Bundesverdienstkreuz

Oberhausenerin Claudia Schubert erhält Bundesverdienstkreuz

Claudia Schubert bekommt am 14. Juni das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ihre Gitarre nimmt sie mit ins Rathaus zur Laudatio von OB Daniel Schranz.

Claudia Schubert bekommt am 14. Juni das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ihre Gitarre nimmt sie mit ins Rathaus zur Laudatio von OB Daniel Schranz.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Claudia Schubert widmet ihr Leben behinderten Menschen. Dafür erhält sie das Bundesverdienstkreuz — andere haben es für sie aber ebenso verdient.

Der Verdienstorden ehrt herausragende Leistungen für das Gemeinwesen, so erläutert es das Bundespräsidialamt. Keine Frage: Claudia Schubert hat sich im sozialen Umfeld Oberhausens einen Namen gemacht. Und dafür wird der 63-jährigen ehemaligen Musikschullehrerin am 14. Juni im Rathaus zurecht die höchste Anerkennung zuteil, die unser Land für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Doch für Claudia Schubert haben das auch andere verdient.

„Die Eltern von behinderten Kindern müssten alle so eine Medaille bekommen“, wiegelt sie beim Kaffee im heimischen Wintergarten bescheiden ab. Dabei spielt für Claudia Schuberts Leben eine große Rolle, dass sie nie selbst Kinder bekommen konnte. So sei die Arbeit eben ihre Berufung geworden, erzählt sie. Den Orden erhält Claudia Schubert aber vor allem für die Wochen, Monate und Jahre ihres Lebens, als sie eigentlich frei hatte.

Einsatz zehnfach zurückbekommen

Aufgewachsen in einem gläubigen Elternhaus wird Claudia Schubert früh beigebracht, dass alle Menschen gleich sind. Mit 16 Jahren entschließt sie sich, ihren Sommer in einem Camp in Essen-Kettwig mit Behinderten zu verbringen. Klavier und Blockflöte lernt sie vom Opa, obwohl der Vater sie lieber in einer Bank sähe. Später wird die Musik sogar ihr Beruf, „denn im Ferienlager habe ich gemerkt — mit Musik kann man alle Menschen erreichen“.

Nach einem Musikstudium und einer Zusatzausbildung gründet Claudia Schubert 1990 an der Musikschule Oberhausen eine Musikgruppe für Menschen ohne und mit Handicap. Für den Inklusionskreis „Regenbogen“ und deren Mitglieder investieren sie und ihr Mann fortan fast jede freie Minute. Die Gruppe besteht deshalb weiterhin; wird im WDR vorgestellt und spielt bei der Eröffnungsfeier der „Special Olympics“ im ISS Dome Düsseldorf vor fünf Jahren vor 11.000 Zuschauern.

„Wir waren als große Gruppe im Westerwald oder zusammen bei ,König der Löwen’ in Hamburg. Meine Schüler haben bei uns übernachtet und ich kenne viele von ihnen seit 20 Jahren und manche sogar länger“, sagt Claudia Schubert und hat ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie von ihren Kindern spricht, die jetzt längst erwachsen sind. „Das Schöne daran ist, dass man alles, was man gibt, zehnfach zurückbekommt.“

Es sind besondere Erinnerungen: An ihren Schüler Robin etwa, der für eine Musical-Rolle das Laufen ohne Hilfe lernte oder an Franzi, die vorher schüchtern war und nun selbstbewusster singt und Gesangstunden nimmt. Claudia Schubert begleitete all die großen und kleinen Erfolge des „Regenbogens“ während sie Regie führte, Konzerte organisierte und dafür reihenweise Preise gewann. „Die Hälfte der Medaille gehört jetzt allerdings meinem Mann Jürgen, weil er immer dabei war.“

Die Gitarre hat Claudia – trotz Rente – bei den fürs Ehepaar Schubert ungewohnten Reisen zu zweit stets griffbereit. Im Italien-Urlaub entdeckte sie eine neue Seite an sich: „Ich dachte immer, ich könnte nur mit Kindern was anfangen.“ Einen Regentag nutzte sie spontan, um Lieder im Altenheim zu singen. Seitdem schallt ihre Stimme („Die brauchst du bei Kindern und Alten!“) öfter im EKO über den Flur. „Alle Vögel sind schon da“ oder „Horch, was kommt von draußen rein“ sind Evergreens, die viele ältere Menschen gerne mitsingen. Gerade demente Menschen würden zwar vieles vergessen, „aber von diesen Liedern kennen sie oft jede einzelne Strophe“.

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