Bildung

Oberhausener Schulmuffel wandelt sich zum Einser-Abiturient

Marvin Jeromin möchte nach seinem Einser-Abi am liebsten Medizin studieren.

Marvin Jeromin möchte nach seinem Einser-Abi am liebsten Medizin studieren.

Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.   Der Oberhausener Marvin Jeromin hatte als Jugendlicher keine Lust auf Schule. Am Niederrhein-Kolleg hat er nun sein Abi nachgeholt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Früher hatte Marvin Jeromin mit Schule nicht viel am Hut. Familiäre Schicksalsschläge warfen ihn aus der Bahn; erst ist er vom Gymnasium geflogen, später auch von der Hauptschule. „Ich hab’ ziemlich viel Quatsch gemacht, ich hab’ rebelliert und die Noten waren auch nicht gut“, sagt der mittlerweile 29-Jährige über seine Jugend. Am Donnerstag bekommt der Oberhausener sein Abiturzeugnis ausgehändigt. Er hat die Prüfungen nicht nur bestanden. Er hat einen Traumschnitt von 1,0 erreicht.

Erst Haupt- und Realschulabschluss nachgeholt

„Der Weg dahin war ganz schön hart.“ Marvin Jeromin hat sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, am Oberhausener Niederrheinkolleg. „Im Hinterkopf habe ich immer schon gewusst, dass ein Abschluss wichtig ist und mich im Leben weiterbringt.“ Irgendwann hat er sich dann ein Herz gefasst und seinen Wunsch in die Tat umgesetzt.

Er holte zunächst den Hauptschulabschluss nach, drückte anschließend die Abendschulbank, um auch den Realschulabschluss zu bekommen. Per Zufall erfuhr er dann vom Oberhausener Nieder­rhein-Kolleg. „Ich hatte ja eigentlich schon zwei Ausbildungsverträge in der Tasche. Aber ich wollte mehr: Abitur und Studium.“

Drei Jahre lang Schulbank statt Ausbildung

Marvin Jeromin wählte also den unbequemeren der beiden möglichen Wege. Statt eine Ausbildung zu machen und Geld zu verdienen, entschied er sich fürs Lernen. Sechs Semester, also drei Jahre lang, hat er gebüffelt. Leicht ist ihm das zunächst nicht gefallen: „Ich musste das Lernen neu lernen“, erinnert er sich.

Aber der 29-Jährige scheint auf den Geschmack gekommen zu sein: Parallel zu den Abiturprüfungen legte er auch noch die Prüfungen zum Latinum ab. Wenn alles gut läuft, geht’s für Marvin Jeromin im April an die Uni. Der Oberhausener möchte Medizin studieren, die Bewerbung ist rausgeschickt.

Nach dem Abitur wartet nun die Uni

Seine Chancen schätzt er ganz gut ein. „Auf dem Kolleg muss man sich alles aus eigener Kraft erarbeiten. Wir übernehmen Verantwortung.“ Das werden die Universitäten bestimmt zu schätzen wissen, glaubt der Einserschüler. Während eines Studiums arbeitet man schließlich ebenso eigenverantwortlich.

Dass er für sein Studium eventuell wegziehen muss, ist Marvin Jeromin bewusst. „Ich hänge sehr an meiner Familie, leicht wird das nicht“, sagt er. Aber er ist bereit, auch diesen Schritt zu gehen. Er habe nicht so hart gearbeitet, um nun einen Rückzieher zu machen.

Zweite Chance nutzen, um durchzustarten

Sein Leben sei vielleicht nicht so geradlinig verlaufen wie das anderer Leute, aber das habe ihn nur um so ehrgeiziger gemacht. Menschen, die in ähnlichen Situationen stecken wie er nach seiner abgebrochenen Schullaufbahn, kann er nur raten: „Nutzt die Chance und macht was aus Eurem Leben, es gibt die Möglichkeit, noch einmal neu durchzustarten.“

Neues Semester startet im Februar

  1. Am Oberhausener Nieder­rheinkolleg können Schüler die Hoch- und Fachhochschulreife nachholen. In der Regel werden die Bildungswege mit sogenannten Bafög-Mitteln unterstützt.
  2. Das neue Semester startet am 1. Februar. Noch sind Plätze frei. Informationen (auch in den Ferien) unter 0208 - 8808 70.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben