Digitale Schule

Oberhausener Schulen müssen erstmal weiter auf Papier setzen

Digitale Arbeitsorganisation: Den Schulen fehlt noch eine Plattform dafür.

Digitale Arbeitsorganisation: Den Schulen fehlt noch eine Plattform dafür.

Foto: Andrea Warnecke / picture alliance / dpa-tmn

Oberhausen.  Digital Termine verwalten, Aufgaben stellen oder ein Klassenbuch führen: Seit Jahren müssen Oberhausener Schulen auf eine Software dafür warten.

Der Sprung ins 21. Jahrhundert ist den Schulen bisher nicht gelungen: Zumindest, was die digitale Arbeitsorganisation angeht. Noch immer werden Stundenpläne, Lernmittel, Kalender, Adress- oder Klassenbücher vielfach auf Papier geführt – oder es wird mit digitalen Zwischenlösungen gearbeitet. Dabei gibt es moderne Software-Plattformen, die Schulen dafür nutzen können – sie müssen allerdings vom Schulträger angeschafft werden. Daran bastelt die Stadt derzeit.

Logineo NRW ist eine solche digitale Arbeitsplattform, ein Prestigeprojekt des Landes, das sich aber zum „Rohrkrepierer“ entwickelt habe, sagte Simone-Tatjana Stehr, Ratsfraktionschefin der CDU, im Schulausschuss. Anlass für die Diskussion war ein Antrag der SPD-Fraktion: Die Verwaltung solle einen Sachstandsbericht zur Einführung bzw. Nutzung von Logineo NRW liefern.

Logineo steht jetzt zur Verfügung

Logineo sei „ein leidiges Thema“, sagte Michael Middendorf, Leiter der Stabsstelle IT-Management bei der Stadt. Seit über zehn Jahren werde die digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform für die Schulen vom Land angekündigt. Nachdem 2017 aus datenschutzrechtlichen Gründen und wegen technischer Mängel die Ausrollung der Software gestoppt worden sei, stehe das Programm jetzt zur Verfügung.

Die Schulen müssen nun allerdings entscheiden, ob sie es überhaupt noch wollen. Denn in der Zwischenzeit „haben wir geschaut, welche Alternativen es gibt“, sagte Middendorf. Bei dieser Suche ist die IT-Abteilung im Rathaus auf das Programm I-Serv gestoßen, eine Software, die bereits an Schulen in der Nachbarstadt Duisburg angewendet wird. Deren Rückmeldung: „sehr wertvoll und hilfreich“, berichtet Middendorf.

Accounts für Lehrer und Schüler

Der Nachteil von I-Serv: Es kostet etwas (einmalige Anschaffungskosten und laufende Kosten für Wartung etc.), Logineo ist kostenlos. Vorteil von I-Serv: Es kann deutlich mehr als Logineo. Zum Beispiel könnten nicht nur für Lehrer kostenlose Mail-Accounts eingerichtet werden wie bei der Landessoftware, sondern auch für Schüler. Klausurpläne, Hausaufgaben, Zugriff auf digitale Lernmittel: Die Möglichkeiten des servergestützten Programms seien vielfältig. „Zur Zeit ist es so, dass I-Serv für große Schulen die besseren Lösungen bietet“, berichtete Marc Bücker, Schulleiter des Hans-Sachs-Berufskollegs, im Schulausschuss aus der Praxis. „Wir sind überzeugt davon, dass I-Serv ein gutes Produkt für die Schulen ist“, bestätigte Middendorf.

Keine Angaben zu Kosten

Der IT-Fachmann konnte zwar keine Angaben zu den tatsächlichen Kosten machen, die Anschaffung könne aber „definitiv“ aus Fördermitteln des Digitalpakts finanziert werden. „Bevor jetzt alle Schulen sagen, was sie haben wollen, sollten die Kosten der Politik dargelegt werden“, warnte Thomas Krey (SPD). Ob der Stadt bekannt sei, mit welchen individuellen (Not)Lösungen sich die Schulen aktuell behelfen würden, wollte Christian Benter (CDU) wissen. Auf letztere Frage gab es keine Antwort, wohl aber betonte der Leiter der IT-Stabsstelle, dass er eine Software, die zu teuer sei, gar nicht erst vorschlagen würde.

Technisch umsetzbar?

Im Auftrag der IT-Stabsstelle prüft jedenfalls die OGM derzeit die technische Umsetzbarkeit von I-Serv, erklärte Michael Middendorf auf die Frage von Andrea-Cora Walther (Bürgerliste), ob die Einführung des Programms überhaupt möglich sei. Nach den Herbstferien finden Treffen statt, bei denen die Schulen nach ihren Wünschen gefragt werden sollen. Ab wann die Schulen mit I-Serv arbeiten könnten, so sich denn die Politik für eine Anschaffung entscheiden würde, ist unklar. Zuerst einmal muss die digitale Infrastruktur in den Schulen (Server, Breitbandanschluss) auf Vordermann gebracht werden – mit Mitteln aus dem Digitalpakt NRW. Dafür soll wie berichtet noch in diesem Jahr eine erneute Ausschreibung stattfinden sowie dann der Förderantrag gestellt werden.

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