Ruhestand

Oberhausens erster Polizist verlässt eine „sichere Stadt“

Uwe Mainz, hier bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Oberhausen, ist ab dem 1. September Pensionär.

Foto: Tom Thöne (Archiv)

Uwe Mainz, hier bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Oberhausen, ist ab dem 1. September Pensionär. Foto: Tom Thöne (Archiv)

Oberhausen.   Uwe Mainz, als Leiter der Direktion Kriminalität oberster Polizist der Stadt, geht in Pension. Der Ermittler: „Ich verlasse eine sichere Stadt.“

Kurz vor dem Ruhestand ist Uwe Mainz noch einmal umgezogen. Mit zahlreichen Abteilungen ging es um den jüngsten Monatswechsel herum vom Präsidium, das seit Jahren saniert wird, an den Ausweichsitz der Polizei an die Linderstraße. Nur noch wenige Tage hat Mainz, Noch-Leiter der Direktion Kriminalitätsbekämpfung, in seinem neuen Büro gearbeitet. Zum Ende des Monats geht der dann 62-Jährige regulär in Pension, nach 42 Jahren bei der Polizei, nach sechs Jahren als oberster Kripobeamter in Oberhausen. Er verlasse eine „sichere Stadt“, sagt Mainz, mit einer bestens aufgestellten Behörde und mit „hochmotivierten Polizisten“.

Ein Beispiel liefert er gleich mit: Als seine Ermittler einem Mann und seiner Tochter auf die Schliche kamen, die von Spanien aus bundesweit Haschisch und Marihuana verkauft hatten, ließ eine Sachbearbeiterin nicht locker. Schließlich stieß sie noch auf ein Schließfach, in dem 430.000 Euro versteckt waren. Deren Sicherstellung sei dank der Hartnäckigkeit der jungen Kollegin gelungen, freut sich Mainz und lobt seine Beamten: „Da sind die richtigen Leute am Werk.“

Erfolge der Polizei über die Stadtgrenzen hinaus

Gerne blickt Mainz auf die Erfolge, die die Oberhausener Polizei in seiner Zeit zu vermelden hatte, und die nicht selten auch Einsätze weit jenseits der Stadt erforderten. Vorausgegangen waren meist mehrmonatige intensive Ermittlungen: etwa bei der Zerschlagung eines Rings vorwiegend vietnamesischer Drogendealer im April dieses Jahres. Bei der Festnahme von zwei Verdächtigen bei Seevetal wurde sogar die Strecke der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Hannover für über eine Stunde komplett gesperrt. Eine Lagerhalle der Bande lag unmittelbar an der Bahnlinie. Ohne die Streckensperrung wäre der Zugriff für die Spezialeinsatzkräfte zu gefährlich gewesen. „Das war sehr spektakulär“, erinnert sich Mainz. Auch die Festnahme mehrerer Waffenhändler fällt in diese Kategorie. Einer der Männer hatte es sich zur Leidenschaft gemacht, unwirksame Waffen wieder zu funktionsfähigen umzubauen. 50 davon wurden später sichergestellt, darunter auch Maschinenpistolen. Mainz ist in solchen Fällen derjenige, der als Leiter einer sogenannten besonderen Aufbauorganisation die gesamte Operation mit teils etlichen Beamten leitet, bis der Zugriff erfolgt. „Das ist dann wie im Film“, sagt der Polizist.

Deutlich eingedämmt habe die Polizei inzwischen auch die Rocker-Problematik, die die Stadt lange Zeit in Atem gehalten hat. „Da haben wir seit zwei Jahren einigermaßen Ruhe“, sagt Mainz, „das schwelt zwar, aber nennenswerte oder organisierte Aktivitäten sind seitdem nicht mehr feststellbar.“ Mainz geht aber auch mit dem Gedanken an noch ungelöste Probleme. Er spricht von einer „entstehenden Kriminalität, die wir vor einem halben Jahr noch nicht hatten“, und meint damit das Problem international agierender reisender Banden etwa von Einbrechern. „Die sind vormittags in Oberhausen, dann in Düsseldorf, dann in Aachen und dann vielleicht noch in Hamburg. Die sind unheimlich schwer zu packen.“ Mainz sieht darin eine „Gefahr“, die Oberhausen, aber auch anderen Städten zunehmend drohe.

Mainz nimmt auch Fälle mit in den Ruhestand, die bis heute ungeklärt sind. Etwa den des getöteten Rockers Kai M. aus Oberhausen, dessen Todesumstände weiter offen sind. Auch wenn er daran nur mittelbar beteiligt war: „Es lässt einen nicht los“, sagt Mainz, „ungelöste Fälle sind immer belastender, da denkt man schon drüber nach.“

Auslandseinsätze im Kosovo und in Afghanistan

In seinem Berufsleben vor der Oberhausener Zeit ist Mainz, der „Ur-Düsseldorfer“, der inzwischen in Erkrath noch nahe der Landeshauptstadt lebt, im Dienste der Polizei rund um den Globus geflogen. 2000/01 ging er nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau - „Tue es, Uwe, ich halte dir den Rücken frei“ - für ein Jahr als Team-Leiter in den Kosovo. Seine Truppe sollte dort Konflikte unter den im Rahmen einer internationalen Mission stationierten Polizisten aus aller Herren Länder schlichten. Jahrelang organisierte er danach von einem Stützpunkt der Polizei in Brühl aus alle Auslandseinsätze von Polizisten aus Nordrhein-Westfalen und vereinheitlichte und internationalisierte die Ausbildung etwa durch die Einführung von Englisch als Amtssprache. Auch andere Länder schickten ihre Beamten daraufhin zum Training nach Brühl.

Mainz verschlug es auf Dienstreisen nach Asien oder Afrika. Und allein darüber könnte er ein Buch schreiben. Etwa wie er mit einer Delegation in der sudanesischen Hauptstadt Khartum festsaß, als Rebellen angriffen. „Da hörten wir abends Artilleriefeuer, da ging es richtig rund.“ Ein türkischer Pilot flog die Delegation schließlich aus. Zum Flugzeug ging es im Laufschritt und mit Bestechungsgeldern für das Bodenpersonal in beiden Händen. 2010/11 ging es für Mainz als stellvertretender Leiter einer EU-Mission nach Afghanistan, die Bedenkzeit für die Zusage dauerte damals 24 Stunden. Mainz überlegte nicht lange. „Die Auslandseinsätze“, blickt Mainz auf seine Laufbahn zurück, „waren das interessanteste. Das war immer Pionierarbeit.“

„Herumtreiben, die Seele baumeln lassen und dann wird sich schon etwas ergeben“, so fasst Mainz seine Pläne für die nächsten Monate zusammen. Erstmal geht es für den verheirateten Vater eines Sohnes für drei Wochen in den Urlaub an den Wörthersee. Viel Sport machen wolle er und viel lesen, vor allem Sachbücher: „Ich befasse mich gerne mit Geschichte.“ Ehrenamtlich engagiert er sich schon jetzt, etwa für die Initiative Lachen Helfen e.V. oder bei den Rotariern. Auf die Frage, was er künftig vermissen werde, antwortet Mainz: „Erstens die Menschen und zweitens das Gefühl, Polizist zu sein.“ Dann hält er kurz inne: Ganz verschwinden werde das wohl doch nie.

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