jacke, vertritt den erkrankten Förster und veranschaulicht den Teilnehmern, was in den Wintermonaten auf den Wald und seine ältesten Bewohner zukommt. „Die meisten der zu fällenden Bäume sind Buchen“, sagt der Experte von der unteren Naturschutzbehörde. Das macht die Zuhörer neugierig. „Warum müssen die weg?“ Auf dem vom Laub bedeckten Waldweg am Ravenhorst beruhigt er sie zunächst.

„Die Fällmaßnahmen im Stadtwald dienen dazu, die vorhandenen Wälder allmählich zu verjüngen, damit überall Bäume wachsen.“ Ohne das Fällen der Buchen, Pappeln oder Bergahorne wäre der Spaziergang eine Gefahr und der Wald würde langfristig verschwinden. Der Forstplan sehe zwar vor, pro Hektar 3,8 Festmeter Holz zu ernten – aber: „Wir haben mit 5,2 Festmeter mehr geplanten Zuwachs als Fällungen.“

Stürme wüten, Holz bleibt liegen: Im Winter wartet viel Arbeit auf den Förster

Stürme wie Bennet, Eberhard und Heinz verhindern im Frühjahr, dass die Arbeit der vergangenen Periode abgeschlossen ist. Es liegt viel Holz herum, was der schwere Schlepper der OGM rausschaffen muss. Der Traktor benötigt dabei viel Platz und schlägt immer eine breite Schneise in den Wald, die den Waldboden stark belastet. Irgendwie müssen die gefällten Riesen jedoch vom Dickicht auf den Waldweg gezogen werden, damit daraus später Brennholz wird. Wenn der Boden gefroren ist, halten sich die Schäden durch den Traktor in Grenzen. Bleiben die Winter aber weiter so mild, hilft das dem Förster kaum, den Wald und seine natürlichen Böden beim Transport der Hölzer schonend zu behandeln.

Eine Alternative zum Schlepper sei das sogenannte Rückepferd, welches jetzt wieder verbreitet in der Forstwirtschaft eingesetzt wird, weil die Tiere fast keine Schäden beim Ziehen der Hölzer auf unwegsamen Gelände verursachen. Allerdings sei das angesichts der dauerleeren Kassen ein Wunschgedanke. „Die Tiere sind leider zu teuer“, sagt Dreschmanns Chef, Umweltamtsleiter Markus Werntgen-Orman und holt Pferdenarren unter den Zuhörern zurück in die Realität. Das Wild bleibt vorerst allein im Wald. Fast.

Kanalbauarbeiten scheucht das Wild auf die Straße

„Die Kanalbauarbeiten in der Dellerheide sind vermutlich verantwortlich“, offenbart Timo Dreschmann den Grund für vermehrt totes Wild und verbeulte Karossen an der Grenze zu Dinslaken. Bagger und Mensch scheuchen Reh und Co auf – das sei leider ein normaler Prozess. Der Autobahnausbau steht zudem noch aus. Die Umweltexperten hoffen auf die Einsicht der Autofahrer – und wünschen sich entlang solcher Gefahrenzonen in Zukunft vor allem vorsichtige Fahrweise. Und das schont schließlich Wild und Geldbörse.

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