Amtsgericht

Oberhausenerin vertrieb Lösung gegen Zahnbelag bei Hunden

Der kleine Malteser nimmt die Hürde. Die Angeklagte gab sich einen Ruck und sprang über ihren eigenen Schatten, legte ein Geständnis ab.

Foto: Imago

Der kleine Malteser nimmt die Hürde. Die Angeklagte gab sich einen Ruck und sprang über ihren eigenen Schatten, legte ein Geständnis ab. Foto: Imago

Oberhausen.   In Oberhausen ist eine Frau vor dem Schöffengericht verurteilt worden, die ein selbst gemixtes Gebräu gegen Zahnbelag bei Hunden verkauft hatte.

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Wasser und eine unbestimmte Menge eines Antiseptikums haben eine 66 Jahre alte Oberhausenerin in die Bredouille gebracht. Die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann Malteser und Yorkshire Terrier züchtete, hatte im September 2012 eine Idee. Um zu verhindern, dass sich bei Hunden Zahnstein bildet, stellte sie eine Lösung her. Über drei Jahre verkaufte sie ihr Mittel online über zwei geschlossene Gruppen auf Facebook. 32 000 Euro nahm sie ein. Dann war Schluss. Der Vorwurf, gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben, stand im Raum.

Am Donnerstag musste sich die 66-Jährige vor dem Schöffengericht verantworten. In drei Jahren hatte sie etliche Packungen ihrer Zahnlotion in unterschiedlichen Größen verkauft. 1000 Milliliter kosteten 62 Euro. Zu ihren geschlossenen Facebook-Gruppen gehörten immerhin 3200 Leute. „Nicht gerade wenig“, wie Vorsitzender Marc Voosen bemerkte.

Frau legt ein Geständnis ab

Die Frau, die sich zunächst gar nicht äußern wollte, erzählte dann doch immer mehr. „Ich wollte helfen“, sagte sie über ihre Motivation. Eine Bekannte hatte ihr erzählt, dass ihr Hund eine für die Zahnstein-Entfernung notwendige Narkose nicht überlebt hatte. Das habe ihr leid getan. Sie suchte nach einer Möglichkeit, die Bildung von Zahnstein zu verhindern.

„Dass sie da eine Selbsthilfegruppe gegründet haben, um vielleicht auch anderen Züchtern zu helfen, ist löblich“, gestand der Richter der Frau zu. Aber der Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz bleibe bestehen. Zudem hatte die 66-Jährige bei der Gebrauchsanweisung für ihre Zahnlotion reichlich auf den Putz gehauen. Sie passe sich der DNA des Körpers an. Sie helfe gegen alles. „Sogar gegen Ebola, Sars und Gürtelrose“, hatte es da geheißen. Einer jungen Mutter hatte sie empfohlen, die Lösung auf den doppelten Dammriss nach der Geburt zu träufeln.

Immer die Steuern gezahlt

Hatte die Frau erst gar nichts sagen wollen, gab sie schließlich alles zu. Nur bei einer Sache reagierte sie empört. „Wir haben immer unsere Steuern gezahlt“, sagte sie. Das hätten sie auch für die 32 000 Euro. Denn die muss die Oberhausenerin zurückzahlen. Das Gericht berücksichtigte die Steuerzahlung und forderte lediglich 2400 Euro zurück. Zusätzlich muss die Frau eine Geldstrafe von 3600 Euro begleichen. Ihr Geständnis und die Tatsache, dass sie keine Vorstrafen hat, wirkten sich strafmildernd aus.

Ein Problem bleibt. „Das Veterinäramt hat uns wegen des Verfahrens die Hundezucht verboten“, sagte die 66-Jährige. „Wir durften auch keine Hunde mehr abgeben.“ Deshalb hätten sie jetzt viele Tiere zu versorgen.

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