Fasia-Jansen-Gesamtschule

Oberhausener Schulleiter setzt auf Respekt und Regeln

Bücherfan Karl-Heinz Burkart in der Schulbibliothek der Fasia-Jansen-Gesamtschule.

Bücherfan Karl-Heinz Burkart in der Schulbibliothek der Fasia-Jansen-Gesamtschule.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  19 Jahre lang war Karl-Heinz Burkart Leiter der Fasia-Jansen-Gesamtschule. Zum Abschied hat er einen großen Wunsch an die Schulpolitik in NRW.

Lange Reden hat er sich verbeten und selbst will Karl-Heinz Burkart auch nicht viele Worte verlieren bei seiner Abschiedsfeier, nur ein paar schöne Stunden verbringen mit Kollegen, Weggefährten, Stadtvertretern und Schülern. Dabei könnte der 65-Jährige eine Menge erzählen aus seinem Schulleiter-Leben.

Seit 28 Jahren in der Schulleitung

Immerhin 28 Jahre ist Karl-Heinz Burkart in verantwortlicher Position an der Fasia-Jansen-Gesamtschule in Alt-Oberhausen, früher Gesamtschule Süd, tätig. Die letzten 19 Jahre ist der gebürtige Lübecker der Leiter der „Fasia“ mit ihren rund 1200 Schülerinnen und Schülern und rund 100 Lehrern gewesen. Nun stehen für den Mathe- und Physiklehrer die letzten Tage an seiner Schule an der Schwartzstraße an, am 31. Juli ist offiziell Dienstschluss.

Ein komisches Gefühl? Burkart sitzt in seinem schon sehr aufgeräumten Büro und guckt unschlüssig. „Ob ich traurig bin, kann ich noch nicht einmal so genau sagen“, meint er nachdenklich, „ich weiß nicht, ob ich es verkrafte oder vermissen werde, nicht mehr gestalten und mitreden zu können.“ Er ist auf jeden Fall für einen klaren Schnitt, will seinen Nachfolgern nicht reinfunken, „ich laufe hier nicht mehr auf“. Er hofft, dass seine bisherige Stellvertreterin Dr. Sabine Meder die Schulleitung übernimmt, das sei aber noch nicht entschieden.

Erste Stelle an der Heinrich-Böll-Gesamtschule

Der Bücherfan oder „Bibliomane“, wie Burkart sich selbst bezeichnet, freut sich auf viel mehr Zeit fürs Lesen und Sammeln von bedruckten Werken: von Expeditionsberichten über Romane bis zu Sachbüchern, „ich bin neugierig auf alles“. Die Regale in seinem Haus in Duisburg-Friemersheim sind jedenfalls gut gefüllt – und es dürfen noch mehr werden. Zeit für die Enkelkinder, dreieinhalb Monate und dreieinhalb Jahre alt, hat der vierfache Vater dann künftig im Ruhestand auch.

In Dortmund hatte Karl-Heinz Burkart studiert und sein Referendariat absolviert, um danach eine Stelle ein der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen-Schmachtendorf anzutreten, damals noch Gesamtschule Nord.

Lehrer geworden zu sein, „habe ich nie bereut“, die Arbeit mit den Schülern „hat mir immer Spaß gemacht“. Bis vor anderthalb Jahren hat Karl-Heinz Burkart noch Unterricht gegeben, auch wenn er es als Schulleiter nicht mehr gemusst hätte. Ja, er gelte wohl als strenger Lehrer, gibt Burkart zu, „ich habe bestimmte Vorstellungen, wie der Unterricht abzulaufen hat“: Regeln, Respekt, Mitarbeiten. „Ich erwarte nicht, dass die Schüler meine Fächer mögen“, sagt Burkart nordisch-trocken, „aber abschmieren muss keiner.“ Was Kraft gibt, sind positive Rückmeldungen zum Beispiel von Ehemaligen, die vorbeikommen und „schnacken“ wollen. „Es ist schön zu erleben, dass die einen nicht vergessen haben.“

Beruhigungstee am Abend

Ruhiger angehen lassen konnte es Karl-Heinz Burkart auf der Zielgeraden seines Berufslebens nicht. Da musste der Kaffeetrinker abends schon mal einen Beruhigungstee zum Runterkommen trinken. Es sei nicht die eigentliche Arbeit in der Schule, die den Kopf summen lässt, sondern die Veränderungen in der Gesellschaft, die sich zunehmend polarisiere, was auch in der Schule zu merken sei. Burkart zählt den Einfluss der digitalen Medien auf seine Schüler genauso dazu wie die zunehmende Haltung von Eltern, sich gleich bei Bezirksregierung oder Ministerium über einen vermeintlichen oder tatsächlichen Missstand zu beschweren, anstatt vor Ort das Gespräch zu suchen.

Schulpolitisch seien in Oberhausen Weichen falsch gestellt worden, kritisiert Karl-Heinz Burkart, der auch viele Jahre Sprecher der weiterführenden Schulen in Oberhausen war. Grundsätzlich falsch ist aus seiner Sicht der Beschluss gewesen, die Hauptschulen abzuschaffen, „ohne für einen adäquaten Ersatz zu sorgen“. Durch das Fehlen der Hauptschulen „ist dem gegliederten Schulsystem hier die Basis weggekippt“. Nun würden Gesamtschulen als Ersatzhauptschulen rangezogen, was so nicht vorgesehen sei. „Wir brauchen einen neuen Ansatz in der Schulpolitik in ganz NRW. Entscheidungen sollten nicht von Wählerstimmen abhängig gemacht werden, sondern sachbezogen erfolgen“, wünscht sich der Schulleiter zu seinem Abschied.

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