Grenzgänger

Oberhausener Sportler läuft, so weit ihn die Füße tragen

100 Kilometer mit 5400 Höhenmetern meisterte Sascha Kowalski beim Zugspitz Ultratrail 2016. Eine Grenzerfahrung, die ihn bis heute nicht loslässt. Foto:Stephan Wieser

100 Kilometer mit 5400 Höhenmetern meisterte Sascha Kowalski beim Zugspitz Ultratrail 2016. Eine Grenzerfahrung, die ihn bis heute nicht loslässt. Foto:Stephan Wieser

OBERHAUSEN.   Als Sascha Kowalski vor fünf Jahren mit dem Laufen anfing, wollte er nur ein wenig abnehmen. Heute meistert er Läufe jenseits des Marathons.

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Als Sascha Kowalski vor fünf Jahren mit dem Laufen anfing, hatte das einen handfesten Grund. Er wog 110 Kilo und wollte abspecken. Doch dann packte es ihn. Aus einem Kilometer wurden fünf, es folgten zehn und schließlich ein Marathon.

Der erste Ultralauf des Jahres sollte der erste seines Lebens werden: Die 50 Kilometer in Rodgau (bei Frankfurt) legte er in 3 Stunden und 32 Minuten zurück. Er lief als Achter ins Ziel – und hatte plötzlich eine neue Welt jenseits des Marathons für sich entdeckt. Hier ist seine Geschichte:

Sascha Kowalski ist in Oberhausen geboren und aufgewachsen. Er schloss die Theodor-Heuss-Realschule ab und hängte das Fachabitur am Hans-Böckler-Berufskolleg dran. Nach zehn Monaten Bundeswehr wollte er mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann durchstarten. „Aber ich stellte schnell fest, dass das nichts für mich ist – und brach meine Lehre ab.“

Australien, Neuseeland, Hawaii

Kowalski jobbte im Centro, versuchte einen Neustart mit einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann. „Das klappte besser.“ Nach dem Abschluss wurde er übernommen. 2010 kündigte er. „Ich hatte das Gefühl, dass da mehr sein muss.“

Also machte er sich auf die Suche, reiste zwei Jahre lang um die Welt. Einen Großteil davon verbrachte er in Neuseeland und Aus-tralien. Die Rückreise führte ihn über die USA, über Hawaii zurück nach Oberhausen. „Ich hatte mich in dieser Zeit viel von Fast Food ernährt und saß mit 110 Kilogramm auf der Couch daheim in Oberhausen“, erinnert sich Sascha Kowalski. „Da ich keine Lust hatte, mir neue Klamotten zu kaufen, fing ich mit dem Laufen an.“ Das war zwar so gar nicht seine Sportart. „Aber der Vorteil ist, dass man dazu nur ein Paar Sportschuhe benötigt und direkt vor der Haustür starten kann.“

Kowalski begann 2012 mit zwei bis drei Kilometern, zwei- bis dreimal in der Woche. Zeitgleich stellte er seine Ernährung um, aß mehr Gemüse und Obst, kein Fleisch mehr. „Das klappte prima, die Pfunde schmolzen wie Butter in der Sonne

– nach einem Jahr war ich 30 Kilo leichter.“ Neue Klamotten musste er sich aber doch kaufen. „Weil ich dünner bin als vorher.“

Ein Jahr später lief er bei seinem ersten Marathon mit. „In Cuxhaven.“ Als er den geschafft hatte, war klar: „Ich will mehr.“ Kowalski lief täglich, pro Woche kamen jetzt 100 Kilometer zusammen. Den zweiten Marathon legte er in 2 Stunden und 57 Minuten zurück. „Das ist schon das Niveau einer Zweiten Bundesliga“, sagt Kowalski stolz.

2016 wurde sein großes Jahr: Er wagte sich an den ersten Ultralauf in Rodgau. Im Juni folgte der WHEW-Lauf – von Wuppertal über Hattingen und Essen zurück nach Wuppertal. Die 100 Kilometer am Stück legte Kowalski in 8 Stunden und 52 Minuten zurück – und landete damit auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung.

Zu Fuß über die Alpen

Die nächste Herausforderung: der Zugspitz-Ultratrail. Wieder 100 Kilometer, inklusive 5400 Höhenmetern. „20 Stunden brauchte ich dafür, landete im guten Mittelfeld.“ Der Transalpin-Lauf vom bayerischen Garmisch-Partenkirchen bis ins italienische Brixen folgte im September: 250 Kilometer in Etappen über sieben Tage.

Zu Fuß über die Alpen, zu Fuß auf über 3000 Meter? „Nach dem dritten Tag wusste ich nicht mehr, wie ich vom Bett zur Dusche kommen sollte.“ Sein Hochalpin-Partner Jan Albert Veenema brach sich am dritten Tag bei einem Sturz die Schulter.

Sascha Kowalski aber lief weiter. Er hat seine Sportart gefunden, will auf die ersten Plätze. Mit einem ausgeklügelten Ernährungsplan, der ihm 500 Kalorien pro Stunde zugesteht. Denn: „Wer sich leer läuft, hat verloren.“

Speck hat er heute keinen mehr auf den Rippen. Hager sieht er aber auch nicht aus. Eher drahtig – und fröhlich. „Ich gehe über meine Grenzen, aber ich passe dabei gut auf mich auf.“

Von Anfang an habe er sich von einem Physiotherapeuten begleiten lassen. Bislang habe er weder Knie-, noch Hüft- oder Fußprobleme. „Ich achte beim Training immer darauf aufzuhören, wenn ich noch lächeln kann“, verrät er sein Geheimrezept.

Was ihn an den Ultraläufen so reizt? „Bis zum Marathon geht es eher um körperliche Leistungsstärke – die Ultraläufe aber schaffst du nur, wenn du mental fit bist.“

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