Medizin

Oberhausener Tüftler erfindet neue Verhütungstechnik

Das Thermometer kann ab sofort in Apotheken bestellt werden – auch in der Schmachtendorfer Forst-Apotheke von Johannes Rieforth (links). Rechts daneben: Erfinder Thomas Martin.

Foto: Kerstin Bögeholz

Das Thermometer kann ab sofort in Apotheken bestellt werden – auch in der Schmachtendorfer Forst-Apotheke von Johannes Rieforth (links). Rechts daneben: Erfinder Thomas Martin. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Mit einem neuen Mini-Thermometer will der Oberhausener Entwickler Thomas Martin Paaren helfen, leichter zu verhüten – oder Kinder zu bekommen.

Ein Oberhausener Unternehmer will den Markt für Verhütungs- und Hilfsmittel zur Fortpflanzung erobern: Computerexperte Thomas Martin hat ein Thermometer entwickelt, das per Temperaturmessung die fruchtbaren Tage einer Frau ermittelt, die Daten auswertet und an ein Smartphone sendet. Das Gerät stuft der Erfinder als „Weltneuheit“ ein.

Die Idee habe er bereits in den 80ern gehabt, erzählt Martin. Seine damalige Freundin habe mit Hilfe der Temperaturmethode verhütet. Heißt: Jeden Morgen die Temperatur messen, in eine Skala eintragen, auswerten. „Das war lästig“, meint er. Seine Idee: Das muss auch einfacher gehen.

Rund 30 Jahre, ein Biologie- und ein IT-Studium später hat er die Idee von damals verwirklicht – nur, dass es zunächst nicht um Verhütung, sondern um den Kinderwunsch geht. Unter dem Namen „Ovolane“ vertreibt er seit Oktober ein neuartiges Thermometer, das die Temperatur im Inneren des weiblichen Körpers misst – die ganze Nacht lang, in einem zeitlichen Abstand von fünf Minuten.

Die Daten sendet der Mini-Computer über eine Funk-Schnittstelle mittels Bluetooth an ein Smartphone, auf dem die Frau dann erkennen kann, ob sie gerade fruchtbar ist. „Das geschieht am Tag, wenn das Gerät nicht mehr im Körper ist“, erklärt der Entwickler.

Sechsstellige Summe investiert

Und was ist mit der Verhütung? „Wenn man die fruchtbaren Tage ermittelt, ermittelt man auch die unfruchtbaren Tage, das ist ja logisch“, erklärt Thomas Martin. Nur darf er das Produkt nicht als Verhütungsmittel anbieten, weil es dafür als Medizinprodukt zertifiziert werden muss. Und das sei sehr teuer. Aber wenn das Geschäft erst einmal läuft, werde er das nachholen.

Eine sechsstellige Summe hat der Oberhausener in die Produktion investiert. Von der ersten Konstruktionszeichnung bis zur Umsetzung hat es drei Jahre gedauert. An der Entwicklung waren sieben freie Mitarbeiter beteiligt: drei Informatiker, ein emeritierter Professor für Elektrotechnik, ein Elektrotechniker, eine Ärztin und ein Physiker. Die Firma hinter „Ovolane“ hat Thomas Martin bereits 2004 unter dem Namen „bel’apps“ gegründet. Als erstes Produkt brachte er damals einen Inkubator, einen Brutschrank für Rassegeflügel, auf den Markt.

Thermometer kostet 229 Euro

229 Euro soll das neue Thermometer kosten. „Da müssen viele erst mal schlucken“, ist sich Martin bewusst. Aber auf dem Markt gebe es bislang nur einen vergleichbaren Konkurrenten. Und der verlange 89 Euro im Monat und funktioniere nur mit einem speziellen Auslesegerät. „Mit dem Smartphone ist es viel einfacher und bequemer“, wirbt der Geschäftsmann.

Und dem derzeitigen „Lifestyle“ entspreche sein Produkt auch: „Es gibt Fitness-Armbänder, Apps und Schrittzähler, die Leute wollen über ihren Körper Bescheid wissen und ihn kontrollieren.“

Der gebürtige Schwabe, der in Aachen und den USA studiert hat und in Deutschland, den USA und der Schweiz als Software-Entwickler und -Berater tätig war, glaubt an den Erfolg seiner Erfindung.

>>>Info:Wie sicher ist die Temperatur-Messmethode?

Nach erfolgreichem Start soll „Ovolane“ auch als Mittel zur Verhütung eingesetzt werden. Ein wichtiger Wert bei Verhütungsmitteln: der sogenannte Pearl-Index. Dieser gibt an, wie hoch der Anteil der Frauen ist, die trotz der jeweiligen Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Index, desto sicherer also die Methode.

Der Index der Temperatur-Methode liegt laut Pro Familia zwischen 0,8 und 3. Die Hormonspirale hat einen Index von 0,16, die Pille von 0,1 bis 0,9, das Kondom von 2 bis 12, der berüchtigte „Koitus Interruptus“ von 4 bis 18. Thomas Martin will „menschliches Versagen“ wie Mess- oder Auswertefehler beim üblichen Messen mit dem Fieberthermometer minimieren. Infos: ovolane.de

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