Abschied

Oberhausens Jugendamtsleiter Klaus Gohlke geht in Pension

Klaus Gohlke an seinem Schreibtisch. Am Freitag hat er seinen letzten Arbeitstag.

Klaus Gohlke an seinem Schreibtisch. Am Freitag hat er seinen letzten Arbeitstag.

Foto: Christoph Wojtyczka

OBERHAUSEN.   Der Leiter des Bereichs Kinder, Jugend, Bildung, begann seine Karriere als Beauftragter für Spielplätze. Fast 40 Jahre war er in Oberhausen.

Bis zu seinem letzten Arbeitstag am Freitag hat Klaus Gohlke Termine, „weil die Arbeit einfach da ist“, sagt der über 65-jährige Leiter des Bereiches Kinder, Jugend, Bildung bei der Stadt Oberhausen. Früher hätte man gesagt: Jugendamts- und Schulamtsleiter in Personalunion. Zu diesem Umstand, der eine „dynamische Entwicklung in der Aufgabenstellung“ mit sich brachte (wie Gohlke nett verpackt und stark untertrieben formuliert), gleich mehr.

Der letzte Termin im Amt ist jedenfalls ein Auswahlgespräch für eine Stellenbesetzung. Und danach: endet eine 39 Jahre dauernde Karriere bei der Stadt in verschiedenen Funktionen. Davon überwiegend im Dienste von Kindern und Jugendlichen, denn „man muss bei den Kleinen ansetzen“, das hatte Klaus Gohlke bei seinem Sozialpädagogik-Studium an der damaligen Gesamthochschule Essen für sich entschieden. Er sei ein Kind der 1970er/80er Jahre, sagt Gohlke, weshalb das Anliegen, gesellschaftlich etwas zu bewirken, bei der Berufswahl eine Rolle gespielt habe und die kaufmännische Ausbildung, die er zuerst begann, nicht das Richtige für den Duisburger war (oder Rheinhausener, dort wohnt Gohlke auch heute noch).

Konzept fürs Spielmobil entwickelt

Chancengleichheit für Kinder herstellen, ihre Lebensituation verbessern: Klaus Gohlke ist glücklich darüber, das Wort wählt er bewusst, dass er sich in seinem beruflichen Werdegang fast durchgängig um diese Themen kümmern konnte. Auch wenn der persönliche Anspruch nicht immer zu verwirklichen war, weshalb der Pensionär ungern von Stolz in Bezug auf seine Arbeit spricht. Das klinge zu überheblich.

1978 fing der Sozialpädagoge bei der Stadt Oberhausen an und war zuständig für die Spielplätze, nach sechs Wochen musste er seine erste Vorlage im Jugendhilfeausschuss vorstellen: ein Konzept fürs Spielmobil. Die schwierige Oberhausener Haushaltssituation bestimmte von Anfang an seine Arbeit, führte aber durchaus auch zu Kreativität. Beispielsweise entwickelte Gohlke aufgrund von Stellenstreichungen das Modell der Spielplatzpatenschaften, „da waren wir eine der ersten Kommunen, die das eingeführt haben“. Ehrenamtler haben einen Blick auf die Spielplätze und melden Schäden oder Verunreinigungen. Beschwerden über den Zustand der Spielflächen seien dadurch stark zurückgegangen.

Referent für OB Drescher

Ab 1990 war Klaus Gohlke Kinderbeauftragter der Stadt, dann Abteilungsleiter für den kinderpädagogischen Dienst (Kitas), um dann ab 2000 für sechs Jahre aus dem Jugendhilfebereich auszusteigen und als Referent und Büroleiter für den damaligen Oberbürgermeister Drescher zu arbeiten. Das Projekt Soziale Stadt oder die Gesamtverantwortung für die Kitas in der Stadt waren weitere Stationen. Und dann ab 2012 die Leitung der beiden Bereiche Jugendamt und Schulamt, zunächst kommissarisch, die 2015 in der Folge des Consens-Gutachtens offiziell zusammengelegt wurden – und jetzt wieder getrennt werden mit jeweils eigenen Leitungen.

„Es ist sehr anstrengend gewesen“, sagt Gohlke. Zwar sei der Grundgedanke für die Fusion nicht falsch: Schule und Jugendhilfe miteinander zu verzahnen und organisatorisch unter ein Dach zu bringen. Aber die „dynamische Aufgabenentwicklung“ sei eben 2012 nicht klar gewesen: eine umfangreiche Schulentwicklungsplanung, der Ausbau der frühen Hilfen und der Betreuungsplätze für unter Dreijährige, „die Steuerbarkeit eines solch breit gefächerten Bereichs ist sehr erschwert, zudem haben sie es mit unterschiedlichen übergeordneten Behörden zu tun“, sagt der Mann, der bis Ende des Jahres zuständig ist für rund 600 Mitarbeiter in der Jugendhilfe, in Schulsekretariaten oder Kitas.

Jetzt also von hundert auf null. „Der Tag war gerade in den vergangenen Jahren so durchgetaktet“, sagt Gohlke, da heißt es erstmal: Luft holen, ankommen, den neuen Lebensabschnitt beschnuppern. Klar, wieder Sport machen, Zeit für die zwei Enkel haben, aber bloß keine Pläne abarbeiten.

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